Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 14 (4.4.1865)
- Date
- 1865-04-04
- Page
- Seite 217 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Herrn Nutzen einen bedeutenden Aufschwung genommen und eine außerordentlich segensreiche Wirksamkeit entfaltet. Die Mitglieder ergriffen daher diese Gelegenheit, um Herrn Rüben ein Zeichen der Anerkennung seines frommen, menschenfreundlichen Eifers, mit welchem er in diesem langen Zeiträume sein mühevolles Amt verwaltet und zur Hebung und segensreichen Entfaltung des Vereins beizutragen, zu geben. Durch eine aus Damen und Herren bestehende Deputation wurde ihm nach einer beglückwünschenden Ansprache, ein sehr prachtvoller Pokal mii hebräischer und dänischer Jnscription überreicht. Außerdem wurde von dem Üeberschuß der zu diesem Zwecke freiwillig eingegangenen Beiträge ein Legat im Betrage von einigen hundert Thalern gestiftet, welches den Namen des Jubilars trägt und dessen Renten dieser jährlich an diesem Tage an arme Reconvalescenten selbst vertheilen soll. Abends fand zu Ehren des Jubilars ein solennes Fest- Essen statt, an welchem gegen 200 Vereinsmitglieder Theil nahmen, und wobei außer vielen Toasten ein längerer schöner Vortrag über die Bedeutung der jüdischen Krankenpflege von Herrn Oberrabbiner vr. A. A. Wolff gehalten wurde. Amerika. Brüssel, 10. März. Das brüsseler Blatt „le libre Lxamen" berichtet: „Jefferson Davis und sein Staatssekretär, Herr Benjamin, sind im Süden sehr unpopulär geworden; Herr Davis, weil man ihn des Mißbrauchs der Gewalt beschuldigt, und Herr Benjamin, weil er nicht die Existenz der Dreieinigkeit anerkennt.— £>er „Messenger“ Don New-Jork sagt über diesen Gegenstand: Wie doch die antihumanen Principien, wenn sie einmal leitende Regel geworden sind, aufeinanderfolgen und sich verketten. Nach dem Sklavenfanatismus entsteht im Süden der religiöse Fanatismus; nach dem schwarzen Codex und der Peitsche kommen die vorgeschriebenen Gebete und der Kelch; nach der Doktrin ' der Sklaven-Arbeit erscheint die der religiösen Intoleranz. Der Süden konnte den Folgen seiner ersten Verwirrungen nicht entgehen." Eorrefpondertz. Jüdische Griefe von Albert Cohn. VII—IX. Aus den sehr speciellen Mittheilungen über die jüd. Gemeinde von Paris von 1816 an, welche der Berfaffer dieser Briefe in Nr. VII und: VIII gibt, heben wir Folgendes hervor: Wie in den öffentlichen Acten nach der Wiederaufrichtung des bourbonischen Thrones auch die Juden auf die stngirte Nichtanerkennung der vorangegangenen Regierungen eingehen mußten, bezeugt ein Protokoll des Consistoriums zur Ehre des am 29. Jan. 1817 verstorbenen Abraham Furtado, das mit folgenden Worten beginnt: „In Anbetracht, daß, als der König Ludwig XVI. hochseligen Angedenkens den großmüthigen Gedanken faßte, seine israelitischen Unterthanen zu befreien, Abraham Furtado einer der wenigen ausgezeichneten Männer war, welche die Regierung als würdig bezeichnete durch ihr Wissen und ihre Redlichkeit ihr die nothwendigen Aufschlüsse zur Verwirklichung der wohlwollenden Absichten des tugendhaften Monarchen zu verschaffen" — bekanntlich hat Ludwig XVI. niemals an diese „Befreiung der Juden" gedacht, und es war lediglich die Consequenz von 1789, welche die Gleichstellung herbeiführte. Brachten wir doch erst neulichst in d. Bl. ein Zeugniß bei, daß in der unglücklichen königl. Familie gerade die völlig entgegengesetzte Ansicht vorherrschend war.— Bis zum Jahre 1831, wo der Staat einen großen Theil der Cultuskosten übernahm, bestand die größte und schwierigste Thätigkeit der Consistoriev nur in der Bertheilung jener Kosten. Die Reclamationen hörten nicht auf, sowohl gegen die Höhe der Steuer als auch gegen das Recht, die Steuerpflichtigen nach ihrer Religion zu fragen. Bemerkenswerth ist in dem Schreiben, in welchem dem Synagogenvorftande zu Paris nach der Ermordung des Herzogs von Berry aufgegeben wurde, einen Trauergottesdienst zu bewerkstelligen und ihm die zu wählenden Gebete und Gesänge freigestellt wurden, hinzugefügt wird, es solle keine Rede gehalten werden. — Den.Unterschied zwischen der bourbonischen und orleanistischen Regierung bezeichnet auch der Umstand, daß bei der Geburt des Herzogs von Bordeaux der Seinepräfect unter 14 jungen Mädchen, die ausgestattet wurden,:^ katholische, ein lutherisches und ein reformirtes, aber kein jüdisches auswählte, während unter der Juli- H**