Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 14 (4.4.1865)
- Date
- 1865-04-04
- Page
- Seite 209 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Isaak Noa Mannheimer. Auch wir betrauern den Heimgang des ehrwürdigen Mannes vom ganzen Herzen. Erst bei Gelegenheit seines 70jährigen Geburtstages gaben wir eine ausführliche Biographie des Verklärten (Nr. 46, Jahrg. 1863), auf die Wir daher hier verweisen wollen. Geboren den 17. October 1793 zu Kopenhagen, verstarb er in der Nacht vom 17. zum l8. März nach dreiwöchentlichem Krankenlager. Ueber die außerordentliche Theilnahme, die dieser empfindliche Verlust aus der Reihe der älteren hervorragenden jüdischen Gottesgelehrten erweckte, gibt das Leichenbegängniß am 20. März Erweis, das wir hier mit dem Referenten der „Presse" schildern. „Es fand heute Vormittags 9 Uhr unter einer außerordentlich zahlreichen Theilnahme der Bevölkerung Wiens statt. Um 9 Uhr war die mit Tausenden von Kerzen erleuchtete israel. Synagoge, in der Stadt, Seitenstättengasse, von Menschen buchstäblich vollgepfropft. Um einer.Störung der Leichenfeier vorzubeugen, sah sich die Bethausverwaltung veranlaßt, die Thore schließen zu lassen. Vor der schwarzbehangenen Bundeslade war der Sarg Mannheimers auf einem schwarzen Katafalk aufgebahrt, und brannten um denselben große Wachskerzen in schwarzen Candelabern. Den Sarg umstanden die leidtragenden Söhne des Verstorbenen, ferner die Vorstände der israel. Gemeinde, viele Mitglieder des Abgeordnetenhauses, des Gemeinderathes, die anwesenden Rabbiner und Prediger aus Pesth, Brünn und Preßburg. Zu Häupten des Sarges standen der älteste Vorstand der Gemeinde, Joseph Wertheimer, der Rabbiner von Wien, Horowitz, Dr. Jellinek und Professor Sulzer. Letzterer eröffnete die Leichenfeier mit einem Choral, in welchen der Gesangverein „Eintracht" einstimmte. Herr Joseph Wertheimer widmete dem Dahingeschiedenen im Namen der Gemeinde in warm empfundenen Worten eine Nachrede. Darauf hielt Dr. Jellinek eine ergreifende Rede. Dann hielt Rabbiner Horowitz eine Predigt in hebräischer Sprache, worauf die Feier mit einem erhebenden Trauerchore geschloffen wurde. Der Sarg . wurde nun von den Vorständen der Gemeinde auf den vierspännigen Leichenwagen gehoben, und der Leichenzug setzte sich in folgender Ordnung in Bewegung: Derselbe wurde von 4 berittenen Policifien eröffnet, diesen folgten die verschiedenen Vereine, deren Vorstand der Verewigte war, darunter auch in Uniform eine Deputation bet christlichen Zkettungäalt^ stakt in Penzing, deren Wohlthäter Mannheimer war; der Verein „Eintracht" mit brennenden Fackeln, die Vorstände der israel. Gemeinde, die Bethausverwaltung; nun kam der Leichenwagen; zu Leiden Seiten schritten die ältesten Vorstände mit Windlichtern; dem Wagen folgten die Leidtragenden, mehrere hohe Geistliche und Würdenträger sowie nahezu 10,000 Menschen. Die Straßen, welche der Zug passirte, waren mit Menschen gefüllt und die Fenster dicht besetzt. Erst um 11 Uhr langte der Zug am Friedhofe in Währing an. Der Friedhof konnte die große Menschenmenge nicht fassen, und mußte der größere Theil vor demselben sich postiren. Am Grabe hielten die Herren Prediger Reden, und unter Absingung eines ergreifenden Chorals wurde der Sarg der Erde übergeben." Alle wiener Zeitungen enthalten Nekrologe des Verstorbenen, und wissen neben seiner Wirksamkeit als Kanzelredner und Seelsorger seinen ausgezeichneten Charakter, seine Mildthätigkeit gegen alle Leidende, seine Offenheit für alle seine Freunde und seine männliche Unerschrockenheit gegenüber den Großen der Erde zu rühmen. *) Wir erhalten von Wien d. d. 23. März folgende Correspondenz: Die Trauerkunde vom Hinscheiden Mannheimer's, Sonnabend Morgens ^2 Uhr, 18. März, haben Sie wohl schon erfahren. Es bedarf der Mann keines Nekrologes, der seinen Ruhm verkündigt. Er hat sich durch seine Thaten ein Denkmal für ewige Zeiten errichtet. Gestatten Sie mir blos einiger Momente aus den letzten Stunden des Dahingeschiedenen hier zu erwähnen. Drei Wochen lang lag er auf dem Schmerzenslager, und zwar zum Erstaunen der Aerzte. Diese hatten seinen Tod schon früher erwartet. Der von Leiden schwer Heimgesuchte war bei vollem Bewußtsein bis zur Todesstunde. Am Freitag, den 17. Marz Nachmittags, sah ich den hochverehrten Mann zum letzten Male. Er lag versunken im Gebete. Er betete die üblichen *) In der „Neuen freien Presse" wird als charakteristisch angeführt: „Beiläufig im Jahre 1836 hatte er mit den Vertretern der israelit. Gemeinde eine Audienz beim Erzherzoge Ludwig, dem damaligen Alter-Ego des Kaisers Ferdinand. Mannheimer als Wortführer schilderte die traurige Lage der Juden und bat um Abhilfe. Der Erzherzog bemerkte hierauf, daß die Regierung wiederholentlich einzelne Juden ausgezeichnet habe und ihnen die „Toleranz" für Wien gewährt rc. Unerschrocken erwiderte Mannheimer: „Was Euer kaiserliche Hoheit Begünstigung nennen, würde ich vom Rechtsstandpunkte aus Willkür nennen." 14*