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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1865-03-28 · Heft 13 (28.3.1865) · p. Seite 200

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
29 (1865)
Issue
Heft 13 (28.3.1865)
Date
1865-03-28
Page
Seite 200 (sequence 10)
Language
German
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zum. Mitglied, .des .Mgeordnetenhäuses. gewählt worden. .Es ist. dies der .viertem in. dem jetzigen Abgeordnetenhause, und zwar zwei für Berlin (Jacoby und Lasker) einer für Königsberg (Kosch) und einer für Waldenburg (Reichenheim). . Diese Zahl geht über das Normalverhältniß nicht hinaus^nach welchem fünf auf die jüdische Gesammtbevölkerung in Preußen kämen. Es ist. hierbei aber wohl hervorzuheben, daß vermöge der großen Zerstreuung der jüdischen Bevölkerung sie auf die.Wahl der Abgeordneten gar keinen Einfluß. übt, und höchstens in der Provinz Posen hier und La als ein kleiner Bruchtheil ein Gewicht bei den Wahlen besitzt. Der Jude also, der als Volksvertreter in das Abgeordnetenhaus tritt, ist von seinen christlichen Mitbürgern gewählt und hat es seiner allgemeinen Thätigkeit und Auszeichnung zu danken. — Unter dem jetzigen Regime ist an eine Besserung in denjenigen Verhältnissen, in welchen wir noch benachtheiligt oder ausgeschlossen sind, nicht zu denken. Wir können zufrieden sein, daß Rückschritte nicht gemacht werden, was hinlänglich beweist, daß die feudale Partei, die Partei der „Kreuzzeitung", doch nicht zur gänglichen Herrschaft gekommen ist. Die drei wichtigen Punkte sind eben: der.Ausschluß von den meisten Staatscarrisren, der Ausschluß von aller Subvention aus Staatsmitteln für unsere Cultus-Gemeinden und der Eid mvre judaico. Es wäre vergebens, irgend wie und wo Schritte hierin zu thun. Die großen Conflicte, in welchen die Staatsgewalten begriffen sind, verhindern jeden Einfluß von liberaler Seite und nehmen auch dermaßen den Vordergrund ein, daß an dergleichen Gegenstände der speciellen Gesetze nicht gedacht werden kann. — , Herr Professor Munk hat bereits sein Patent vom Regierungsrath von Bern erhalten und tritt , im April seine Professur an. Gleichzeitig ist Herr Munk zum dirigirenden Arzte des berner Jnselspitales erwählt worden. — Die „Voss. Ztg." enthält folgenden Artikel: „In einem Aufsatz der Allg. medic. Centn.-Ztg. (Nr. 20) weist Dr. I. Beer auf einen Uebelstand hin, dem anderweitig bereits Abhilfe geschehen ist, während er für Berlin, noch besteht. Derselbe betrifft die Ceremonialbeschneidung der Juden, die-in Frankreich im vorigen Jahre durch einen Regierungserlaß aus den Händen der nicht-wissenschaftlich-medicinischen frommen Körperschaften jüdischen oder wichtjüdischen Officiers de santö übertragen ist, wobei jedoch das Rituale demungeachtet nach alter Vorschrift unangetastet bleibt. Mag man, sagt vr. Beer, über die Beschneidung denken wie man will, das steht fest, daß es hohe Zeit für Preußen, namentlich für Berlin ist, daß diese nicht stets so sehr ungefährliche Operation den Händen der Laien abgenommen und aus Usance oder aus Überzeugung einer größeren Sicherheit des Erfolges approbirten Medicinalpersonen übertragen werde." Oesterreichischer Kaiferstaat. Wien, 12. März. (Privatmitth.) Wie wir in unserer Correspondenz vom 1. März (Nr. 11)*) vorausgesagt, hat die Veröffentlichung, der Petition des Geldwechslers Ignatz Deutsch böses Blut gemacht. Der „Wanderer" berichtet: „Die galizische Judenfrage, welche durch die bekannte Petition des Herrn Deutsch um Aufhebung der gesetzlichen Beschränkungen bei Erwerbung unbeweglicher. Güter abermals angeregt wurde,, wird nun auch von den polnischen Blättern discutirt. Sie fragen, wie es komme, daß eine einzelne Persönlichkeit im Namen und Interesse der halben Million galizischer Juden petitioniren könne. Der Landtag, meint die „Gaz. Nar.", ist das allein berechtigte Organ, welches in dieser Frage competent ist. Die „Praca" ist der Ansicht, daß die Aufhebung jener Beschränkungen für jetzt dem Lande nur nachtheilig sein könnte. Den größten Anstoß erregt bei der „Praca" jene Stelle der Petition, wo auf die loyale Haltung der Juden in Oesterreich überhaupt und insbesondere auf den von den galizischen Juden in den Jahren 1846, 1848, 1863 und 1864 gegen die revolutionären Versuchungen geleisteten Widerstand hingewiesen wird. Es sei eine nicht zu leugnende historische Thatsache, schreibt sie, daß die Bewegungen in jenen Jahren einen nationalen Charakter hatten. Wenn nun die 200,000 Israeliten dieses Landes auf die Ureinwohner mit dem. Finger deuten und dabti sagen: „Nicht wir, sondern jene haben den Aufstand unterstützt" — mit welchem Gefühle soll dies die Nation aufnehmen, welche den Juden zur Verbrüderung die Hand dargereicht hat.", *) In derselben bemerken wir zwei Druckfehler: S. 166, Sp. 2, 3.1 v. 0. muß es heißen: „wie er sich", statt „die er sich" wodurch der Sinn der gerade Gegensatz wird. Z. 6 v. 0. sind die Wortes „der Reichstag" unnöthiger Weise wiederholt. Corresp.

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