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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1865-04-11 · Heft 15 (11.4.1865) · p. Seite 228

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
29 (1865)
Issue
Heft 15 (11.4.1865)
Date
1865-04-11
Page
Seite 228 (sequence 6)
Language
German
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Gelten ihrer Glaubensgenossen zu erfreuen hatten, ist der Umstand, daß während dieser Zeit fast kein einziger Pole irgend ein Amt in der Gemeinde bekleidete, ’ während doch viele dazu' wohl geeignet waren. Im Jahre 1859 fühlte sich die polnische Colonie schon so weit kräftig, daß sie zu einem Vereine zusammentrat, der sich christlicher Seits seit seines Bestehens großer, Anerkennung zu erfreuen hat,: und der sich durch die Gründung der hier bestehenden „Mendelssohn-Stiftung" für unbemittelte Gelehrte, Künstler-und Studirende ein bleibendes Denkmal errichtet hat. Bedauerlich bleibt aber immer, daß sich von den deutschen Juden nur sehr wenige diesem Vereine anschließen und daß die wenigen, die aus eine an sie ergangene Aufforderung sich demselben angeschlossen haben, sich um den Verein gar nicht bekümmern, ja keine Versammlung oder gesellschaftlichen Abend besucht haben. Es zeigt sich zwar in der neuern Zeit schon hie und da, Dank den Be- -mühungen unseres verehrten Predigers Herrn Dr. Goldschmildt, eine Annäherung, aber von einer vollkommenen Vereinigung ist man bis jetzt leider noch ganz entfernt. < Wir unserer Seits sehen Ln der Verschmelzung der beiden hier bestehenden jüdischen Vereine, der „Gesellschaft der Freunde", der aus deutschen Juden besteht und des „Verein zur Förderung geistiger Interessen im Judenthume", dessen größte Mitgliederzahl aus den von Polen hierher herübergekommenen Israeliten besteht, ein Mittel, diese unnatürliche Kluft auszufüllen, die bei dem sonstigen Zusammenhalten der Israeliten fast unbegreiflich erscheint. Es wird die Aufgabe der Leiter unserer Gemeinde und dieser Vereine, ja überhaupt der Bessin sein, nach diesem Ziele hinzuwirken. Mögen auch diese Zeilen, die aus einem warmen Interesse für diesen Gegenstand entstanden sind, dazu beitragen, diese Bereinigung zwischen den Glaubensgenossen zu befördern. H. Leipzig, 15. März. (Privatmitth.) In der gestern Vormittag abgehaltenen-mündlichen Verhandlung des hiesigen königl. Bezirksgerichts wurde den „L. N." zufolge, der Einspruch verhandelt, den der Redacteur der „Mitteldeutschen Volkszeitung", Robert Rößler hier, gegen das Erkenntniß des königl. Gerichtsamtes im Bezirksgerichte Leipzig, welches ihn wegen eines in Nr. 235 der obgedachten Zeitung vom Jahre 1864 enthaltenen „Unser Judenthum" überschriebenen strafbaren Artikels zu einer Geldstrafe von 10 Thlr. verurtheilt, eingewendet. Nach Vortrag aus der Sache beantragt die köngil. Staatsanwaltschaft Bestätigung der ersten Entscheidung und das, nach Schluß der Verhandlung und Wiedereintritt des Gerichtshofes verkündete Urtheil lautete allenthalben auf Bestätigung des erstinstanzlichen Erkenntnisses. Der Angeklagte war im Termin nicht erschienen. Preußen. Aachen, 23. März. (Privatmitth.) Die hiesige Stadtverordneten-Versammlung hat vor Kurzem dem Vorstande der Synagogen-Gemeinde, behufs Erweiterung des bisherigen, event. zur Anlage eines neuen Friedhofes die Summe von 750 Thlr. zur Verfügung gestellt. Wir melden dieses Factum hauptsächlich deshalb, um andern Gemeinden anzudeuten, daß der Vorstand seinen Anspruch auf das Gesetz vom 23. Prairial des Jahres XU. der franz. Republik gegründet hat. Der Fall dürste namentlich für solche Gemeinden von Interesse sein, welche sich noch der franz. Gesetze erfreuen. Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien, 28. März. (Pr.) „Im Sinne einer altehrwürdigen biblischen Sitte, die für Hingeschiedene von besonderem Verdienste das Abhalten einer besonderen Leichenfeier fordert, hatten sich am Abend des 26. März, als am Schlußtage der für nahe Verwandte des Todten vorgeschriebenen siebentägigen Trauer, die Angehörigen der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde, so viel ihrer der Tempel in der Leopoldstadt zu fassen vermochte, versammelt, um den Nachruf, den Prediger Dr. Jellinek dem verstorbenen Collegen weihte, zu vernehmen. Den rituellen und liturgischen Anforderungen war schon am Begräbnißtage Genüge geleistet worden, und es galt nun, in beredten und wahrheitsgetreuen Worten ein Bild des Wirkens und Schaffens des im Andenken seiner Gemeinde für alle Zeiten fortlebenden Mannes zu entwerfen. Der hiezu in jedem Sinne des Wortes berufene Prediger gab eine Skizze alles dessen, was Mannheimer als Kanzelredner und Seelsorger, als Stifter und Leiter humanitärer Vereine und in der politischen Arena, in öffentlicher und privater Wirk-

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