Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 15 (11.4.1865)
- Date
- 1865-04-11
- Page
- Seite 229 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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SLS samkeit sich zur Aufgabe gestellt und auch gelöst hatte. Der Redner charakterisirte die Individualität jMannheimer'S als eine geistes- und glaubensstarke, ihres Thuns stets bewußte, und darum mit klarer Erkenntniß und mächtiger Willenskraft ihrem Ziele zustrebende Persönlichkeit, deren religiöses und moralisches Testament von seiner Gemeinde für alle Zeit hoch gehalten werden müsse, weil es die schönsten Aufgaben der Menschlichkeit in sich fasse. So erschütternd und ergreifend, wie die begeisterte Rede, waren auch die Trauergesänge, mit denen Sulzer's herrliche Stimme und der von ihm geleitete Chor die Feier begannen und schlossen. In tiefer Rührung verließ die Gemeinde das Gotteshaus." Hohenems, 20. März. (Privatmitth.) Ws Menschen verschiedener Abstammung und verschiedenen Glaubens in Eintracht beisammen wohnen, da lebt's sich herrlich auf Erden. In diesen glücklichen Verhältnissen befinden sich die Israeliten unserer Gemeinde zu ihren christlichen Mitbürgern. Geographisch von ihren Glaubensbrüdern isolirt, haben sie sich in Brüderlichkeit mit ihren nichtjüdischen Mitbürgern geeinigt, und wirken, obschon in der Verwaltung in 2 politische Gemeinden getrennt, gemeinsam für das Wohl des Ganzen. So feierten sie auch in brüderlichem Vereine am 11. d. M. das 100 jährige Jubelfest der Vereinigung der ehemals unmittelbaren Reichsgrafschaft Hohenems mit den Erbländern unseres a. h. Kaiserhauses, und wenn auch die Begehrung einer solchen Feier speciell mehr die demselben Staate Angehörigen interessirt, so sind doch viele Momente hervorzuheben , die als von allgemein jüdischem Interesse den Lesern d. A. Z. d. I. vorgesührt werden dürften. In Kirche und mit allem Festschmucke ausgestatteter Synagoge erschienen die Vertreter der k. k. Regierung und beider Gemeinden, so wie eine zahlreiche Volksmenge, um für das Wohl Ihrer k. k. Majestäten zu beten. Herr Rabbiner Simon Popper hielt eine treffliche Festrede, die schöne Zeit schildernd, wo unsere Vorfahren vor 100 Jahren auch an dieser Stätte gestanden, Gott dankend, der sie Unterthanen des erleuchteten Kaisers Joseph II., des edlen Verleihers des Toleranzediktes werden ließ, und verrichtete ein inniges Gebet für seinen erhabenen Nachkommen, unserem allergnädigsten Kaiser Franz Joseph I., der uns die lange entbehrten Menschenrechte zu Theil werden ließ.Hr.Cantor E. Frankel, der Gesangverein „Frohsinn" und die hiesige Musikkapelle trugen durch ihre musikalischen Leistungen zur erhöhten Feier des Gottesdienstes bei. An dem Festabende saßen im Festlokale vereinigt die geistlichen und weltlichen Vertreter der jüdischen und christlichen Gemeinden, die Honoratioren und Gesangsvereine des Ortes. Die Feier des Abendes wurde mit einem vom Festordner Hr. Leopold Reichenbach gedichteten und vom Referenten vorgetragenen Festprologe eröffnet, und nachdem der Bürgermeister der Christengemeinde Hr. Spieler und der wegen seiner Verdienste allgemein geachtete Bürgermeister der Jsraelitengemeinde Hr. Samuel Menz Toaste auf das Wohl Ihrer k. k. Majestäten und Her k. k. Staatsbehörden gesprochen hatten nnd der als Ehrengast hier weilende Vorstand des h. Landesausschusses, Hr. Baron v. Seyffertitz eine Festrede gehalten, in der er unter anderm die israel. Bürger erinnerte, daß sie zu einer Zeit unter Oesterreichs Scepter kamen, wo ihre Glaubensbrüder in den übrigen Ladern Deutschlands unter dem. Drucke großer und kleiner Herren schmachteten, während sie in Kaffer Franz Joseph II. einen gütigen Beschützer.fanden; führte der Oberschützenmeister Hr. Dr. Ullmann die Geschichte der Grafschaft Hohenems vor, die der Israeliten daselbst besonders beleuchtend. Er erzählte, wie die zu Ende des Mittelalters aus Böhmen angekommenen Juden, überall zurückgewiesen, von den menschenfreundlichen Grafen gastlich ausgenommen und milde behandelt wurden, wie die im vorigen Jahrhunderte aus Sulz im Oberlande vertriebenen Juden hier Schutz und Aufnahme gefunden, und in nie gestörter Eintracht mit der christlichen Bevölkerung lebten. Ein Monument der brüderlichen Gesinnung unserer christlichen Mitbürger ist unsere Synagoge. Hatte nicht der edle Graf Harrach v. Hohenems die Steine zum Baue gespendet und waren nicht Kapitalien, die erst in jüngster Zeit gänzlich zurückgezahlt worden, von edelgesinnten Christen vorgestreckt worden, niemals hätten die damals armen Juden unserer Gemeinde einen solch kostspieligen Bau ausgeführt. — Der obgenannte Hr. Festordner brachte hierauf einen sinnigen Toast auf die Wohlfahrt, Brüderlichkeit und Einigkeit beider Gemeinden, sie mit dem österreischen Doppelaar vergleichend. Zwei Köpfe und doch ein Körper sind beide Schwestergemeinden, sagte er, wo es sich um das Gemeinwohl handelt; gegenseitig brüderlich mit dem eiser-