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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1865-04-18 · Heft 16 (18.4.1865) · p. Seite 245

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
29 (1865)
Issue
Heft 16 (18.4.1865)
Date
1865-04-18
Page
Seite 245 (sequence 11)
Language
German
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245 Mischen Staatsbeamten die Heirath vollzogen hat, sich vor der Scheidung aus dieser Ehe sich nicht wieder verheirathen kann. Eine nochmalige Heirath vor dem Rabbiner gefeiert, selbst wenn eine religiöse Scheidung vorhergegangen, könnte also keine civilrechtlichen Folgen haben. (A. i.) Meriko. Mexiko, im März. „Das bereits erwähnte Dekret des Kaisers Maximilian von Mexico ddo. Mexico, 26. Februar, lautet wörtlich: Wir Maximilian rc. verfügen: Art. 4. Das Kaiserreich beschützt die katholische römisch-apostolische Religion als die Religion des Staates. Art. 2. Eine loyale und vollständige Toleranz wird zugestanden allen Glaubensbekenntnissen, die der Moral, der Civilisation und den guten Sitten nicht widerstreiten. Zur Einführung der Ceremonien jedes öffentlichen Cultus ist die vorhergehende Ermächtigung der Regierung nothwendig. Art. 3. Die Polizei-Verordnungen in Bezug auf die öffentlichen Religionsübungen werden je nach den Umständen veröffentlicht werden. Art. 4. Der Staatsrath wird über alle Mißbräuche erkennen, welche von den Behörden gegen die Ausübung des öffentlichen Cultus oder gegen die durch das Gesetz gewährleistete Freiheit seiner Diener begangen werden könnten." Man sieht, es ist noch ein gar schwacher Anfang, -- aber es ist doch jedenfalls ein Anfang, und den akatholischen Culten der Zugang ermöglicht. Großbritannien. London, 21. März. Das Haus der Gemeinen hat die Erlaubuiß gegeben, eine Bill einzubringen, um gewisse Eide bei der Erlangung akademischer Grade aus der Universität Oxford abzuschaffen. Der Urheber der Motion ist Herr Göschen. Es ist bekannt, daß auf diese Weise allen Dissenters der Zutritt zu dieser Universität verwehrt ist. Bonn, 5. April. Auch wir können nicht umhin, den Tod des großen englischen Bürgers Richard Cohden (geb. 1804 als Sohn eines armen Landmanns, geft. 2. April) mit einigen Worten der höchsten Theilnahme zu beklagen. Er hat zwar nie irgends ein uns naheliegendes Gebiet betreten; aber er war ein Apostel des Friedens, jenes Welt-Friedens, in welchem „die Völker nicht mehr lernen den Krieg zu führen, sondern ihre Schwerter zu Sensen und ihre Speere zu Winzermessern umschmieden" (Jesajas), er war es und blieb es, selbst als das englische Volk ihn deshalb eine Zeitlang schmähete, und ihm auf einige Monate bei den Wahlen den Parlamentssitz entzog. Er besiegelte dieses Amt selbst mit seinem Tode, denn schwer erkrankt, ließ er sich dennoch nach London bringen, um im Parlamente gegen die Befestigungen und militärische Cernirung von Canada zu sprechen — und ein solches Leben ist zu sehr im Geiste des Judenthums, wirkt zu sehr auf die Ziele hin, die das Judenthum von seinem Beginne an die Menschheit gesteckt hat, als daß wir ihn nicht auch in diesen Blättern ein Wort der Verehrung nachsenden sollten. Daß Cobden, indem er die Aufhebung der Kornzölle und die ersten Grundlagen des Freihandels bewirkte, auch hierin die Realisirung eines mosaischen Prinzipes, wenn auch unbewußt, gefördert hat, wollen wir nur andeuten. Nur mögen wir noch betonen, daß es der Segen ist, der in der Natur solcher Prinzipien liegt, sobald sie nur die ersten und zartesten Wurzeln geschlagen, fort und fort zu wachsen und in immer mächtigere Consequenzen sich auszuranken. Hierin liegt zugleich die Größe des Verdienstes für Diejenigen, welche zuerst ein solches Prinzip in die Wirklichkeit hinein schaffen. Serbien. Belgrad, im März. In Folge heftiger Angriffe gegen die serbischen Juden, die in der serbischen Zeitung Lvetoviäs standen, haben die Israeliten von Belgrad protestirt und an dieses Blatt eine Antwort gerichtet, welche in Folge der Verweigerung des Gouverneurs, dazu seine Zustimmung zu geben, nicht ausgenommen worden ist. Seit der Veröffentlichung dieses Artikels, ist es nicht mehr möglich , den Juden dieses Landes die bürgerlichen Rechte zu bewilligen, und sie selbst denken nur daran, ihr täglich bedrohtes Leben zu schützen, wie es zwei schreckliche Beispiele beweisen, die sich neuerdings ereigneten. 16**

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