Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 16 (18.4.1865)
- Date
- 1865-04-18
- Page
- Seite 246 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Jacob Allcalai wurde bekanntlich in Schabetz ermordet. Man brachte seinen Leichnam nach Belgrad, um ihn einer Untersuchung in Gegenwart meiner medicinifchen Commission zu unterziehen. Es ergab sich aus der Untersuchung, daß er gewaltsam erstickt worden ist, und nach dem Tode hat man ihm Schwefelsäure in den Mund gegossen, um glauben zu machen, daß er selbst dieses Gift genommen hätte. Diese Betrügerei kam zu Tage, als man den Magen öffnete, in dem sich nicht ein einziger Tropfen befand. Nach vollzogener Section in Gegenwart einer dortigen Polizeicommission, wurden die Ueberreste dieses unglücklichen Opfers des Fanatismus begraben, mit Ausnahme der Zunge und des Magens, welche im Polizeibureau aufbewahrt werden. Kaum hat sich der Schmerz über dieses Ereigniß etwas beruhigt, als ein neues Unglück sich ereignet. Herr Salomon Abinon, Vater von sechs Kindern, hat das Unglück gehabt, als er sich von Bosnien nach Serbien begab, durch Schabetz zu kommen; kaum hatte er ' diese Stadt verlassen, als er getödtet und in die Save geworfen wurde. Vergeblich sind bei dem bezüglichen Gerichte Klagen eingegangen; es hatte es nicht der Mühe Werth gehalten, darauf zu antworten. Diese beiden Unglücksfälle verdankt man, wie man aus Serbien schreibt, der Aufreizung, welche der verläumderische Artikel des 8vetovid6 hervorgerufen hat. Ein allgemeiner Schrecken über diese traurigen Ereignisse hat sich verbreitet, welche den größten Theil der Israeliten dieses Landes tief bewegt haben, die so der Wuth der Bevölkerung ausgesetzt sind. Diese haben den Vorgang dieser Thatsachen der Alliance israölite universelle mitgetheilt und sie um Hilfe und Schutz aufgefordert. Sie haben dem Centralkomitü verschiedene Maßregeln vorgeschlagen, durch welche ihnen die Sicherheit ihres Lebens, wenn nicht ihrer bürgerlichen Rechte, verschafft werden kann. Das erste Mittel zu ihren Gunsten zu handeln, wäre, die Dazwischenkunst der großen Mächte, welche den Schutzvertrag für Serbien unterzeichnet haben, zu erlangen: das zweite Mittel — welches schwieriger und komplicirter erscheint — würde darin bestehen, die Auswanderung dieser Unglücklichen und ihrer Uebersiedlung nach einem benachbarten Lande, das sie vor solchen Ermordungen schützte, zu begünstigen. (A. i.) (Wir können beiden Vorschlägen keine große Tragweite zuschreiben; denn da, wo ein im Dunkeln schleichender Fanatismus in einer an Mord und Raub gewöhnten Bevölkerung thätig und die untere Beamtenwelt entartet und zu gleichen Verbrechen geneigt ist, kann die Dazwischenkunft der Großmächte wenig ausrichten. Die Redakt. d. A. Z. d. Jud.) Belgard, 12. März. (Presse.) „Zwischen den osficiösen und oppositionellen Journalen hat sich ein Streit um die Juden erhoben. Das officiöse Organ des Ministeriums, der Vidovdan, hat nämlich die Mittheilung gemacht, daß die Regierung daran arbeite, die Juden zu emancipiren. Dagegen hat sich nun das Oppositionsblatt Svetovid erhoben, und sprüht Feuer und ^Flammen gegen die Juden. Wie ein moderner Radamanthos sitzt der Schreiber der Jnvectiven im Svetovid, ein „liberaler" (?) Nationalserbe, Namens Ban, über die Juden zu Gerichte. Er macht es allen Ernstes den Juden zum Borwurf, daß sie im Jahre 1862, zur Zeit des Bombardements von Belgrad, sich sammt ihren großen Capitalien aus der brennenden Stadt geflüchtet, und zu dem Falliment vieler serbischen Firmen Anlaß gegeben haben. Bei dieser Gelegenheit läßt sich der Svetovid auch über Freiheit und Fortschritt im allgemeinen aus, und es ist nun sehr interessant, zu erfahren, wie ultrareactionär in dieser Beziehung gerade jene Partei denkt, welche in Europa als die „liberale Opposition" gelten möchte. Serbien, heißt es im Svetovid, muß sich vor Handels- und Gewerbefreiheit und ähnlichen Freiheiten in Acht nehmen, denn man sieht, wie tief dabei die Türkei herabgekommen, und wie selbst Staaten wie Preußen und Frankreich davon schwach geworden sind, und nur in Folge einer starken militärischen Organisation als stark scheinen. . . . Nun was sagen Sie zu dieser serbischen Weisheit?" Spanien. Bordeaux, im März. Daß die Königin von Spanien ihre Ordensverleihungen auch auf Juden ausdehnt, ist bereits durch nicht seltene Beispiele erwiesen. Eigenthümlich ist es aber, daß vor Kurzem der gerühmte Vorsänger von Bordeaux, Herr Castro, nach Madrid berufen worden, um zwei Knaben in den Bund Abrahams aufzunehmen, und nun von der Königin von Spanien den Orden Karls III. erhalten