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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1865-03-28 · Heft 13 (28.3.1865) · p. Seite 201

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
29 (1865)
Issue
Heft 13 (28.3.1865)
Date
1865-03-28
Page
Seite 201 (sequence 11)
Language
German
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Mi t Die „Presse" berichtet: „Wie die Gazeta Narodowä vernimmt, beabsichtigt die jüdische Gemeinde Lembergs dagegen zu protestiren, daß .sich Herr Ignatz Deutsch in Wien unberufen und ohne von den jüdischen Gemeinden Galiziens bevollmächtigt zu sein, mit dem bekannten Gesuche, das die Beziehungen der israelitischen Bevölkerung zu Galizien unrichtig darstellte, an Se. Majestät gewendet habe." — Dasselbe Blatt bringt eine scharfe Polemik gegen einen in Prag im Umlauf befindlichen Plan, ein jüd. „Realgymnasium" zu gründen. Sie führt sogleich das allgemeine Princip der Gleichstellung in das Treffen, indem sie sagt: „da die Errichtung eines exclusiv israelitischen Realgymnasiums offenbar ein Rückschritt auf der Bahn der vollständigen Emancipation und Gleichstellung der israelitischen Staatsbürger' wäre." Wir kennen die Motive, welche für die Errichtung eines solchen Instituts in Prag geltend gemacht werden, noch nicht, und haben daher über die Sache noch kein Urtheil. Wir wissen nur, daß es oft locale und momentane Motive gibt, welche für eine That sprechen, die principiell nicht empfehlenswerth wäre, so daß durch die starre Festhaltung eines einseitigen Princips factisch viel Gutes Hintertrieben würde. Am wenigsten gefällt es uns, unsere bürgerliche Gleichberechtigung sofort, beeinträchtigt erklärt zu sehen, wenn sich eine specifische Lebensthätigkeit äußert, und dies in einem Staate und Lande, wo das specifisch Confessionelle noch eine so überwiegende Rolle spielt. Unter der Herrschaft des Concordats kann man auch von den Juden nicht verlangen, allein Kosmopoliten zu sein. Wien, 18. März. Wir haben folgende Trauerbotschaft zu bringen: Isaak Noa Mannheimer, der Prediger der israel. Gemeinde in Wien, ist heute Nacht um halb 2 Uhr verschieden. Er starb nach überstandener Lungenentzündung an Entkräftung. Mannheimer wurde am 17. Oct. 1793 zu Kopenhagen geboren und erreichte somit ein Älter von nicht voll 72 Jahren. Im Jahre 1824 erhielt er den Ruf als .Prediger nach Wien, wo er bis unmittelbar vor seiner Erkrankung durch 40 Jahre wirkte. Lemberg, 11. März. Die „Presse" schreibt: Von dem Vorstände der israelitischen Gemeinde zu Lemberg erhalten wir mit einem Begleitschreiben, das die Unterschriften vr. M. Landsberg, M. Rachmiel Mises, Samuel Kohen, Mayer Mintz, Salomon Klarmatt und Rachmiel Omstein trägt, folgende Zuschrift: Löbliche RedactionI , , Bor einigen Tagen veröffentlichte Hr. Ignaz Deutsch in mehreren wiener Blättern ein von ihm als angeblichem Vertreter sämmtlicher Juden Galiziens und der Bukowina verfaßtes Majestätsgesuch um Aufhebung der auf denselben noch lastenden Beschränkung der Besitzfähigkeit. So sehr wir auch mit dem vom Herrn Deutsch durch seine Petition erstrebten Ziele einverstanden sind, und dessen baldigste Realisirung sehnlichst herbeiwünschen, so fühlen wir uns dennoch im Interesse der Wahrheit und aus Achtung vor unseren Glaubensgenossen in Galizien und der Bukowina zur Erklärung verpflichtet, daß weder unsere Gemeinde noch unseres Wissens andere Hauptgemeinden Galiziens und der Bukowina, Herrn Ignatz Deutsch-ermächtigt haben, in ihrem Namen die gedachte Petition zu überreichen, und als ihr Sachwalter vor dem Allerhöchsten Throne aufzutreten. Die Juden Galiziens-und der Bukowina haben in ihrer Mitte der würdigen Männer gar viele, die durch Wissen, Charakter und Stellung vollkommen befähigt sind, die Sache ihrer Glaubensgenossen mündlich und schriftlich zu vertreten, was auch tatsächlich in allen erforderlichen Fällen geschah. Namentlich hat der lemberger israel. Gemeindevorstand bereits zu wiederholtenmalen in der von Herrn Deutsch beregten - Angelegenheit petitionirt, und sogar am 11. Novbr. 1864, also vor Herrn Deutsch ein derartiges Bittgesuch Sr. Excellenz dem Herrn Staütsminister überreicht. Zugleich müssen wir mit aller Entschiedenheit die verletzende Art und Weise zurückweisen, mit der Herr Deutsch von den Juden Galiziens und der Bukowina, wenn auch in guter Absicht/in der Motivirung seines Gesuches spricht, und zeigt eben dieselbe, daß Hr. Deutsch weder die galizischen Zustände im allgemeinen noch die unserer hierländischen Glaubensgenossen insbesondere^ im entferntesten kennt> sonst würde er nicht mit solcher Wegwerfung von der Fähigkeit der galizischen Juden für Industrie und Handel aus angeblichem Mangel an der nöthigen Intelligenz in so leeren Phrasen sprechen. Die tägliche Wahrnehmung lehrt gerade das Gegentheil, daß es. nämlich vorzüglich die Juden sind, welche hier den Verkehr beleben, die Geschäfte mit den anderen Kronländern vermitteln, und für allerlei, nutzbringende industrielle Unternehmungen die schönste Be- 13**

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