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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1865-04-11 · Heft 15 (11.4.1865) · p. Seite 232

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
29 (1865)
Issue
Heft 15 (11.4.1865)
Date
1865-04-11
Page
Seite 232 (sequence 10)
Language
German
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m verachten ist, selbst in dieser Stadt, wo so viele Erinnerungen sich drängen und aufhäufen. Weder der Carneval mit seinen zahlreichen Verkleidungen, bei dessen Beginn eine israelitische Deputation vor dem Senator Odescalchi erschien, um ihn üm die Erlaubniß zu bitten, noch ein Jahr in Rom verbleiben zu können, welche Audienz früher mit mehr oder weniger demüthigenden Ceremonien begleitet war; , noch die Illumination der Kuppel von St. Peter ausnahmsweise vom Papste am Donnerstag vor Fastnacht dem.Großfürsten von Rußland, dem jetzigen Kaiser, veranstaltet; noch die Seligsprechung von Alphons von Liguori, noch die Processionen des Frohnleichnamsfestes, welchen: ich nacheinander in Rom beiwohnte, haben mich mehr interessirt. Ich war als junger. Mann zufrieden , alle diese Pracht gesehen zu haben, welche mich für einen Augenblick in eine andere Zeit, inmitten von andern Ideen und Bestrebungen versetzte, außerhalb des Kreises meiner Beschäftigungen und meiner Wünsche. Aber fast tägliche Unterredungen mit dem ehrwürdigen Cardinal Mezzofanti, einem sehr liebenswürdigen Greise und einem der merkwürdigsten Linguisten, die jemals gelebt haben (er sprach dreiundfünfzig verschiedene Sprachen und europäische, orientalische und sogar Patois- Dialekte), haben bleibende Erinnerungen bei mir hinterlassen, welche sich für mich in einem Blatte concentriren, dgs von der Hand dieses gelehrten Prelaten in englischer, griechischer und persischer Sprache geschrieben war und durch welches er im Februar 1839 Abschied von mir nahm. Beinahe fünfundzwanzig Jahre sind seit diesen köstlichen Unterhaltungen vergangen, in welchen der Fürst der katholischen Kirche Gefallen daran fand, fast täglich während mehrerer Stunden mit einem jungen Orientalisten über die verschiedenen Begriffe der Philologie, der Geschichte und der orientalischen Literatur zu sprechen. Ein großer Theil dieser Unterhaltungen betraf . Dante und fand in hebräischer Sprache statt. Bevor ich nach Neapel ging, gab mir dieser würdige Mann eine kleine Empfehlung an den Prior des Klosters von Karl III. mit, in welchem sich, am Fuße des Capo cli monte gelegen, junge Chinesen befanden, welche die Aufgabe hatten, sich für das Priesterthum dieser entfernten Länder vorzubereiten. Ich hatte die Absicht, meine Mußestunden in der alten Parthenope dem Studium dieser Sprache und der Sitten des äußersten Asiens zu.widmen; aber ich war nichts so glücklich, dieselbe Freundlichkeit bei dem Direktor der Studien zu finden. Nach einigen Gesprächen bat er! mich, diese Unterhaltungen zu unterbrechen, welche den \ jungen Leuten, die im Gegentheil ein wahrhaftes Ver-! gnügen bezeugten, mit mir zu"-' plaudern, eine kostbare j Zeit raubten. Die ersten Unterhaltungen fanden lateinisch statt, welches Einige gut genug verstanden, um sich! darin auszudrücken,: und sie zeigten wie ihre alten Koi stüme und wenige Monumente ihrer Vaterstädte , die Sit-! ten und Gebräuche der Bewohner deö himmlischen Reiches. Der Cardinal Mai, der berühmte Herausgeber der Palimpsester, empfing mich mit seinem gewohnten Wohlwollen, was ihn aber doch nicht hinderte, mir zu verbieten, in der Bibliothek des Vatikans, deren Chef er war, die Abhandlung über die Einigkeit, von Maimonides Zlaamar hajichud zu kopiren, um sie meinem Freunde; Hrn. Munk zu schicken für seine Arbeiten, deren sich jetzt! die gelehrte Welt erfreut. Nichtsdestoweniger gelangte ich doch mit einiger List dazu, den größten Theil zu kopiren, indem ich mich oft auf die Bibliothek begab. Ich las einige Seiten dieser kleinen Abhandlung mehrere Mal durch, welche ich .sodann gleich in meiner Wohnung niederschrieb; was ich so oft wiederholte, bis ich die ganze Abhandlung meinem gelehrten Freunde schicken konnte. So waren in Rom die Menschen mehr und besser als die abscheulichen Institutionen, welche regelmäßig unsere Glaubensgenossen von der allgemeinen Bewegung der modernen Gesellschaft und von der vollkommenen Entfaltung ihrer Fähigkeiten ausschlossen. Ehe ich diesen langen Brief schließe, will ich Dir, mein lieber Sohn, eine Uebersetzung der Zeilen des Cardinal Mezzofanti geben,■ an die ich in dem nächsten Briefe eine Skizze über den Zustand der Juden in Rom reihen will, welche ich theilweise den mündlichen Miltheilungen des verstorbenen Salvatore Scala, dem ehemaligen Sekretair dieser alten Gemeinde, verdanke. Aus dem Englischen.: „Wie gut du bist, Gott! deine Gnade ist unbegrenzt; ergieße deinen Segen, auf alle Herzen, welche im Glauben hoffen, wohlthätig handeln, und dir mit aufrichtiger Treue dienen wollem" Aus dem Griechischen: „Alle irdischen Güter sind vergänglich; ein einziger Gegenstand ist immer beständig und schön für die Menschen, das ist die göttliche Weisheit." Aus dem Persischen: „Ein junger Mann betrat einst das Paradies der Rosen und suchte dort für seine Seele die Kenntniß des würdigen Lobes. Der Zephyr verbreitete in der Laube Wohlgerüche, die Kenntniß ließ aus der Seele köstliche Früchte hervorgehen. Mezzofanti."

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