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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1865-04-04 · Heft 14 (4.4.1865) · p. Seite 214

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
29 (1865)
Issue
Heft 14 (4.4.1865)
Date
1865-04-04
Page
Seite 214 (sequence 8)
Language
German
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214 Aus dem Tokayergebirge,; im März. (Privatmitth.). Unsere Chassidäer erheben in der Neuzeit wiederum kühner als je.'.ihr Haupt und mit welch einem großen Erfolge sie in Oberungarn operiren, beweisen die verschiedenen uns bekannt gewordenen Neuigkeiten auf diesem Gebiete. Wir registriren sie der Reihe nach und überlassen es dem freundlichen Leser, Betrachtungen an diesen Geschichtchen zu knüpfen. In S. A. Ujhelh findet eine Vorstandswahl der Chebra-Talmud -Thora statt. Der ehrwürdige Rabbi dieser Gemeinde, Jeremias Löv, den Lesern dieser Blätter als Chassidimgegner und Capacität auf rabbinischem Gebiete bekanntunterfängt sich den proclamirten chassidischen Candidaten nicht in eigner Person zu veröffentlichen, der Sturm bricht los, die Chassidäer verlangen Genugthuung, operiren bei dem Gemeindevorstand,--ja selbst bei der Landesbehörde und nicht zufrieden: im Vorstande zu sitzen, verlangen sie nichts geringeres als Autonomie im.weitesten Sinne des Wortes und Anstellung eines eignen Rabbinen, vulgo Rebbey. —. —. In Nyregyhäz muß der liberale Vorstand dem Treiben der Chassidäer weichen , nicht genug mit diesem Siege wollen letztere auch die Chebra-Kadischa in ihre Hände, der Vorstand des heiligen Vereins weigert sich dem Treiben der Frommen nachzügeben, da erscheint plötzlich der Rebbe aus Liszka, läßt den Vorstand vor sich erscheinen und in wenigen Augenblicken ist der Aufwiegler bekehrt; Chassidäer, Halbchassidäer und Aufgeklärte liegen dem Rebben zu Füßen, die Chassidäer haben gesiegt. In Kasch au bemüht, sich der wackere Vorstand den verwaisten Posten eines Rabbi durch einen Prediger zu besetzen. Am verflossenen Sabbath besteigt ein hoffnungsvoller, der neuen Schule angehörige Rabbi die Kanzel, spricht in hochdeutscher Sprache über die Mission Israels und erbaut durch seine gediegene Rede Jung und Alt. Unsere Chassidäer und Halbchassidäer aufgebracht über diese Anmaßung, lassen aus dem Verstecke eine Mumie aus Nagy-Jda*) hervortreten, die die Kanzel besteigt, selbige aber als trefe sofort wegschaffen läßt, einen einfachen Stender an ihre Stelle setzt, um hier in ebenso begeisterten Worten dem Chassidismus eine Zukunft zu prophezeien, wie in der Frühe *) Nagy-Jda berühmt durch jene jüdische Synode, welche hier 1650 abgehaltrn worden ist. der Rabbi (hier zu Lande Raabi genannt) sein Gegner dem wahren Judenthume. Das Schneegestöber, welches an Hunderte von Gästen aus Polen und Oberungarn am Sabbath hier zurückließ, verschafft dem Rebben zum Siege und Kaschau ist vorläufig gewiß keinen aufgeklärten Rabbi zu erhalten —. —. n Der heilige Rebbe Hillel aus Szikszö ist auf Reisen, um seine Tractätchen, unter anderm auch sein neuestes Werk „jüdisches Herz" an den Mann zu bringen. — Nicht zufrieden mit dem Golde, welches ihm jedermann auf seiner Wanderschaft spendet, begeht er die Anmaßung in Eperies Gelder zum Bau einer Mikweh in dieser Gemeinde aufzunehmen. Der ebenso energische, als für alles Gute begeisterte Gemeindevorstand macht dem Treiben des Rebben ein Ende und letzterer sieht sich trotz vorgeschützter Krankheit genöhigt, Eperies zu verlassen. — — In S: A. Ujhelh fand für sechs in diesem Jahre verstorbene Rabbinen am 7. Adar eine Todtenfeier statt. In der Trauerrede wurde auch des pecsoneudorfer Rabbi Sabbathai Diamant aus Trebitsch in Mähren gebürtig, gedacht. Im vorigen Jahre auf der Reise nach Wien in Angelegenheit des Rabbiner-Seminars begriffen, wurde er in dieser Synagoge von Chassidimfreunden aufgefordert, nach Chassidäerweise zu segnen. Der Dahingeschiedene lehnte jedoch mit dem Bedeuten ab, daß er kein Rebbe sei und dieses Geschäft Anderen überlasse. Oberlehrer I. Rosenmeyer. Frankreich. Paris, 15. März. (Privatmitth.) Früher hielt man Deutschland für dasjenige europäische Land, in welchem vorzugsweise die religiösen Fragen durch- und ausgekämpft würden. Neuerdings scheint aber diese Aufgabe auf Frankreich übergegangen zu sein. Hier, wo nach der Vertreibung der Hugenotten und unter dem Schutze der gallikanischen Freiheiten alles Religiöse conform zu sein schien,*) erhob sich in der Revolution ein solcher Sturm gegen die Kirche und gegen alle positiven Religionen, daß jene verloren schien. Dennoch zeigte sich später, daß ein großer Theil des ftanzösischen Volkes der Kirche noch sehr ergeben sei. Diese letztere hat ihrem Gegensätze gegenüber einen desto heftigerem *) Da darf jedoch nicht an den Streit der Jansenisten vergessen werden. Die Redaktion. -

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