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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1865-04-18 · Heft 16 (18.4.1865) · p. Seite 242

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
29 (1865)
Issue
Heft 16 (18.4.1865)
Date
1865-04-18
Page
Seite 242 (sequence 8)
Language
German
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haben? Es wird nichts übrig bleiben, als das rein Mechanische und selbst dieses wird in seiner Präzision gefährdet sein,- da Theilnahmlosigkeit sehr leicht Ermüdung und Ueberdruß zum Gefolge hat. Man könnte den Einwand machen, daß das Interesse an der Kunst im Allgemeinen dem Künstler die nothwendige Begeisterung verleihen kann, und daß ein achter Jünger der Musik jede gute Composition mit Wärme vortragen wird, ohne Rücksicht auf den Text. Dies ist aber nicht richtig. Der Hauptzweck der Kunst bleibt ewig die Veredlung und . Erhebung des menschlichen Gemüths/ Widmet ein Künstler seine Kunstleistung einer versammelten Menge, so ist der Zweck seiner Thätigkeit die Erfüllung, die Erbauung seiner Hörer, die Einleitung der versammelten Menge zu dem Ziele, das sie gemeinschaftlich anstrebt. Diese Führung kann aber ein Künstler nur dann erreichen, wenn er selbst entgeht; nicht dadurch, daß er sich nach seinen Sonderempfind nngen. in die Schönheiten seiner Kunstprodukte vertieft, son-. dern daß er mit der versammelten Menge mitfühle, ihren Schmerz und ihre Sehnsucht miwmpfinde und sich gleichsam als die Seele dieser Gesammtheit denke. Und wenn dies überhaupt nothwendig ist, so ganz besonders bei Kunstproduktionen,. welche zur Erbauung einer religiösen Gemeinde dienen. So sprudelt z. B. beim Orgelspiel die Begeisterung zum Bortrage nur aus dem Verständniß des Textes, und nirgend mehr wie hier kann der musikalische Satz zu einer Verstümmelung grade der erhebendsten Gebet-Texte denjenigen verleiten, welcher kalt gegen den Inhalt des Gebetes sich seine Wärme allein aus dem musikalischen S a tze haben wollte. So' wird ein nichtjüdischer Organist weder sich noch seine Hörer durch den Vortrag eine Sch'mah Israel zu erwärmen im Stande sein, da die Begeisterung zum Vortrag dieser Worte nur aus dem tiefsten Durchdrungensein von diesem ersten und letzten Satze unsrer heiligen!Religion entspringen muß. Fordern wir doch von jedem jüdischen Kantor, daß er ein frommer und gottesfürchtiger Mann, und innig erfüllt von den Lehren unsrer heiligen Religion sei; und wir sollten ein ebenso richtiges Amt, wie das eines Chorleiters oder Organisten der Gemeinde in die Hände eines Mannes legen, dem das Äudenthum etwas Widerstrebendes, mindestens etwas Gleichgültiges ist? Seien wir streng in unseren Anforderungen, denn in der richtigen Wahl der Cultusbeamten (Kantoren, ' Organisten, Chorleitern), welche den Gottesdienst führen , liegt ein großer Theil des Heils der Gemeinde. Wer gedankenlos die gottesdienstlichen Handlungen verrichtet, — wer seine Amtsübüng nur als Mittel zu glänzenden, jeder Innerlichkeit entbehrenden Schaustellungen betrachtet, — wer sein Amt gar als eine Last ansieht und seine Pflichten nur geschäftsmäßig mit Unlust Und unwürdiger Hast erfüllt: der ist gewiß nicht geeignet, das Herz der Hörer in geweihte Stimmung zu versetzen und es für den Samen des göttlichen Worts empfänglich zu machen. Bei solcher Amtsführung bleibt es sich natürlich ganz gleich, ob Jude oder Nicht-Jude, Beide säen Spreu , die nimmer zur lebendigen Frucht aufgeht."*) Emil Breölaur. Aus Unterfranken, in Baiern, im , April. (Privatmitth.) Von einem für alle Freunde des Jadenthums recht erfreulichen Siege des Fortschrittes über die Bestreu bungen der Finsterlinge, der Ehrlichkeit über List und Verschlagenheit kann ich Ihnen heute Mittheilung machen, überzeugt, daß alle Ihre Leser dieses Beweises, wie vergeblich alle zelotischen Aufhetzereien beb den schlichten Landgemeinden, sich freuen werden. Es be-. trifft die Wahl eines Rabbiners im Rabbinatsdistricte Kissingen. Gleich nach dem Tode des seligen vr. Lippmann erbot sich der Distriktsrabbiner (nicht Oberrabbiner, wie das Blatt in Mainz ihn zu bezeichnen beliebt) Bamberger in Würzburg, die Stelle unentgeldlich! zu versehen. Welche Uneigennützigkeit! Aber siehe da, der Herr Bamberger hat einen für das Rabbinat noch nicht ganz reifen Sohn, den will er nach Kissingen placiren! Durch seine Vorsehung hat Bamberg jun. Zeit zu seiner weiteren Vorbereitung und der Vater Gelegenheit, den Sohn allmählig einzuschicken. Der Plan war. nicht schlecht, aber die schlichten Landjuden sind nicht so einfältig, wie Hr. Bamberger sich einbildete und nicht so gleichgiltig, wie er voraussetzte. Die Gemeinden gehen dar- *) Niemand wird diesen Ansichten Wahrheit und Berechtigung absprechen, wenn, auch nicht zu vergessen ist', daß es hierbei zumeist auf die Individualität der, die Kunst ausübenden Person ankommt, und daß das Glaubensbekenntniß noch nicht die Gläubensinnigkeit wirklich bedingt. Am meisten ist aber die Notwendigkeit einzuwenden, da es der jüdischen Organisten noch wenige giebt. Die Redaction.

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