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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1865-04-04 · Heft 14 (4.4.1865) · p. Seite 218

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
29 (1865)
Issue
Heft 14 (4.4.1865)
Date
1865-04-04
Page
Seite 218 (sequence 12)
Language
German
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S18 rsgierung Ler gleicher Gelegenheit auch eine jüdische Braut' bedacht ward,, ja sogar der Herzog von Orleans als Kronprinz den. dabei stattfindenden Ball auf dem Stadthause mid einer jungen Jüdin, der Tochter 'eines Consistorialbeamten, eröffnete. — Nur langsam erstanden in Paris die für eine Gemeinde' nothwendigen Anstalten, Synagoge, Schule, Wohlthätigkeitsanstalten und Gottesacker Erst mit dem, Regierungsantritt Karl X. wurden die, jüdischen Consistorien bei! den-großen Hofceremonien officiell . eingeladen und zugelaffen. 1828 entstand die Rabbinerschule in Metz, die erste israel. Anstalt, welche eine jährliche und regelmäßige Staatsunterstützung erhielt. Als 1828 der um die Gemeinde hochverdiente Baruch Weil starb, war es Michel Goudchaux, der 1848 Finanzminister wurde, welcher die meisten Functionen Weil'sübernahm und für das Aufblühen der Gemeinde wirkte. Am 27. Juli 1831, bei der Feier der Julitage, wurde zum ersten Male eine französische Rede in der Synagogen gehalten, nämlich vom pariser Großrab- Linen Marchand Ennery, und' vom 1. Januar 1832 an durfte keine andere Rede als in der ftanzösischen oder hebräischew Sprache gehalten werden. Die Uebernahme eines Theiles der Cultuskosten von seiten des Staates von 1831 an hatte übrigens Anfangs traurige Folgen, denn da der übrige Theil nunmehr, nurdurch freiwillige Gaben gedeckt werden konnte, verrringerten sich die Einnahmen dergestalt,-daß selbst die Knabenschule für einige Zeit geschlossen werden mußte. - , Wenn in unseren Tagen die Neuorthodoxen. die Wirkungen des neuen Geistes, und der reformatorischen Bestrebungen leugnen und heraLsetzen, so ist nichts belehrender als das Bild,. welches Herr Albert Cohn,. ein hierin gewiß, unparteiischer Mann, von den aus der alten Orthodoxie hervorgegangenen Zuständen der Gemeinde zu Paris bei seiner Ankunft in Paris 1838 entwirft, und das wir daher wörtlich mittheilen. „Bei meiner Ankunft in Paris fand ich fast alle Gemeinde-Institutionen, so zu sagen, suspendirt. Die Freiheit hatte noch nicht genugsam ans die Geister gewirkt, um jene Vereine hervorzurufen, welche das wahre Leben für die Religion sowohl wie für die Wohlthätigkeit ausmachen, während die wohlwollende Gerechtigkeit der Regierung die alten: Verbindungen gelöst hatte, welche bis dahin zwischen den alten israelitischen Einwohnern von Paris bestanden.! Bevor wir der Entwickelung der Gemeinde folgen, welche ihren Anfang im Jahre! 1840 nahm, wollen wir mit wenigen Worten, denn es gibt nicht viel zu sagen, den Zustand der israelitischen 8üD tutionen zu jener Zeit schildern. Die Synagogen des deutschen und portugiesischen Ritus befänden sich/beide rue Notre--Daine deNazareth; seit dem Tode des seligen Herrn Löwy gab es nichts, was den Namen Gesang verdiente; die Predigt existirte kaum und die Betheiligung der Gemeinde war sehr zurückhaltend^' 'um "Nicht' mehi"'zü sagen. Zwei Zimmer in demselben Haus? waren' zur Knabenschule bewilligt, welche Herr Träves säst ganz allein mit vielem Eifer leitete, aber ohne große Resultate erlangen zu können,- da er weder Hilfe noch genügenden Raum hatte, um 130 bis'140 Kinder leiten und überwachen zu können. Madam -Mayermax, unterstützt durch eine Gehilfin, welche sie selbst bezahlte, leitete im Innern eines Hofes' rue de la Croix, in düsteren und feuchten Räumen die Mädchenschule mit einer Intelligenz, die wir seit vielen Jahren nicht aufgehört haben zu bewundern. Das Consistorial - Eomitä bewilligte den Armen, welche um ihren Beistand baten, einige Almosen, und übermachte durch seine Agenten, ohne irgend welchen religiösen Beistand, die Beerdigungen auf den beiden Gottesackern des Westens und des Nordens' (Pfcre-Lachaise und Montmartre). Die Gesellschaft der Arbeitsfreunde hatte aufgehört zu functioniren; es gab weder Institutionen, um die Kranken zu pflegen, welche in die allgemeinen städtischen Hospitäler gingen, noch jemanden, der die Jugend überwachte oder ihren Religionsunterricht leitete. Eine beklagenswerthe Gleichgiltigkeit, von der man sich keine Vorstellung machen kann, herrschte in Allem, was man mit dem Namen religiöses Leben bezeichnet; und der Fremde-, der aus gewissen Gemeinden kam, welche bekannt waren wegen der Verherrlichung des Gottesdienstes und der Leitung der Institutionen,, die daraus entspringen,' war erstaunt über die Unordnung und das Nichts, welches immer und überall, heryorleuchteten. Die Menschen waren gut, sogar vortrefflich, die Institutionen taugten nichts. Es gab wohl entzündbare Stoffe, aber das heilige Feuer, welches den Funken hineinlegen sollte, fehlte vollständig War dies doch der Zustand 'fast aller Gemeinden auch Deutschlands vor 1830, und welch anderes Bild bieten sie uns jetzt dar! \ Im IX. Briefe kehrt Herr Albert Cohn zu seinen eigenen Lebensereigniffen zurück, und nach zwei Jahren eifriger Studien, erhielt er die Einladung, die Familie Rothschild auf einer Reise nach Italien zu begleiten. Es war dies im Oct. 1838 und Herr Cohn 24 Jahre

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