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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1865-04-18 · Heft 16 (18.4.1865) · p. Seite 243

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
29 (1865)
Issue
Heft 16 (18.4.1865)
Date
1865-04-18
Page
Seite 243 (sequence 9)
Language
German
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243 rauf nicht ein. Sie wollen ihren eigenen Rabbiner haben und schrecken selbst vor der Heiligkeit des Würzburger *r&n nicht zurück, hinter dem großmüthigen (?) Anerbieten ein klein wenig w zu vermuthen. Dieselben Gemeinden, welche früher nur auf höheren Befehl zur Wahl eines Rabbiners geschritten, verlangen jetzt entschieden die Wiederbesetzung. Bamberger jun. macht über Hals und Kopf', wie, sein Vater, ohne Wissenschaft ein wissenschaftliches Examen, Emissäre durchreisen den Distrikt, ein 81jähriger Greis läßt eine Instruction verbreiten, was ein Rabbiner zu thun hat und wie er beschaffen sein muß, ein Anonymus in sehr weinerlicher Stimme will es den Richtern leicht machen und schlägt ihnen vor (unglaublich, aber buchstäblich wahr!): sie möchten die Wahl dem Herrn Bezirkörabbiner Bamberger in Würzburg unterbreiten und sie dürfen sicher darauf rechnen, daß — der Vater seinen Sohn Vorschlägen werde? nein, so dumm ist der Mann nicht, dieses zu sagen, er denkt es nur, aber die Wähler dachten sich dieses auch und lachten über die Einfalt, die vielleicht mit größerem Rechte Frechheit genannt werden kann. Der Kampf war heiß, denn ein Canditat bewarb sich um die Stelle, der zu seiner Empfehlung eine wissenschaftliche Bildung und Predigertalent zu bieten hatte. Diese beiden Eigenschaften fanden Anklang und nicht Bamberger, sondern sein Gegner Dr. Schwab wurde gewählt. Es wäre das nun nicht so wichtig, um viel Aufsehens davon zu machen. Das Bedeutsame dieses Resultats liegt aber darin. Es standen sich hier nicht Alt- und Neugläubige, Fromme und Nichtfromme gegenüber; kein Gedanke! Die Wähler des Dr. Schwab und Gegner des Bamberger stehen ganz auf orthodoxem Standpunkte. Sie leben allesammt nach dem thalmudisch-rabhinischen Gesetze. Sie finden in Kissingen, wo während der Saison jeder Tag einen ganzen Wintermonat aufwiegt, keinen einzigen Laden am Sabbath geöffnet, in dem ganzen Distrikte keine einzige Familie, deren Küche nicht so koscher ist, wie die deS 81 jährigen in Jelt. Und doch! Und warum doch? Weil die Leute fromme, ehrliche Juden sind; weil sie wohl unterscheiden zwischen aufrichtiger und heuchlerischer Religiosität; weil sie, die Vernünftigen ^nämlich, diesen jüdischen Jesuitismus, wie ihn ein Lehmann und Consorten in tollhäuslerischer Weise zur Schau tragen, verabscheuen, weil sie von manchem dieser äußerlich frommen Fanatiker in Geldsachen Stückchen zu erzählen wissen, die den schlichten einfachen Landmann aneckeln. B. N. G, Oesterreichischer Kaiserstaat. Kapoövär, Ende März. (Privatmitth.) Ihre offene und ehrliche Kritik über „die religiösen Bewegungen imJudenthume" im Allgemeinen, und über unseres Herrn Rabbiners „Offen und ehrlich" im Befondern, hat hier eine lebhafte „Bewegunng in unserer Juden sch aft" hervorgerufen. Der ehrwürdige Herr Verfasser von „Offen und ehrlich" war auf eine so gründliche Widerlegung seines Opus durchaus nicht gefaßt, das Männlein sträubte sich gar gewaltig, und mußte es sich in seinem Grimme gefallen lassen, bei so mancher durch Ihre „Bewegungen" angeregten Kontroverse den Kürzern zu ziehen." Wenn Sie, Herr Rabbiner an dem ohrenzerreißenden Singsang aus der guten alten Zeit Ihr Wohlgefallen finden, redete ihn ein schlichter Landsmann an, wir haben nichts dagegen, und wenn es Ihnen durchaus beliebt, auf den Messias warten zu wollen „über Geschmack ist nicht zu streiten —", aber uns lassen Sie dabei aus dem Spiele, verschreien Sie uns nicht als Zeloten; denn wir sehen das Heil des Judenthums ganz anderswo als in der Aufwärmung verrotteter Zustände und Misbräuche wie sie das Mittelalter und nicht die moderne Zeit mit ihren gesunden, besser gewordenen Anschauungen kennzeichnen." Keinesfalles waren jedoch diese Satelitten, welche ihrem Meister das Räuspern und Spucken glücklich abgeguckt und sich nun durch ihr unbändiges Gepolter im blinden Kampfe gegen Windmühlen als seine 8aneIio Pansas entpuppten auf die hohe Ehre vorbereitet in honetter Gesellschaft erwähnt zu werden und unser Herr Rabbiner mußte seine stille Freude dran finden, durch sein Werk das Privilegium der Unsterblichkeit erkämpft zu haben und seinen Namen eingetragen zu sehen in die Zeitblätter der Geschichte. Leider knüpft sich jedoch diese traurige Berühmtheit an Werke, die das Gelächter des künftigen Historiografen und seinen Spott.über die Verkehrtheit der menschlichen Gesinnungen erregen werden; viel Unheil haben sie im Judenthume angerichtet, und wir vermögen es nicht über uns zu bringen , diese Herren Protestanten. völlig freizusprechen, 16

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