Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 14 (4.4.1865)
- Date
- 1865-04-04
- Page
- Seite 210 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3224737-3226473-3226488--22937-3250217- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
210 Gebete des Sterbenden nnd sprach dann seinen Kindern Trost zu. Er meinte, es sei besser für ihn in solcher Weise von der Erde zu scheiden, als Jahre lang im siechen Leben hinzuleben, ohne etwas leisten zu können. Mit einem Worte, er starb wie ein gottergebener Weiser. -- Zur Charakteristik dieses seltenen Mannes führe ich blos Folgendes an: Etwa zwei Tage bevor Mannheimer aufs Krankenlager geworfen wurde, trat eben, während ich bei ihm, wie alltäglich, zum Besuche war, einer von den Rabbinern herein, die im vorigen Jahre den Protest in der Kompert'schen Angelegenheit unterschrieben hatten. Mannheimer empfing ihn wie gewöhnlich wohlwollend und freundlich. Der Herr Rabbiner beabsichtigte jedoch nicht eine Staatsvisite zu machen, sondern er wünschte eine Gefälligkeit, und Mannheimer ohne Groll im Herzen gewährte ihm auch sofort diese. — Ja, es ist ein Mann in die Erde versenkt worden, der ein Priester in der edelsten Bedeutung des Wortes war. Auf Antrag des Herrn vr. Jellinek wurde der Sarg, der die sterblichen Ueberreste enthielt, nach §. 344 des Jore Deah in den Tempel gebracht und vor die heilige Lade gestellt. Der Gesammt-Vorstand, Gemeinde und Reichsrathe umstanden denselben. Am frühen Morgen, Montag den 20. d. M., um 6 Uhr, drängten sich schon Leute zu dem Trauerhause heran, und der Tempel konnte kaum den zehnten Theil der Leute fassen, die Einlaß begehrten. Um 9 Uhr, als die Feier begann, hielt Hr. Joseph Wertheimer, Präsident des Vorstandes, eine Ansprache an das Publicum, in welcher er mit lapidarischer Kürze warm und treu die unsterblichen Verdienste des Dahingeschiedenen pries. Ergreifend sprach hierauf Jellinek und schilderte die großen Tugenden des Dahingeschiedenen.» Rabbiner Horowitz sprach hernach ein hebräisches zu diesem Zwecke verfaßtes Gebet. Obercantor Sulzer, der selbst leidend war, erwies seinem langjährigen Freunde, an dessen Seite er vierzig Jahre wirkte, die letzte Ehre und stimmte die Trauergesänge an, bei welchen außer dem Chore der Gesangverein „Eintracht" (früher „Zion") mitwirkten. Nachdem die Feier im Gotteshause zu Ende war, trugen die Söhne und der Vorstand die Bahre zum Leichenwagen. Nun bewegte sich der Zug zum Gottesacker. Da zeigte es sich, welche Nachachtung der Verblichene in der Residenz genoß. Die Straßen, durch welche der Zug ging, waren dicht mit Menschen besäet. Man hat in Wien schon seit langer, langer Zeit ein derartiges Leichenbegängniß nicht gesehen. Mehr als zweihundert Wagen folgten der Bahre und Tausende von Menschen machten den weiten Weg-zu Fuße. Auf dem Gottesacker ergriff Sulzer alle Herzen durch den Vortrag des Erm *ii2N - Gebetes, und von neuem vernahm man lautes Schluchzen als vr. Jellinek wiederholentlich das Wort nahm. Die Gemeinden von Prag, Lemberg, Brünn, Bisenz, Pr'eßburg rc. waren durch Vorstandsmitglieder, Rabbiner oder Prediger vertreten. Nächsten Sonntag wird die eigentliche Trauerfeierlichkeit stattfinden. Ich suchte mit dürren Worten Ihren Lesern Nachricht von dem Vorgefallenen zu geben. Es fehlt mir jedoch die Ruhe, um die Lücke zu schildern, die durch den Tod dieses Mannes entstanden ist. Der Schmerz über den Verlust eines Lehrers und Freundes, der mein Herz durchwühlt, gestattet mir vorläufig nicht,, demselben in angemessener Weise Worte zu leihen. G. W. Literarischer Wochenbericht. Gr.-Becskerek, im Februar. (Schluß.) Dem Werke des R. Jizchak Lampronti aus Ferrara schließt sich würdig an das von dem sel. Rabbiner in Spalatro, Jakob Muffaphia, trefflich bearbeitete und zum Drucke vorbereitete bisher blos als Manuscript - vorhandene Bändchen: '121 ->"2 ympw pwrs mmian Diese Rechtsgutachten aus der Gaonimperiode waren einst im Besitze des gelehrten Bibliographen Asulai, und der sel. Rabbiner I. Muffaphia (beiläufig bemerkt Vater des Hrn. Muffaphia, Professors der romanischen Literatur in Wien) copirte sich das Manuscript ab, und versah dasselbe mit einer kleinen Einleitung und den nöthigen Anmerkungen, um es zur Herausgabe geeignet zu machen — ein Plan, der ebenfalls nicht zur Ausführung gelangen konnte, bis der Mekize Nirdamim die Realisirung desselben endlich in Vollzug brachte. Es wäre wohl überflüssig über die Wichtigkeit und. den hohen Werth der Rechtsgutachten aus der Gaonimperiode, die dürftigste und vielleicht dunkelste in der jüdischen Geschichte viel Worte zu verlieren, da wir an historischen Werken außer dem bekannten chronologischen Sendschreiben des Scherira Gaon, gar nichts besitzen. Die gründlichen Forschungen des Herrn Rapoport haben den Nachweis geliefert, daß die Sammlungen der Gutachten und Episteln der Gaonim nicht blos vom talmudischen und rabbini-