Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 20 (16.5.1865)
- Date
- 1865-05-16
- Page
- Seite 300 (sequence 2)
- Language
- German
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300 gehen läßt und schon der zweiten Generation zuschreibt,^ so spricht sie doch, bereits der drittey den Beginn' Anrufung Gottes durch das Wort zu. Sie sagt, daß zur Zeit des Enoch, des Sohnes Scheth's, man anfing „den; Namen des Ewigen anzurufen" 1 Moses 4, 26)*). Bei Abraham verbindet sie diese Anrufung Gottes mit den; Altären, die er an verschiedenen Orten errichtet, also mit den Opfern, so daß bereits hier die symbolische Handlung mit dem Gebet vereinigt erscheint (12, 8. 13,4.). Eigentümlich ist hier nur 21, 33., wo ein inhaltlicher Zug dieser Anrufung durch Abraham angedeutet wird: „er rief dort den Namen des Ewigen an, des Gottes der Ewigkeit." Demungeachtet enthält das.ggne Ge-, setz nur eine allgemeine Vorschrift über ein Gebet und nur ein vorgeschriebenes Gebet, so daß alle Erwähnungen von Gebeten in den fünf Büchern Mosis nur solche betreffen, die sich an bestimmte Ereignisse knüpfen, und unter diesen wieder nur ein Gebet, welches die gesammte Gemeinde betraf, Es ist hierdurch klar, daß das mosaische Gesetz die Anrufung Gottes durch Gebet völlig frei ließ, in keinerlei Weise binden wollte, und jedem Individuum nach dem Aufschwünge seines Geistes, nach den Empfindungen seines Herzens überantwortete. Jene allgemeine Vorschrift betrifft das Dankgebet nach der Einnahme von Speisen, 5 Mos. 8:10: „Du wirst essen und satt werden, und sollst dann preisen den Ewigen, deinen Gott, für das gute Land, das er dir gegeben." Die folgenden Verse zeigen, daß diese Vorschrift eines Tischgebetes, das seinen Worten nach Jedem überlassen ist, vorzugsweise den Zweck hatte, deu Israeliten auch bei jedem einzelnen Genüsse Gottes, des Gebers alles Guten, gedenken zu lassen, und zwar mit der bestimmten Absicht, daß „er wahre die Gebote, die Rechte und, Satzungen dieses Gottes." Diese einzige direkte und konkrete Gebetsverpflichtung enthält ein bedeutungsvolles Moment. Sie zeigt', daß bei aller Freiheit des Individuums die Religion doch das Recht und die Pflicht hat, dasselbe auf das Gebet hinzuweisen, es ihm zu einer heiligen Angelegenheit zu machen und durch die siete *) In diesem Sinne fassen es schon Septuaginta und Aquilas. Die Targumim zwar und nach ihnen viele jüdische Erklärer fassen die Worte: man habe den Namen Gottes entweiht, indem man ihn Menschen und Bildern beigelegt; aber auch Aben- Esra und Abarbanel verstehen es so, daß man begann, Gott anzurnfen in den Leiden und bei den Werken des Lebens. Die h. Schrift bezeugt dies durchaus, da schon 12, 8. 13,4. 21, 33 von Abraham gebraucht wird. Wiederkehr deS letzteren, das Band zwischen den Menschen und Gott in persönlichster Weife,, zu erhalten und zu befestigen. Es ist dies ein Gründzug des ganzen Mosaismus: das Individuum durch seine persönliche Freiheit auf sich sebst, seine freie Selbstbestimmung, seine That aus eigener Entschließung zu stellen, dann aber wieder es diese Freiheit innerhalb des, Gesetzes werkthätig üben zu lassen, und ihm so daß Bewußtsein von Pflicht und Recht, von der Freiheit und Abhängigkeit, von der Selbstbestimmung und deu nnabweisbaren Bedingungen des Lebens zu gleicher Zeit zu geben. Die Veranlassung zu diesem gesetzlich vorgeschriebenen Gebete ist .nun der Natur des Menschen völlig angemessen und wie abgelauscht. Gerade nach dem Genüsse, nach der Befriedigung des Bedürfnisses fühlt der Mensch um so eher den bewegenden Grund in sich, das Wort des Dankes aus dem leichten und befriedigten Herzen an Den zu richten, der die Quelle aller Gaben und Spenden der Natur und des Lebens ist; ulch hinwiederum ist ebenso die Stunde des Genusses diejenige, in welcher der Mensch am leichtesten seines höheren geistigen Wesens vergißt und sich von der materiellen Befriedigung ganz erfüllen läßt, ja, wo er die Grenze des Bedürfnisses leicht überschreitet. Jnnerhallb der Gegensätze, die wir im Wesen des Menschen überall antreffen, ist demnach die Vorschrift des Tischgebetes nach der Sättigung ebenso angemessen wie nützlich. Die einzige vorgeschriebene Formel findet sich 5 Mos. 26. Nach der Abgabe der in das Heiligthum gebrachten Erstlinge aller Früchte an deu Priester hatte der Israelit zuerst V. 3, dann. B. 5 bis 10 zu sprechen*). In die- *) V. 3: Ich bekenne heute dem Ewigen, deinem Gotte, daß ich gekommen bin in das Land, welches der Ewige zugeschworen unfern Vätern uns zu geben" B. 5—10. „Ein irrender Arammi war mein Vater, und zog hinab nach-Mizrajim, und hielt sich daselbst auf, gering an Männern, ward aber daselbst zu großer, mächtitiger und zahlreicher Nation. Da mißhandelten uns die Mizrim und drückten uns und legten uns schwere Arbeit auf. Wir aber schrieen zum Ewigen, dem Gott unsrer Väter, und der Ewige hörte unsre Stimme und gewahrte unser Elend und unser Mühsal und unfern Druck; und der Ewige führte uns aus Mizrajim mit starker Hand und ausgerecktem Arme unv mit großer Furcht und mit Zeichen und mit Wundern. Und er brachte uns an diesen Ort, und gab uns dieses Land, ein Land, fließend von Milch und Honig. Und jetzo, siehe, gebracht habe ichZdie Erstlinge der Frucht des Bodens, welchen du mir gegeben, Ewiger."