Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 17 (25.4.1865)
- Date
- 1865-04-25
- Page
- Seite 253 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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LS2 trLttg und Zuxückstoßung bekampsen müssen, daß sie leicht in den Fehler, die Farben zu stark aufzutragen, verfallen konnten. Den allseitigen und stets wiederholten; Anschuldigungen gegenüber mußte man auch immer wieder auf die Verdienstvollen aus unsrer Mitte Hinweisen und dies sieht zuletzt wie Prahlerei aus. Dennoch weiß der Verft hier nur . des -d'Jsraeli und Heß zu erwähnen,, Männer, die als Liebhaber paradoxer Behauptungen ja bekannt sind. Wir wollen hier eben darum uns die guten Eigenschaften, die der Vers, uns abspricht, und die er uns zuschreibt, nicht näher eingehen. Widersprüche sind ihm hier nicht fremd. Er spircht den Juden das Epochemachende, Eingreifende , Bedeutende, Organisirende ab, und gesteht sofort, daß die deutsche Philosophie aus den. Lehren Spinoza's sich entwickelt habe. Freilich fügt er hinzu, ,-Spinoza stehe zum Judenthum, wie Luther zum Katholicismus." Wäre dies wahr, so bleibt doch Spinoza immer ein Jude, und ein Jude war Epochemachend für die deutsche Philosophie. Im Uebrigen hat Luther doch sein ganzes Dogmengebäude dem Katholicismus entnommen und ist streng auf dem Wege des Augustinus geblieben. Träfe also die Vergleichung zu, so muß auch Spinoza seine Lehren aus dem monotheistischen Judenthume gezogen haben i und die deutsche Philosophie hinge also dennoch. an dieser Wurzel. Wenn er ferner behauptet, daß die spanischen und portugiesischen Juden sich der hebräischen . Sprache bedienten, so daß sie auf die Literatur der Völj ker nur einen geringen Einfluß geübt, so beruht dies auf' völliger Unkenntniß, und diese entschuldigt solchen Bej Hauptungen gegenüber nicht. Zuerst durfte er hier der * arabischen Juden nicht vergessen, denn gerade die be- I deutendsten Männer der sog. spanischen Schule waren Araber, und haben arabisch geschrieben, und zwar nicht blos ihre philospischen, medicinischen, mathematischen und astronomischen, sondern auch ihre rabbinischen Schriften, so daß sie erst in's hebräische übersetzt werden mußten; so hat Saadja.die erste Religionsphilosophie in arabi- , scher Sprache geschrieben, aber auch seine rabbinischen Rechtsgutachten; so hat Maimonides mit Ausnahme seiner nprnn f und einiger kleiner Werke nur. arabische Schriften verfaßt, und sogar seine Einleitung und seinen: Commentar zur Mischnah in dieser Sprache geschrieben. Die spanischen Juden haben sich in-ihrer Landessprache^ auf allen Gebieten versucht, und-selbst noch in Holland : bis zur Mitte des-vorigen Jahrhunders eine ausge-; dehnte spanische Literatur betrieben. Wenn Herr Dr.j Kayserling seine spanisch-jüdische Bibliographie herausgegeben haben wird,, möchte der Vers, über den Umfang derselben in großes Erstaunen gerathen. Nicht minder ist dies bei den italienischen Juden der Fall gewesen. Doch wir wollen hierüber nicht ins Detail gehen, damit uns der Vers, nicht ebenfalls der Selbstverherrlichung beschuldige. Eines aber müssen wir doch hervorhebeu, was der Vers, nicht hätte übersehen müssen, nämlich die kurze Spänne Zeit, welche den Juden in allen Epochen als eine Zeit der Ruhe und der friedlichen Bewegung auf geistigem Gebiete gewährt wurde, und auf welche immer wieder eine lange, lange Periode der Verfolgung, Vertreibung und Ausschließung von allem öffentlichen Leben und allen öffentlichen Anstalten folgte, in der dann sich nothwendiger Weise ein Zurückziehen auf sich selbst, eine Abschließung nach außen folgen mußte. Hätte der Vers, dies erwogen, und dies mußte er doch, um gerecht zu sein, hätte, er selbst nur den geringen Zeitraum bedacht, in welchem die Juden in Masse dem modernen Culturleben erst angehören, so hätte sicherlich sein Urtheil doch anders gelautet. Und dies hätte sich , noch mehr modifizirt, wenn er bedacht hätte, daß er es mit einer halben Million deutscher Juden, 45 Millionen deutscher Christen gegenüber, zu thun habe. Geradezu protestiren aber müssen wir gegen die. Behauptung des Vers.: „Der jüdische deutsche Schriftsteller und Künstler wird von den Juden nicht nach ästhetischen Grundsätzen, sondern nach seinem Bekenntnisse in seinen Schriften beurtheilt; nicht der deutsche Charakter, sondern der jüdische der Leistung interessixt den Juden." Er citirt hierbei als Beleg mehrere Stellen aus dieser Zeitung, aber gerade das Gegentheil geht aus denselben hervor. Z. B. wenn wir sagten: „Ein jüdischer Künstler, der eine Leda, einen Mars oder einen Lear malt oder aushaut, ist eben n ur Künstler, aber kein Jude; er interessirt uns als ersterer, aber nicht als letzterer, und man kann an die Juden keinen besonderen Anspruch zu seiner Unterstützung erheben", heißt dies nicht geradezu: wir verzichten fortan, einen ^besonder» Werth daraus zu legen, daß ein Kunstwerk von einem Juden herrühre, sobald es nicht einen Gegenstand aus dem Gebiete des Judentums behandelt; wir machen keinen -Unterschied mehr zwischen -einem jüdischen und christlichen Künstler an sich, sondern nnr an das Werk selbst wird sich für uns noch ein besonderes Interesse knüpfen, wenn,e8 einen uns naheliegnnden Gegenstand behandelt. Ist damit irgend- 17*