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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1865-04-18 · Heft 16 (18.4.1865) · p. Seite 239

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
29 (1865)
Issue
Heft 16 (18.4.1865)
Date
1865-04-18
Page
Seite 239 (sequence 5)
Language
German
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das ganze Erde aller seiner Verwandten, wenn sie auch noch , Töchter und Söhne hätten. Die Wittwen und Waisen, welche ihrem Glauben treu bleiben, müssen ihr ganzes Vermögen dem Renegaten hingeben. Als Nacer-Din- Schah den Thron bestieg, schaffte sein Großvezir Mirza- Teki-Khan dieses Gesetz ab; aber bald darauf wurde er seines Postens entsetzt, er wurde hingerichtet, und der Haß entzündete sich von Neuem gegen uns. Jy Zukunft, wenn ein Muselmann einen Israeliten tobtet, hat er dem Gerichte keine Rechenschaft darüber zu geben, höchstens, wenn die Zeugenaussage von Muselmännern das Verbrechen klar beweist, muß der Mörder eine Geldstrafe entrichten. Unter Anderm seufzen wir unter der Last der drückendsten Steuern. All dieses Uebel rührt nicht direkt von dem Könige, sondern von den Großen her; ihre Käuflichkeit und ihre Habgier sind Allen bekannt und die gesetzliche Steuer konstituirt kaum den zehnten Theil von dem, was wir bezahlen müssen. Noch mehr, da der Israelit unfähig ist als Zeuge auszusagen, so ist es der Schlechtigkeit der Person leicht, die unglücklichen Juden zu vernichten. In diesem Jahre starb eine große Zahl Israeliten unter ihren Schlagen; selbst die Kinder, welche noch in der Schule sind, haben die grausamsten Gewaltthaten erlitten, die meisten sind für ihr ganzes Leben schwächlich geworden oder haben den Verstand verloren. Wenn sich die Verfolgung gegen einen Israeliten richtet und dieser sucht sich der Gewalt zu entziehen, bemächtigt man sich der Person seiner nächsten Verwandten, und wenn er keine Familie hat, ergreift man seine Nachbarn, man wirft sie ins Gefängniß, man unterwirft sie der Tortur, man läßt sie Schmerzen erleiden, welche dem Flüchtling zugedacht waren. Die Geldstrafe ist die für gestohlene Thiere; aber ein Jude gilt weniger als ein Thier, und wenn er getödtet ist, erhallen weder seine Frau noch seine Kinder den geringsten Theil von der Geldsumme, die dem Mörder auferlegt worden. Die Großen haben einen Vertrag mit der Regierung geschlosseu, damit sie ihnen Juden liefert, welche Steuern bezahlen. Unser gegenwärtiger Herr, von königlicher Abstammung, übersteigt in Grausamkeit alle seine Vorgänger; wie viele fromme Menschen sind unter seinen Streichen erlegen in den Gemeinden, welche von ihm verwüstet wurden, während die Ruhe im Lande herrschte. — Mit den Christen steht es nicht so; sie leben ruhig unter dem Schutze der europäischen Gesandten und Confuln, während wir nur auf Ihre Hülfe rechnen können." — Die Farben dieses Gemäldes sind düster, aber noch trauriger ist es,, daß sie wahr sind, und daß Abhülfe so schwierig zu erlangen. In despotischen, halb civilisirten Ländern kommt eben Alles auf die Persönlichkeit des jeweiligen Herrschers, und dann noch mehr auf die Männer an, die ihn in den einzelnen Provinzen vertreten. So scheinen es nach den Worten der Berichterstatter selbst, nicht die Juden in allen Theilen Persiens gegenwärtig so zu leiden, und es werden auch wohl nicht die Juden allein sein, welche von der Schlechtigkeit und der Habgier des Statthalters in Hamadan gedrückt und niedergetreten werden. Aber jedenfalls kommt der größere Theil der Leiden auf unsre armen, wehrlosen Glaubensgenossen. Auch hier ist die einzige Zuflucht nächst Gott in Verwendungen namentlich des englischen Gouvernements, welches unter den europäischen Mächten wohl den größten Einfluß in Persien besitzt. Wenn die Türkei durch ihre unmittelbare Nähe bereits in den Kreis der europäischen Civilisation hineingezogen ist, und darum in ihren Staaten von besonderer Mißhandlung der Juden so leicht nichts mehr Vorkommen kann, und dieses, wen auch noch in geringem Maße auch mit Marokko anzufangen scheint: so liegt doch Persien und ganz Mittelasien dieser Berührung noch sehr fern, und unsre Hoffnung ist daher nur eine geringe. Außer England könnte allerdings noch Rußland auf den persischen Hof Einfluß üben. Literarischer Wochenbericht. . Bonn, 7. April. Angekommen: riabri Diese neue Ausgabe des Jerusalemitischen Talmuds, herausgegeben von vr. Graetz im Verlage von V. Behrend in Krotoschin liegt jetzt bis zur 7. Lieferung (einschließlich) vor. Sie ist in groß Folio mit ausgezeichneten Typen auf schönem Papier, und verdient daher die Beachtung und Förderung allseits. Für möglichste Correctheit bürgt der Name des Herausgebers. Begleitet ist der Text von dem im Jahre zu Krakau gedruckten Commentar. Eine Einleitung und ein Gloffar sowie ein Namesss- und geographisches Register wurden am Schluffe des Werkes hinzügefügt. Möge daher das verdienstvolle Werk nicht zu lange auf sich warten lassen. — yvürnn. Diese, in der neueren Culturgeschichte der Juden so überauswichtige Zeitschrift ist jetzt, namentlich in

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