Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 18 (2.5.1865)
- Date
- 1865-05-02
- Page
- Seite 276 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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27fi Oesterreichischer Kaiserstaat« Aus Oberungarn, im Aptil. (Privatmitth.) Eine Deputation -aus MunkLcs begab sich vor wenigen Tatzen nach Nagy-Käroltz, um den' Rabbinen dieser Gemeinde zum Commitatsrabbinen des Bereger Commitates zu erwählen. Der Nagh-Kürolyer Rabbi, bisher als liberal in Ungarn beliebt, hat schon im vorigen Jahre durch Besuch der Nhregyhazer Rabbiner-Versammlung seine Sympathie für die Orthodoxie zu erkennen gegeben und durch seinen Ueberlauf zum Chassidismus den Beweis geliefert, wie hier zu Lande die aufgeklärten Rabbinen ihr Verhältniß zur Orthodoxie und zum Chassidismus auffassen. ' In Pecseneudorf, ‘ einer benachbarten Gemeinde von Eperies würde der 70 jährige Laie Moscheh Groß P6re, berühmt durchs seine energische Betheiligung bei der vorjährigen Seminarfrage, als Raöbine gewählt und hat 'bereits diesen Posten angetreten. : Vom Dberrabinate der Preßburger Hochschule wurde an die bedeutenden Rabbinate Ungarns ein Hirtenbrief erlasset: (Letab joseber ckibre emetfi), in welchem das Treiben des Szikszoer Heiligen Rebb Hilel scharf gegeiselt und der Federfuchser des „jüdischen Herzens" iü 'der Person des Schwiegersohnes des Szikszoer Frommen als Akiba Josef, ehemals Zögling einer deutschen Hochschule (soll wohl heißen einer-österreichischen Normcrlschule!) dem Publikum vorgeführt wird. Daß dieser Akiba Josef ehedem deutsch gelernt, wußten auch wir ohne den Hirtenbrief, da das „jüdische Herz" mit bußfertigem Herzen dieses seinen Lesern mittheilt, neues erfuhren wir bloß insofern wir jetzt keinen Augenblick mehr in Zweifel sind, daß die geschwärzten Stellen im Lew ha-Jwri gegen Rabbe Fei sch 'in Preßburg gerichtet sind. Z .. Pesth, 15. April. (Privatmitth.) Die-Statuten des isr. Pensionßvereins von Lehrerwittwen und Waisen sind höhern Ortes vorläufig nicht genehmigt worden. Wir erwarten, daß das Comit6, an deren Spitze der wackere Lederer steht, auch bie Lehrer der Provinz zu den Berathungen hinzuziehen wird. Die Statuten der Gemeinde sind dieser Tage von der hohen Behörde sanktionirt herabgelangt, abgerechnet einer kleinen Frac» tion entsprechen dieselben weder den Bedürfnissen der Zeit,-noch den der-Gemeinde. ' Wien, 13. April. (Privatmitth.) Nicht ohne Interesse ist eine hebr. Flugschrift der :!rrnn in Preßburg. Dieselbe polemisirt gegen Flugschriften rc.,' welche in letzter Zeit erschienen und gegen die sogenannte Orthodoxie gerichtet sind. Diese betrachten es als Ketzerei und verdammen mit Berufung auf den ehemaligen Preßburger Rabbiner deutsch zu sprechen oder zu predigen; das Jüdisch-deutsch allein habe Berechtigung rc. Die Preßburger Gelehrten stellten eS nun in der oben citirten Flugschrift in Abrede; daß der ehemalige Preßburger Rabbiner einen Pentateuch mit Mendelssohn'scher Uebersetzung unter den Tisch geworfen habe, oder daß er ein Feind der deutschen Sprache gewesen seü Er war allerdings ein Gegner derjenigen, die sich mit deutschen Studien beschäftigten, weil er meinte, daß diese zum Abfalle des Glaubens führen. Wenn er sich jedoch überzeugt hatte, daß diese Folge nicht eintrat, so duldete er auch deutsche Predigten und beförderte er selbst Rabbiner, welche deutsche Reden hielten.; Der jetzige Preßburger Rabbiner wird ferner in Schütz genommen, daß er keine Shnägotze besucht, auf welcher eine thurmartige Kuppel sich befindet , da er nicht wisse, daß derartige Kuppeln sich auch auf christlichen Kirchen befinden. Diese Bertheidigung ist allerdings nicht sehr glücklich. Sie erinnert uns an die bekannte Frage zur Stelle iwrr^v i^ vr>nn und wo hat denn der Narr seine Augen? So viel ünS bekannt ist, war der Preßburger Rabbiner schon mehrere Male hier in Wien. Hat er immer die Augen niedergeschlagen^ wenn er an einer Kirche vorüber kam? — Doch wir wollen darüber nicht rechten. Uns genügt es zu erfahren, daß selbst die Preßburger „Thoralerner" erklären, es sei nothwendig deutsch zu predigen, da die Leute das jüdisch-deutsch nicht verstehen. Wir hätten nicht geglaubt, daß die Preßburger >,Thoralerner" bereits auf dieser Höhe der Cultur stehen. Wer hätte das noch - vor zwei Jahrzehnten vermuthet? Wie bekannt hat auch in der That die Preßburger orthodoxe Gemeinde vor einigen - Jahren einen Prediger ausgenommen, welcher jedoch auf sehr schlechtem Fuße mit dem Dativ und Accusativ stehen soll. - Nicht uninteressant sind auch einige-Notizen über den ^; Verfasser der Schriften •’wn f Wsb.; Derselbe war zuerst Bachur sn Preßburg und ging von da nach