Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 15 (11.4.1865)
- Date
- 1865-04-11
- Page
- Seite 231 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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SSL Ich r habe.' diese?Stadt fünfundzwanzig' Jahre später: gesehen undder Aufenthalt -unserer Armee, welche gern-so bald wie möglich diesen traurigen -Ort verlassenmöchte, vermochte nicht, diesen'Ort zu erheitern, der so gut gelegen ist, um durch-den Handel eine wichtige Stadt zu werden. .Aber Du-kennst wohl/ohne daß ich nöthig habe es . zu sagen, den Grund, der das Haupthinderniß ist.' Wir der ehrwürdige Vater Gäufsin, das geachtete Haupt deiner-protestantischen-Sekte in Genf, welcher sogar Bücher- -und Broschüren herausgegeben hat, um Palästina und Jerusalem unfern Brüdern wieder zu öffnen — dieser .und ich brauchten keinen ganzen Tag, um diese Einsamkeit, von 12 Stunden, welche sich zwischen dieser Stadt und Rom ausbreitet, zu durchschreiten, natürlich ohne Hülfe der Eisenbahn, wie man es heute kann. Angekommen in der Stadt, welche immer ihren Zauber auf die Menschen bewahren -wird, sowohl durch die großen Erinnerungen, welche - sich, anihren Namen und an das Volk, knüpfen , welche seinen Ruhm überall verbreitet hatals auch durch die bedeutenden Momente und Kunstschätze, welche sie enthalt— eilte ich schnell in das Ghetto, um mit eigenen Augen die traurige . Lage zu sehen, in/der unsere unglücklichen Brüder lebten. Ich habe verschiedene Male in den Jahren 1538 und 1839 Rom wieder - besucht und.--will -versuchen, die Veränderungen in. das Gedächtniß zurückzurufen, welche Herr von . Rothschild das Glück hatte/ in der beklagenswerthen Lage der Juden herbeizuführen. / Der damalige Papst Gregor XVI., ohne ein liberaler Mann zu sein,- was ihm mit seiner hohen Stellung unerträglich erschien, war, außerhalb der apostlischen Regeln/ die er nach den . Worten, deren er sich zu bedienen liebte,- ihm den Weg versperrten, ein ausgezeichneter Mann. . Icherinnere mich vollkommen, der Worte, mit welchen er in wohlwollender Weise den Baron James. -von Rothschild empfing: „Ich bin sehr.zufrieden mit den Hebräern, und ich hoffe, daß sie es . auch mit mir sind." Nach dieser. Einleitung' kann man sich leicht denken, daß das- Resultat der ganzen Unterredung ein günstiges war. Auf die Bitte des Herrn v. Rothschild bewilligte; der Papst die Erlaubniß, außerhalb des Ghetto's, aber ganz-nahe-dabei, ein Arbeitshaus zu errichten, in welchem man den jungen Leuten das Schusterhandwerk und Sticken lehrte.- Die-päpstliche-Regierung übernahm die Miethe des Hauses und den Gehalt des Aufsehers, der - - ein r Christ war, während . die Gemeinde, - die. das Recht hatte > die jungen, Leute für dies> Institut auszuwählen, es auf sich nahm, den Gehalti deS Schuster - meisters und der Frau, die das Sticken lehrte, zube- : zahlen. -/ . . > -ii- Diese Anstalt schuf viel Gutes; sie wurde sehr - befördert durch die Freigebigkeit der Familie Rothschild, welche seit vieser Zeit nicht aufgehört hat/ eine wohlwollende Aufmerksamkeit Allem zu gewähren, 'was die römischen Israeliten betrifft, und alle ihre Glieder, welche nach einander Rom besuchten, dafür zu interessiren. Die - verhältnißmäßig. blühende Lage dieses Instituts, bewog sogar einen wahrhaften Beschützer, den Consul von Württemberg, Herrn Kolb/ bei der Familie Rothschild darum . einzukommen, daß sie eine neue Summe von 5000 Francs - schenke füe ein zweites Etablissement'dieser Art im Innern des Ghetto's, was den jungen Leutenerlauben würde, am Sonntag zu arbeiten, und einer größern Anzahl den Zutritt eröffnete. Diese Anstalt hat einen so liefen Eindruck auf dem Geist der Gemeinde, hinterlassen, daß ich unter den drei Punkten , die man 1852. vom Papste Pius IX. . erbat,, folgenden - finde: „Die unter der päpstlichen Regierung von-Gregor XVI.; bestehenden Wohlthaten der Regierung wieder herzustellen, um den jungen Israeliten einige Handwerke lehren zu lassen." . Also-fünfzehn Jahre später und unter der Regierung eines liberalen Papstes fand eine zurückschreitenve Veränderung statt und man sah es als . Vortheil an, zu den-Irrungen von Gregor XVI. zurück zu kehren. - Ich werde niemals den Eindruck vergessen!, den ich empfand, als ich über den großen Platz des Ghetto schritt und am Eingang der Synagoge einen Stein sah, der die Worte des Psalmisten trug: „Wenn-ich dich jemals vergäße, Jerusalem, so soll mich meine rechte Hand vergessen." Das ist also , von Neuem der Kampf undder Antagonismus zwischen Jerusalem und Rom;- abertrotz des schweren Druckes, welcher seit vielen Jahrhunderten auf den Juden tastete; trotz der Macht, über die Rom verfügt, trotz der Befehle, die in dieser Stadt, welche geschickt und gewohnt-ist zu gebieten, erlassen wurden, weicht Jerusalem doch nicht: das Recht behält seine Titel, das Recht des Abwartens und der Geduld/ welche schon, selbst wenn keine andern Motive da wären, den Sieg als Preis für die außerordentliche Ausdauer verdient. . Das Ghetto/ und der- Triumphbogen - des Titus, der einige Minuten entfernt von dem engen Raume ist, den man -den ehemaligen Herren von Jerusalem gewährt, sind ein Stück Geschichte, das nicht zu 15**