Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 18 (2.5.1865)
- Date
- 1865-05-02
- Page
- Seite 275 (sequence 9)
- Language
- German
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m ■nj ^e-Htrqgl'ndie- DMüon der Regierung mit der Aufforderung zu überweisen, die Initiative zu' ergreifen, um im Wege der Gesetzgebung die, itif. Beziehung auf die Beitragspsticht zu Personallasten .bestehende Ungleichheit' zwischen Juden und Christen zu beseitigen. : Abg. Lette: Entweder handelt es sich hier um Reallasten, die auf einem Grundstück ruhen, und das ist nicht erwiesen, oder um Lasten, welche auf dem Parochial - Verbände ruhen. Dies scheint zuzutreffen, und da ist nicht abzusehen, wie man die Juden heranziehen konnte. Es ist deshalb Abhülfe im Sinne des Antrages des Abg. Kosch wünschenSwerth. . Abg. vi. G n e i st (für die Tagesordnung): Zwischen dem dinglichen und dem persönlichen Rechte, welche hier einander gegenüberstehen, liegt eine Menge von Verhältnissen, deren Beseitigung unendliche Schwierigkeiten bietet. In einem Nachbarlande sind auf diesem Gebiet schon 24 Gesetzentwürfe zu nicht geworden; mit Überweisung der Petition an die Regierung ist nichts Anderes gesagt, als:: „wir wissen keinen Weg und keiy Mittel, die Sache auszugleichen, wir vertrauen aber der Weisheit der Regierung, daß sie den Weg finden werde". Das zu sagen steht uns wohl an. c Der Antrag aus Tagesordnung besagt nicht, daß mau das Bedürfniß einer Abhülfe verkenne, er drückt nur ein „non Uguet" aus, bis der rechte Zeitpunkt zur Abhülfe gekommen ist. Nachdem der Abg. Lasker den Antrag des Abg. Kosch befürwortet hat, wird zur Abstimmung geschritten,' deren Resultat zweifelhaft ist. Man muß deshalb zur .Zählung schreiten, welche 58 Stimmen für den Antrag Kosch, 59 Stimmen für die Tagesordnung ergiebt. Abg. Kosch: Die Zählung ergiebt, daß das Haus nicht beschlußfähig ist. Präs. Grabow: Ich muß dies allerdings zugeben und kann daher heute nicht weiter verhandeln. LWjdöberg, a. d. Warthe 12. Apr. (Privatmitth.) Am 8. d. M. feierte hier der Verein Haspokath Ewjomim sein 70jähriges Wiegenfest. Auf Anregung unseres, in weiteren Kreisen rühmlichst bekannten Vorstehers, Stadtrath Benui Burkhardt, die von unserem verehrten Rabbinen vr. Klemperer kräftig gefördert wurde, beschloß der Verwaltunsrath des genannten Vereines» den Jübeltag festlich zu Hegehen, Abends am Ausgange des SabbathS fand nun die gottesdienstliche Feier in der Synagoge statt. In Meisterhafter Rede entwickelte Herr vr. Kemperer die Vorstellungen des Judenthumes von dem Wesen und der Bestimmung der Armuth, aus denen der vielbewunderte Baum der jüdischen Wohlthärigkeit emporwuchs. In freudig gehobener Stimmung begaben sich hierauf sämmtliche Mitglieder des Vereins zu einem Festmahle , bei welchem sinnige Toaste in Ernst und Scherz wechselten. Cüstrin, 20. März. Es war das verwichene Purim ein schönes Doppelfest für die hiesige jüdische Gemeinde zu Ehren ihres hervorragendsten Mitgliedes Herrn Salomo Fürstenheim, des ersten Juden, der vor 50 Jahren es gewagt hat, sich hier anzusiedeln, was die damalige Intoleranz nicht gut heißen mochte. Aber nur zu bald wußte Herr F. durch seine Bieder? keit dem christlichen Publikum Achtung abzuringen und die krassen Vorurtheile zu benehmen; er war als Bürger ausgenommen, zog mehrere Glaubensgenossen nach sich und konstituirte im Verlauf der Zeit — nicht ohne Mühe und Schwierigkeit — eine jüdische Gemeinde. Herr F. verwaltete alle jüdischen und auch communalen Ehrenämter mit großer Umsicht und Gewandtheit und genoß die Hochachtung aller seiner Mitbürger ohne Unterschied des Glaubens. Eben darum war es von den Vertretern der jüdischen und städtischen Interessen beschlossen, am Tage seines 50jährigen Bürgerjubiläums, ihm eine Ovation zu bereiten. Am 16. Vormittags 11 Uhr begrüßten die zwei Aeltesten und Vorsteher im Namen der jüd. Gemeinde den Jubilar und überreichten ihm ein Chomesch mit 7 hebr. Commentaren in einem Prachtexemplar. Um 11^2 Uhr erschienen Magistrat und Rathsherren von Seiten der Stadt; erfterer hielt an den Jubilar eine gehaltvolle Ansprache, in welcher er ihn mit Abraham verglich, der den Kindern Israel den Weg in das gelobte Land geebnet hat. Schließlich wurde dem Jubilar für seine Verdienste im Namen der Stadt ein silberner Pokal präsentirt. Um Mittagszeit versammelten sich die christlichen und jüdischen Honoratoren zu einem fröhlichen Male, bei welchem besonders der sinnreiche Toast des Religionslehrers Willner den Jubilar feierte, dem wir noch ein rechilanges und ungetrübtes Leben wünschen. 18