Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 16 (18.4.1865)
- Date
- 1865-04-18
- Page
- Seite 241 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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und unter seinen zahlreichen Wohlthätigkeiten wäre die Ausstattung armer - Bräute wiederum eine solche, die in erster Reihe stände. Man stoße oft in christlichen Kreisen auf Leute, die, wenn , man an sie herantritt und um Theilnahme an solchen Unternehmungen angehe, das gar harte und abstoßende Wort hören lassen: „Wer kein Geld hat, der heirathe nicht; und daß man manches sprechen höre von einer gesetzlichen Beschränkung der Verheirathung solcher Personen, von denen derStaat keine Bürgschaft hat, daß sie eine Familie ernähren können. Das Judeythum dagegen, daß in allen seinen Richtungen streng auf die Grundsätze baut, die in seinen '.heiligen Urkunden ausgesprochen' find, halte es mit den Aussprüchen: „Berathe deine Tochter, so hast du ein großes Werk vollbracht und gieb sie einem vernünftigen Manne", und: „Es ist nicht gut, daß der Mensch allein sei". — Ohne einen Schein von Anmaßung auf sich und seine Glaubensgenossen werfen zu wollen, bekenne er es freimüthig, daß er einen freudigen Stolz darin empfände, daß es ein Israelit gewesen, der an jenem glücklichen Tage, an dem ein Friedrich Wilhelm von Preußen mit einer Victoria von England ein so schönes eheliches Bündniß schloß, diese milde Stiftung in's Leben gerufen. Der König ist Protektor der Stiftung und Sr. Majestät steht das Recht der Genehmigung der zur Unterstützung vorgeschlagenen Paare zu. 101 Paar hat er diese Genehmigung bisher ertheilt und der Redner spielte auf die 101 Kanonenschüsse an, die sonst bei freudigen Anlässen des Königshauses die Residenz erdröhnen ließen und bemerkte, daß heut dem Könige diese 101 bedachten Paare ein „Salve" zurufen, das weiter und gewaltiger durch das weite Vaterland ertönt, als der eherne Mund donnernder Geschütze. Sich sodann an die Paare wendend sprach der Redner über die einfachen Worte: „Bete und arbeite" so Ergreifendes, daß wohl -kaum ein Auge trocken blieb, indem er sich an den Psalmspruch anlehnte: „Die Sonne geht auf und der Mensch an sein Tagewerk, bis es wieder Abend wird." Das „Bete" rufe das Andachtsbuch dem Empfänger zu, das „Arbeite" sei der Zuruf, mit dem die Mitgift der Stiftung in die Hand des Empfängers kommt. — Treffend führte er aus, wie in diesem Akte der WohlLhätigkeit sich die verschiedensten Glaubenspartheien über der Kluft, die sie auch sonst noch trennt, brüderlich die Hände reichten, und so möchten die anwesenden Zuhörer aller Confessionen und aller Stände es doch erkennen wie Juden., Katholiken und Protestanken- Vornehm und Gering in höchster Potenz als Menschen sich doch alle begegneten. Mit dem Gefühle vollster Befriedigung und reinster Erbauung verließen wir den Saal. E. B. Berlin, 4. April. (Privatmitth.) Bei der diesjährigen Prüfungsaufführung der Schüler des Stern'schen Conservatoriums der Musik gelangte eine Ghoral-Motette von Emil Breslaur durch den Stern'schen Gesangverein zur Aufführung, die sich der günstigen Beurtheilnng seitens der Kritik zu erfreuen hat. Als Text der Motette benutzte der Componist das Versöhnungslied: „Durch alle Welt ertönt der Ruf" von L. Philippson. Vor Kurzem trat auch der Herr Breslaur in der hiesigen Nikolai-Kirche in einem Concert als Orgelspieler auf und zwar mit dem e moll Präludium nebst Fuge von Bach und hat sich die Kritik auch über diese Leistung recht günstig ausgesprochen. Berlin, 1. April. (Privatmitth.) In Rr. 12 dieser Zeitung befindet sich ein Bericht aus Oppenheim, in welchem der dortigen Synagoge und der erhebenden Art und. Weise des Gottesdienstes: Erwähnung geschieht. Der Aufsatz schließt mit den Worten: Auch verdient hier noch registrirt zu werden, das in echt religiöser Duldsamkeit einem christlichen Lehrer gestattet wurde, bei den gottesdienstlichen Handlungen Orgelspiel und Choralgesang zu leiten " — Es darf sich wohl keine Religion rühmen religiöse Duldsamkeit in solchem Maßstabe auszuüben, als die mosaische; aber eine Ausdehnung dieses Begriffes, wie ihn sich der Herr Einsender zu Schulden kommen läßt, möchte ich wohl besser mit dem Namen: „Chillul Hascheim" bezeichnen lassen. Es sei uns gestattet, aus unseren, über diesen Gegenstand schon so vielfach ausgesprochenen Ansichten folgenden Auszug hierherzusetzen. „In welchem Geiste können Nicht-Juden unfern Gottesdienst begleiten, zur Hebung eines Gottesdienstes beitragenfür den sie weder Sinn noch Verständniß haben, und dessen Tiefen ihnen'wegen ihrer ganzen Gefühls-- und Denkrichtung verschlossen sind! Es kann überhaupt von einem geistvollen Spiele die Rede nicht sein bei Solchen, die nur um des Soldes willen eine Arbeit thun, und', indem sie dieselbe vollbringen, kein andres Ziel haben, als sie eben nur vollbracht zu