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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1865-05-09 · Heft 19 (9.5.1865) · p. Seite 287

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
29 (1865)
Issue
Heft 19 (9.5.1865)
Date
1865-05-09
Page
Seite 287 (sequence 5)
Language
German
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L87 egyptischen Mumiefizirung und Todtenbestattung nichts anders als die Bethätigung des Dogmas der Egypter von der Wiederbelebung derloden Veiber durch die unsterblichen Seelen zu einer bestimmten Zeit. Es braucht nun kaum bemerkt zu werden, daß in dem Stillschweigen der mosaischen Urkunde über die Unsterblichkeit, die nur hier und da angedeutey aber nirgends gelehrt wird *), sowie daß keine Spur von einer Glaubenslehre über eine Wiedererstehüng der Todten sich daselbst findet**), ein Gegensatz gegen das egyptische Wesen liegt, wie er nicht stärker fein kann, uud der jede Analogisirung in einigen zufälligen äußerlichen Dingen energisch zurückweist. Wir wären hier mit dem zu Ende, was uns in der Abhandlung R6nan's speciell interessirt. Aber bei der großen Wichtigkeit, welche dieser Schriftsteller in der jüngsten Zeit erlangt hat, kommt es doch darauf an, sich ein treues Bild von ihm zu schassen, und ihn in seinen Vorzügen wie Schwächen kennen zu lernen. Daher noch die Bemerkung, daß sich R6nan allerdings von augenblicklichen Eindrücken und Gedanken allzusehr Hinreißen läßt, um nicht Behauptungen aufzustellen, die er selbst als einseitig und irrig erkennen müßte. So, nachdem er die Erzeugnisse des griechischen und semitischen Geistes auf Egypten zurügeführt hat, meint er, Wissenschaft und Kunst des Mittelalters, und der neueren Zeit seien nur die Fortsetzung der griechischen, in den Wissenschaften hätten die neueren Völker die Griechen überwunden, aber in der Kunst seien sie hinter ihnen zurückgeblieben. -Die letzte Behauptung ist offenbar falsch; denn wenn sie auch von der Bildhauerkunst richtig ist, so hat doch die Malerei und die Musik der modernen Völker die der Griechen bei deren Unkenntniß der Perspective und Harmonie weit übertroffen, und selbst die Architektonik des Mittelalters steht so originell neben der griechischen, daß sie als eine großartige Entwickelung der griechischen nicht untergeordnet werden kann. Wenn in den vergangenen Jahrhunderten die Geschichtsschreibung nichts Anderes als eine dürre Aufzählung der äußeren Thatsachen und Daten war, so hat man sich jetzt vor nichts mehr zu bewahren, als vor der Sucht, Epochen, Racen, Völker durch Schlagwörter und schematisirende Charakteristika in Schranken einzugrenzen, über welche deren Wesen weit hinausreicht, und durch welche die Geschichte ein reiches aber doch nur falsches Licht erhält. *) S. unsere Religionslehre Bd. II.. S. 235. **) S. das. S 242. Literarischer Wochenbericht. Berlin, 18. Jan. (Musikalisches). Bei der neulich stattgefundenen 150 jährigen Jubelfeier der „Chebrath ' Mohalim" hatten wir Gelegenheit, einige neue musikalische Werke aus der Feder unseres geschätzten Künstlers, des Herrn L. Lew and owski, zu hören, die sämmtlich für Chor mit Blechmusikbegleitung eigends zu dieser Feier componirt worden waren. Heben wir als die werthvollsten zwei Psalmen hervor, den lOOsten und 150sten, die im großen Händel'schen Style componirt, von erhebender Wirkung waren. Ohne die Würde der Composition zu beeinträchtigen, hatte sich der Componist auch die fortgeschrittene Melodik, Harmonik, und Rhytmik unsrer Tage zu Nutze gemacht. Von großem Interesse war uns die Introduktion (zu welcher eine alte synagogale Sangweise benutzt worden war), die uns zeigte, wie man alte Melodien, ohne deren Eigenthümlichkeiten zu verwischen, für die fortgeschrittenen Anforderungen, die unsre Zeit an ein das Gotteshaus verherrlichendes Kunstwerk stellt, zu behandeln habe. — Einige moderne Wendungen des Iubelliedes (von S. Pleßner in Posen gedichtet) hätten wir zu Güsten des einheitlichen Eindrucks, den die vorigen Stücke auf uns gemacht, gern hinweggewünscht. Emil Breslaur. Mühlhausen (Thüringen) 18. Jan. nyn Hebräische Lesefibel nach Dentzel's, L. Smitzsches, Diesterwegs und A. Grundsätzen der Lautirmethode; zugleich ein Leitfaden bei der Anwendung des neuen, beweglichen Alphabets von I. M. Lewisohn, Lehrer in Fulda. Mit Vorwort vom Rabbiner Dr. Enoch. 5te verbesserte und mit Vorschriften für die jüdische Currentschrift vermehrte Austage. Fulda 1865. Müller 8 kl. S. 32. Der, nunmehr selige, Verfasser, welcher 3 Auflagen des angezeigten Merkchens herausgegeben hat, bemerkt bei der Uebergabe der 3ten: „Möge diese Auflage eben so viele Gönner finden, wie ihre Vorgängerinnen". Sein Wunsch ist in Erfüllung gegangen. Die 5te, von Dr. Enoch heraüsgegebene Auflage enthält kein besonderes Vorwort, ergiebt sich jedoch aus der 4. Auflage — Seitdem die Lautirmethode der Deutschen den bedeutendsten Eingang gefunden hat, ist die Anordnung mit Glück auf fremde Sprachen, selbst auf das Hebräische übergegangen. Die 1. Stufe. Vorführung und Einübung der Vocale, der einfachen und zusammengezogenen. Da es im Hebräischen

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