Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 13 (28.3.1865)
- Date
- 1865-03-28
- Page
- Seite 202 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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gabung besitzen. Von „erfinderischen Geschäfts-Unternehmungen" im Sinne des Herrn Deutsch, zu denen Tausende von Familienvätern hier gedrängt sein sollen, wissen wir nichts. Die 500,000 Juden, zu deren unberufenem Fürsprecher Herr Deutsch sich aufgeworfen, durften jedenfalls erwarten, daß derselbe, fern von jeder persönlichen Eitelkeit und so augenfälliger Selbstüberhebung, glimpflicher und wahrheitsgetreuer mit der Würdigung ihres Moralischen Charakters und ihrer Geistesgaben umgehe. Lemberg, den 10. März 1865. Israelitischer Gemeindevorstand.*) Nordamerika. New -Aork, im Februar. In den Staatshospitälern der Vereinigten Staaten befinden sich unter 2—3000 deutschen Soldaten auch 2—300 Israeliten. Da man nun für die Reconvalescenten eine Bibliothek deutscher Bücher anschaffen will, so hat die Regierung den Herrn Gotthelf, Geistlichen der israelit. Gemeinde zu Louisville und Caplan der israel. Soldaten in diesem Distrikte den Auftrag ertheilt, die nothwendigen Bücher anzuschaffen. . —. Bekanntlich hat eine pietistische Secte in Nord- Amerika wiederholt bei dem Senate den Antrag gestellt, daß der Glaube an die Göttlichkeit.Jesu in der Constitution als die Grundlage der amerikanischen Union erklärt werde. Gerade in der A. Ztg. d. Jud. wurde dies von Amerika aus zuerst fignalisirt und darauf hingewiesen, daß hiermit die Gewissensfreiheit aus dem Staatsgrundgesetz, das mit religiösen Bekenntnissen nichts zu schaffen hat, gestrichen würde. Herr Wise aus Cincinnati suchte in diesem Blatte die Sache als unbedeutend, und den Kampf dagegen als unnöthig darzustellen. So muß es sich aber doch nicht verhalten, denn die Zeitungen berichten jetzt, daß Israeliten von New-Iork bei dem Congreß dagegen petitionirt hätten. *) Wegen zweier Momente wird also Hr. Geldwechsler Ignatz Deutsch zurechtgewiesen, erstens, daß er von Niemandem beauftragt gewesen, seine Petition also lediglich eine Anmaßung und also wegen seiner Verleumdung der galizischen Juden, zu deren Gunsten er zu petitioniren vorgibt. Daß hiermit das Maß noch nicht voll ist, erweisen unsere Correspondenzen.; Die Redaction. Den obigen Sachverhalt müssen! wir dabei festhalten, da mehrere europäische Blätter die Veranlassung dieser Petition verheimlicht und die Sache als eine Anmaßung der Juden dargestellt haben. Baltimore, 2. März. (Privatmitth.) Der 22. Februar, der Geburtstag Washington's, der hier als ein Nationalfest gefeiert wird, brachte uns Israeliten eine Gybe, würdig dieses Tages: Die bekannte Riesen- Petition, welche verlangte, daß Christus als „Herr des Landes" in der Constitution anerkannt werden sollte, also indirect dieses Land in einen christlichen Staat verwandeln wollte, diese Petition kam an jenem Tage im Senate — nicht zur Verhandlung. Das Comitö nämlich, dem sowohl diese Petition als eine Gegenpetition der amerikanischen Israeliten vorlag, erstattete durch seinen Vorsitzenden am 22. Febr. im Senate einen Bericht, dahin lautend, daß dasselbe „von einer jeden weiteren Erwägung dieses Gegenstandes befreit sein wolle" (to be clischarged from any further consideration of the object). „Und so befreit" (and so discharged) lautet der lakonische Bericht in den Verhandlungen des Senats. Wenn wir auch im Voraus überzeugt waren, daß diese Petition in keinem der beiden Häuser die zu einer Berfassungsveränderung nothwendige Zweidrittel-Mehrheit erhalten wurde, so sahen wir doch nicht ohne Besorgniß den Debatten entgegen. Daß aber die Petition so eclatant durchfallen würde, das konnten wir umsoweniger erwarten, als gerade jetzt die kirchliche Partei ihr Haupt kühner erhebt als je zuvor. Und sonderbar, während in Europa oder wenigstens in Deutschland die kirchliche Partei mit der konservativen Hand in Hand geht, sind es hier, gerade die sogen. „Radicalen", die mit jener liebäugeln. Wenn dieser Partei einerseits das Verdienst nicht abgesprochen werden kann, wesentlich zur Aufhebung der Sklaverei beigetragen zu haben, so ist es andererseits ihr. Verdienst nicht, daß nicht alle Amerikaner als Sklaven zu den Füßen ihrer (der puritanischen) Kirche liegen. Nur die radicalen Deutschen machen eine Ausnahme. Die wollen von einer Aenderung der Constitution in diesem Sinne nichts wissen, nicht aus Liebe' zu den Juden — Gott bewahre, haben wir doch alles Rischus in Amerika diesen Freiheitshelden zu verdanken — der Amerikaner weiß ursprünglich nichts vom Rischus— also nichts aus Liebe zu den Juden; sondern weil, wenn Christus in die Constitution ausgenommen würde,