Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 18 (2.5.1865)
- Date
- 1865-05-02
- Page
- Seite 270 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3226473-3226492--23001-3250285- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Żory 1× ep/1048188
OCR text
27tf Dogmen seiner.Kirche spricht er nicht. In wie weit er jene in allen Religionen findet, find sie ihm verehrungswürdig. Wenn es auffallen könnte,' daß Napoleon mit so vieler Seelenruhe auf sein vergangenes Leben zurückblickte> trotzdem er sich doch nicht über den sittlichen Werth vieler schweren, in die Geschicke zahlloser Menschen tief einschneidenden Vorkommnisse ganz täuschen konnte: so gilt hier die Erwägung, daß dieser Mann in den letzten fahren seines Lebens so unsägliche Seelenqualen und zuletzt auch so viele leibliche Schmerzen ertragen hatte, daß er wohl für Vieles darin eine Sühnung erblicken mußte. Literarischer Wochenbericht. Frankfurt a. d. O. im März. I. „Der Sohn Amithai's" oder „Das Zeichen Jona's, von I. Pf aff. (Cassel 1864.) — Die Helden oder hervorragenden Persönlichkeiten der Bibel ,)in Versen zu besiegen," ist doch gewiß nichts mehr Neues und Seltenes. — Herr Pfaff hat den „Mann von Niniveh" zum Gegenstände seines „Epos" gemacht, er hat die Geschichte von dessen „halb gelungener, halb mißlungener Mission" in das Gewand der Poesie gekleidet, er hat — kurz gesagt — eine „Ionai'de" geschrieben. Das Gedicht zerfällt in 2 Hauptgesänge, deren ersterer: „Flucht und Rettung," der andere: „Dienst und Gnade" überschrieben ist. Man sieht also, daß Nr. 1 die beiden ersten, No. 2 dagegen die beiden letzten Kapitel-des (im Ganzen ans 4 Kapiteln bestehenden) „biblischen Urtextes" in sich schließt. Ist der Verfasser diesem Urtexte treu geblieben? „So ziemlich!" muß man allerdings sagen. Dennoch aber ist und bleibt das Ganze, der schlagenden Kraft des Originals gegenübergehalten, doch nur eine „schwache Poorphrase". — Was die äußere Form anlangt, so hat's der Vers, mit Vers und Reim nicht immer „ganz genau" genommen. Auch gehört er zu denen, die es lieben, bekannte dichterische Tonweisen anzuschlagen. So wird man z. B. in der Schilderung von der Ueppigkeit Niniveh's ganz besonders an den Sch iller'sch-en Balladenton lebhaft erinnert. — Endlich ist Pfaff's Gedicht insofern auch ein „tendenziöses," als die „Vorbildlichkeit Christi in Jona" sich gewissermaßen als rot her Faden durch das Ganze zieht. II;Chisult Emünah^ (MSim pitH). Zeder weiß, daß. die Judenbekehrer die, von ihnen behauptete, „Göttlichkeit Christi" mit gewissen Stellen aus der heiligen Schrift be-, und wie sie dieselben auslegen. — Die ausführliche Besprechung aller dieser Belegstellen, resp. die gründliche Bekämpfung der, ihnen von judenbekehrungsfreundlicher Seite gegebenen, „Deutung" ist — nicht minder als die Beurtheilung der vornehmsten christlichen Dogmen und des neuen Testaments überhaupt,— Gegenstand eines berühmten und schon vielfach edirten ältern Werkes der hebr. Literatur, welches obigen Titel führt und einen Gelehrten mit Namen Rabbi Iizchak zum Verf. hat. Seine neueste Edition erlebte das Werk 1857 in Leipzig, ohne daß aus derselben die zahlreichen Druckfehler, welch alle ihre vorangegangeven Aussagen enthalten, entfernt worden wären. Gesetzt aber auch, das Werk hatte einen „correcten Text", — was nützte es heutzutage ohne eine diesem beigegebene gute deutsche Uebersetzung? — Doch den gedachten Leiden Mängeln soll nun auf einmal abgeholfen werden. Herr Rabbiner David Deutsch in Sohrau O. S. steht im Begriffe, das Werk des Rabbi Iizchak mit 1) gründlich corrigirtem Texte, 2) deutscher Uebersetzung und 3) erläuternden Anmerkungen —- auf dem Wege der Subscription — herausgegeben. Das Unternehmen ist gewiß ein höchst anerkennenswerthes, und da von einem Manne, wie David Deutsch, nur wirklich Gutes erwartet werden kann, so sei dessen Vorhaben hiermit allen „Brüdern in Israel" aufs dringenste empfohlen. III. Hebräisch-deutsche Vorlegeblätter von Rudolf Fuchs, Lehrer an der T. T. Schule in Wien. — Ist dieses Merkchen auch — wie sein Titelblatt besagt — „zufolge hohen Ministerialerlasses und vermittelst hohen Dekrets der k. k. Statthalterei für die ober» Klassen israel. Elementarschulen empfohlen// und ist es auch — wie ebenfalls das Titelblatt angibt — „nach mehrjährig erprobter Methode systematisch geordnet und entworfen,"-so haben wir an ihm doch dreierlei aüszusetzen: 1) daß die Schrift nichts weniger als schön, 2) daß mit der „Orthographie" zu viel Willkür getrieben und 3) daß das zu Grunde liegende „System" durchaus nicht sehr geeignet,. Kindern das Erlernen des Iüdisch-Deutsch-Schreibens „leicht und angenehm" zu machen. — Hätte aber ein solches Merkchen auch nicht alle die angeführten Mängel, so dürfte es bei einem Umfange von nur 10 Blättern, — aus