Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 16 (18.4.1865)
- Date
- 1865-04-18
- Page
- Seite 238 (sequence 4)
- Language
- German
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238 den Unterschied nur darin, daß die Einen „Christum als ihren Gott und König anbeten", die Andern ihn verwerfen. „In einem christlichen Staate ist Christus König, der irdische König hat seine Krone allein von ihm." Dies sei in Preußen der Fall, und darum könnten die Juden daselbst keine Staatsämter bekleiden. Freilich kommt er nun über den Einwurf nicht hinweg, daß eben dieses Axiom von zahllosen Christen auch nicht bekannt wird, was ihm die gewünschte Gelegenheit giebt auf das Abgeordnetenhaus seine Schmähungen zu ergießen. Dies sind nun Dinge, über die wir mit dem „Hausfreunde" durchaus nicht zu rechten gedenken. Wir lassen ihn gern seine Straße ziehen, und meinen nicht, ihm noch mehrmals zu begegnen. Aber Eines wollen wir doch noch hervorheben. Nachdem er seine „schlechten Christen" abgekanzelt, läßt er nach der Art seiner Sekte seinen Geifer über die „Reformjuden" aus, und sagt hier: „Sie glauben gerade soviel, wie obige Christen, nämlich gar nichts. Sie glauben eben so wenig an einen noch zukünftigen als einen schon gekommenen Messias. Sie geben sich mit einer flachen Moral zufrieden, übrigens ist der Geldbeutel ihr Gott und sie geberden sich, als wäre das jüngste Gericht eine Industrie-Ausstellung und das Ende der Welt eine Frankfurter Messe. „Wir wüsten gestehen, daß wir einen schlechten Begriff von dem Glauben eines Mannes bekommen müssen, der sich von demselben nicht abhalten läßt, solch lügenhaftes Zeugniß über seine Mitmenschen auszusprechen. Für uns wenigstens ist' kein Mensch religiös, der sich so etwas gestattet. Menschen, denen der irdische Besitz Alles ist, giebt es unter alten und neuen Christen, unter alten und neuen Juden. Irgend einer Glaubensrichtung zu insinuiren, daß „ihr Geldbeutel ihr Gott sei", ist nur die Sache des bekannten Zelotismus, der bei aller Frömmigkeit sich erlaubt, über die, welche nicht mit ihm sind, die schändlichsten Verläumdungen auszusprechen. Hiermit sei es mit dem „Hausfreund" genug. Bonn, 9. April. Der gegenwärtige Instand der Süden in Persien. In einem an die Alliance isr. un. gelangten Schreiben aus Hamädan in Persien vom 9. Januar 1865 wird die gegenwärtige Lage der Juden in Persien (wenigstens in einem Theile Persiens) folgendermaßen geschildert. Opfer von unaufhörlichen Verfolgungen jeder Art, sind wir der Spott unserer Feinde, welche uns jedes Schutzes beraubet sehen und die nach ihrem Belieben über uns verfügen können; es vergeht kein Tag, keine Stunde, kein Augenblick, der nicht ein neues Unglück über uns bringt. Unser Leben, unser Vermögen, unsere Ehre, Alles, was uns am theuersten ist, ist den abscheulichsten Beleidigungen überlassen, die schlimmer als die Sklaverei sind. Hier, in Hamadan, stehen wir unter der Herrschaft eines Mannes, eines Mitglieds der königlichen Familie, dessen Härte, Frechheit und Habgier keine Grenzen kennen und unser Unglück auf's höchste' gesteigert haben; wie viele unglückliche Opfer hat er seiner Wuth gebracht, wie viele Menschen hat er ungerecht sterben lassen, wie viele Israeliten hingemetzelt, ohne daß sich Jemand darum bekümmert hat. So manches Mal haben wir unsre Klagen dem Schah vorgebracht, aber vergeblich; wir haben dadurch nur die Habgier noch von andern hohen Persönlichkeiten erregt, die auch ihren Theil an unfern Gütern haben wollten und deren Raubsucht wir befriedigen mußten, denn die großen Herren dieses Landes sind unzählig, und der Letzte unter ihnen betrachtet den Angesehensten unter uns für ein unreines Wesen. Die edlen Söhne Levi's gelten hier für eine unreine, verachtete, außer dem Gesetze stehende Race, und es scheint, daß Alles auf unfern Untergang ausgeht. Schon lange hätte uns der Haß vertilgt, wenn nicht die göttliche Barmherzigkeit unsere schwachen Ueberreste verschont hätte. Bor fünf Jahren wären wir beinah Alle Opfer einer Verschwörung gegen uns geworden, wie wir es nach Europa berichtet haben. Wenn wir alle unsre Leiden erzählen wollten, würde das Papier nicht ausreichen. Es giebt Verluste, leider, welche nichts wieder gut machen kann. Uebermaß von Leiden hat mehr als Einen gezwungen, unsrer heiligen Religion abzuschwören, um sein Leben zu retten. Ein abtrünniger Israelit hat hier das Recht auf