Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 13 (28.3.1865)
- Date
- 1865-03-28
- Page
- Seite 197 (sequence 7)
- Language
- German
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197 räner sein müßten, wurde aufgegeben, weil in einzelnen Districten die Bevölkerung vorzugsweise katholisch und in einem Bezirke überwiegend reformirt sei. Die Juden bleiben demnach ausgeschlossen. Vergebens wies das liberale Mitglied, Redecker aus Groß-Berkel, darauf hin, daß man die Bewerbung auch auf diese ausdehnen müßte, bemerkte aber zugleich, daß er sich keiner Täuschung hingeben wolle und gar wohl wisse, daß bei der Exclusivitat dieser Morgenländer (sic!) feine Schritte in der allerconservativsten Körperschaft des Königreichs auf große Schwierigkeiten stoßen würden, weshalb es ihm gerathener erscheine, die Gleichberechtigung der Juden an geeigneter Stelle zu verfechten. Vielleicht, meinte er, mache auch noch jetzt das jüdische Speisegesetz in den Freitischküchen besondere Schwierigkeiten. Zu bemerken ist hierbei aber noch, daß die königl. Regierung schon in den dreißiger Jahren Juden Freitische und Stipendien aus dem Klosterfond bewilligt hat. Die von uns nach hiesigen Blättern mitgetheilte Nachricht, daß der Conflict zwischen dem Concertdirector Joachim und der königl. Theaterintendanz wiederum ausgeglichen sei, hat sich nicht bestätigt und hat vielmehr Herr Joachim seinen Contract mit jener gelöst und auch bereits Hannover verlassen. Dasselbe wird nächstens von seiten des Violinvirtuosen Herrn Grün ebenfalls geschehen. Diesem wurde zwar ein höherer Gehalt und ein anderer Titel offerirt, nur Kammermusikus, könnte er als Jude nicht werden, weil, wie Herr Cabinetsrath vr. Lex ihm eröffnete, dies den Principien der für den Hof bestehenden Hausgesetze zuwider sei. Herr Grün entgegnete jedoch, daß er weit entfernt sei, die.gedachten Principien antasten zu wollen, indessen auch er habe Principien , von denen er nicht lassen könne. Zur Bestreitung der Kosten solcher Angelegenheiten, welche die gesammten Israelitischen Gemeinden unseres Königreichs betreffen, besteht in jedem Landrabbinatsbezirke eine LandrabbinatSkasse, über welche die königl. Landdrostei die Controls führt und nach Ablauf eines jeden Jahres zur Kmntniß der Betheiligten Rechnung ablegt. Nach der Rechnungsablage für das verflossene Jahr betrug in dem Landrabbinatsbezirke Hannover die Einnahme 2029 Thlr. 28 Sgr. 6 Pf., dagegen die Ausgabe 1885 Thlr. 3 Sgr. 1 Pf., worunter das Gehalt des Landrabbiners (ohne die 200 Thlr. betragende Zulage von seiten der hiesigen Gemeinde) und des Rechnungssührers der LandrabbinatSkasse mit 4Q8Q Thlr., die Unterhaltungskosten armer Irrsinniger mit 148 Thlr. und die Unterstützungen an Bedürftige mit 559 Thlr. aufgeführt sind. In einer der jüngsten Sitzungen der Strafkammer zu Stade wurde ein Fall wegen Störung des öffentlichen jüdischen Gottesdienstes verhandelt. Ein Rademachergeselle hatte nämlich, während die Juden in Horneburg am letzten Versöhnungstage in der dortigen Synagoge Gottesdienst hielten, zuerst Lärm vor der Synagoge gemacht und mehrere Andere noch dazu verleitet und hierauf noch versucht, gewaltsam in das Gotteshaus einzudringen, wobei er einen jüdischen Handelsmann, der ihn daran zu hindern bestrebt war, thätlich mißhandelte, infolge dessen sämmtliche Männer und Frauen die Synagoge verließen. Das Urtheil lautete auf vierwöchige Gefängnißstrafe, die ersten und letzten acht Tage bei abwechselnder Speisung mit Wasser und Brot. Auf eine unlängst an den Referenten gerichtete Frage, ob wohl die in der Bibel wenigstens seit der Zeit der Patriarchen sich findenden Angaben über das hohe Alter einzelner Personen sich den gegenwärtigen Verhältnissen gegenüber aufrecht erhalten ließen, erwiederte derselbe, daß jene biblischen Angaben an ihrer Glaubwürdigkeit durchaus nichts verlieren, da sich aus späterer Zeit ebenfalls Beispiele genug beibringen lassen, aus denen ersichtlich ist, daß einzelne Menschen ein überraschend hohes Alter erreicht haben. So wurde der 1539 geborene Bauer Petrcaz Czartan aus Köffrotsch bei Temesvar 185, der 1771 gestorbene Schotte Wilhelm Shanoly 178, der Norweger Johann Surrington, der noch 9 Jahre vor seinem Tode einen Sohn erzeugte, 160, der 1635 verstorbene Bauer Thomas Paren aus England, welcher sich noch in einem Alter vom 120 Jahren verheirathete, 152, der Norweger Dratenborg, der noch in seinem 91. Jahre zur See diente und 1772 starb, 146, Wunder von Salzburg 136 und Heinrich Jenkins aus Iorkshire, welcher 1670 starb und sich noch in einem Alter von mehr als 100 Jahren, wo er noch meilenweit ging, im Schwimmen übte, 169 Jahre alt. Auch Frauen erreichten'ein auffallend hohes Alter, so wurde die Gräfin Desmond 140 und die Gräfin Ekleton 143 Jahre alt. Denkt man noch vollends an die geringen Bedürfnisse, die man -in jener grauen Vorzeit hatte und an die Einfachheit, die damals herrschte, so kann man die frühere längere LehMdaaer der Menschen m so weniger auffallend fw*