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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1865-05-09 · Heft 19 (9.5.1865) · p. Seite 286

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
29 (1865)
Issue
Heft 19 (9.5.1865)
Date
1865-05-09
Page
Seite 286 (sequence 4)
Language
German
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286 thümlichkeit der chamitischen Race: sie wird nicht allein mit ihren ganzen Fähigkeiten, sondern auch schon mit der vollen Entfaltung derselben geboren. Dies scheint uns nun freilich keine Erklärung. Zu sagen,! daß eine Erscheinung, die eben der ganzen Menschennatur und aller bisherigen Beobachtung widerspricht, die, weil sie schon von dem Entwicklungsgänge jedes menschlichen Individuums Lügen gestraft wird, auch nicht in einer ganzen Race vorausgesetzt werden kann, die Eigenthümlichkeit einer Race sei, erklärt nichts, sondern sagt nur mit andern Worten, die Erscheinung ist da und so und so. Wir sehen aber in der That nicht ein, warum man dem egyptischen Volke zu den angenommenen sechs Jahrtausenden nicht noch ein Dutzend mehr geben will, in welchen die egyptische Arbeit sich langsam kultivirte, deren rohe Produkte später beseitigt wurden, weil sie mit den dann festgestellten Normen nicht übereinstimmten. Denn jemehr R6nan die egyptische Kunst bei allem Mangel der Genialität, wegen ihrer außerordentlichen Ausführung bewundert, desto mehr ist es undenkbar, daß der erste egyptische Künstler gleich so gearbeitet haben soll, wie der geübteste und fertigste der spätesten Zeit. — Hier aber ist es, wo sich Rönan gleich wieder eines Widerspruches schuldig macht. Er meint hinsichtlich des zweiten Moments, daß, wenn die egyptische Geschichte, wie sie uns durch die Monumente, die Inschriften u. dgl. überliefert ist,. von keinem großen Manne berichtet, so ist dies ein Beweis, daß auch keiner existirt hat, und zeigt an vielen Beispielen aus der arischen und semitischen Race, daß jeder große Mann auch seinen großen Dichter und Geschichtsschreiber findet. Warum aber nimmt er hier nicht auch eine Eigenthümlichkeit der äthiopischen Race an, die, weil sie aus dem Frieden der Mittelmäßigkeit nicht heraus wollte, sorgfältig alle Spuren großer Männer verwischt, und nachdrücklich ihre Werke und Thaten zu dokumentiren verweigert hät/e, um nur still bei der Aufzählung ihrer gleichmäßigen Dynastien und der Ewähnung ihrer treuen Beamten verbleiben zu können? Dies wäre doch für R6nan piel konsequenter gewesen, als den Geschlechtern von sechs Jahrtausenden jede Fähigkeit, einen großen Charakter hervorzubringen, abzusprechen. Wir heben dies hier hervor, um schon jetzt darauf aufmerksam zu machen, wie sich hier die Bereicherung und Vollendung des Racenschematismus vorbereitet. Es sollen hiermit charakteristische Momente für die dritte Race, deren Schema bis jetzt noch ziemlich leer war, gewonnen sein, und man wird nun schnell genug diese Charakteristika für völlig erwiesen annehmen, um den Racenfanatismus in seiner Siegestrunkenheit zu bestärken. Es geht aber ein" eigenes Geschick'durch alle derartige Gewaltthätigkeiten an der Geschichte, durch alle solche Versuche, die Geschichte des Menschengeschlechtes zu systematifiren und in ein hölzernes Gefächer zu verwandeln. Unter der Hand des dahin arbeitenden Meisters selbst stellt sich die Widerlegung ein. Ränan wird durch die Ueberschwänglichkeit, mit welcher jetzt die egyptischen Denkmäler betrachtet und die Verdienste seines Landmannes allen bisherigen Bestrebungen auf diesem Felde voranstellt, verleitet, alle Erzeugnisse der beiden andern Racen auf die egyptischen zurückzuführen. Die griechische Kunst ist nach ihm doch nichts Anderes, als die egyptische, namentlich die griechische Baukunst in allen ihren Theilen sammt den Säulenordnungen egyptisch. Der semitische Monotheismus hat seinen-Ursprung in Egypten, aus dessen ältester Zeit sich Tempel und Altäre ohne alle götzendienerischen Abzeichen erhalten haben — also doch schon wieder eine Verschiedenheit zwischen früher und später auch in Egypten-und selbst der Mosaismus lehnt sich Egypten an, denn die h. Lade und der salomonische Tempel haben Analogien in Egypten. Auf diese Weise steht R6nan schon dicht an dem Punkte, wenn auch unbewußt, die Raeeneigenthümlichkeiten wieder aufzugeben, und in der ganzen Geschichte des Menschengeschlechtes einen solchen Austausch, eine solche Ent- und Aneinanderlehnung walten zu lassen, daß-eine Begrenzung der Racen nicht mehr möglich sein würde. Wir brauchen nicht hinzuzufügen, daß es nur als ein sehr verunglückter Versuch, und nicht einmal mit dem Verdienste der Neuheit, angesehen werden kann, die Lade und den Tempel auf Egypten zurückzuführen, und darum die israelische Gotteslehre in Egypten entspringen zn lassen. Eine Lade oder ein Kasten zur Aufbewahrung heiliger und profaner Dinge, ist eine sehr einfache Sache, die sich überall wiederfindet. Es kann kein Zweifel darüber stattfinden, daß der salomonische Tempel auf phönizische Baumeister zurückzuführen ist, und bei aller Anlehnung an die anderweitige Architektur konnte in ihm dennoch die eigenthümliche Idee ausgeführt werden) über den altegyptischen Monotheismus wird man aber doch nur lächeln müssen. Gerade in dieser Abhandlung Rsnan's finden sich im Gegentheil neue und starke Beweise für den auch von uns so oft dargelegten Gegensatz, der im Mosaismus besonders gegen Egypten vorherrschend ist. R6nan erkennt in der

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