Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1865-03-28 · Heft 13 (28.3.1865) · p. Seite 195

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
29 (1865)
Issue
Heft 13 (28.3.1865)
Date
1865-03-28
Page
Seite 195 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3226473-3226487--22921-3250200
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

harte Rachegott Jehova, das harte Sabbathgesetz , das harte Widervergeltungsrecht u. s. w. auf, wobei er freilich die Lehren des Neuen Testaments für allzu weichlich und in der Geschichte unverwirklicht ansieht. Wenn Treitschke irgend eine selbständige Forschung im sog. Alten Testamente angestellt hätte, würde er sicherlich zu anderen Resultaten gekommen sein. Eine Lehre, welche dem Verhältniß des Menschen zu Gott als Grundlage die Vorschrift gibt: „Liebe den Ewigen, deinen Gott, von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Vermögen", dem^Zerhältniß der Menschen zueinander: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst", kann diese wohl einen Rachegott und ein starres Recht zum Resultate haben? Und wenn er aufmerksam verfolgt hätte, wie diese beiden Grundsätze durch das ganze Gebäude der Lehre und des Gesetzes durchgeführt und realisirt worden, würde sein Urtheil anders gelautet haben. Wollen diese Herren denn gar nicht einsehen, daß jenes jus talionis, das „Auge um Auge, Zahn um Zahn" nichts Anderes als die Aushebung der Ablösung der Verbrechen durch Geld und Geldeswerth, wie sie noch jetzt bei den Orientalen Sitte ist, und wonach z. B. jede Verstümmelung -eines Gliedes durch eine bestimmte Anzahl Schafe u. dgl. abgekauft wird, bewirken will, daß es also gerade jede Bevorzugung des Reichen, wodurch dieser fast straflos sündigen kann, vernichten, und seinen Grundsatz: „Ein Gesetz, Ein Recht für Alle" zur Ausführung bringen will? Der einfache Zusammenhang im Texte (2 Mos. 2l, 22 —25.) könnte sie darüber belehren, und die simple Unmöglichkeit, jene Vorschrift des „Auge um Auge, Zahn um Zahn" müßte sie überzeugen, daß hier von einem starren Gesetz nicht die Rede ist, sondern von dem höchsten Rechtsgrundsatz, daß das Verbrechen des Höchsten wie des Niedrigsten, des Reichsten wie des Aermsten gleicher Weise zu bestrafen und daß die körperliche Verletzung eines Menschen nicht durch Geld abzukaufen sei. Ein Recht, welches den Angeklagten mit den mnfassendsten Rechtswohlthaten, mit dem freisinnigsten Rechtsschutz umgibt und das keine der Iustizgräuel kannte, welche erst die neueste Zeit zu beseitigen vermochte, kann schwerlich als ein hartes und starres angesehen werden. Doch wir wollen hier keine ausführliche Schutzschrift schreiben, sondern nur andeuten, daß es wohl die Pflichten unparteiischer Geschichtsforscher, Rechtskundiger und Politiker ist, sich nicht in den Faulstuhl alter Vorurtheile zu werfen und aus ihm heraus zu dociren, sondern ihre kritische Abneigung gegen früher gehegte und lang wiederholte Ansichten auch auf die heilige Schrift Israel anzuwenden. Literarischer Wochenbericht. Gr.-Becskerek, im Februar. (Die Publicationen des Mekize Nirdamim). Bon David Oppenheim, Rabbiner. Der glänzende Erfolg dessen sich so unerwartet schnell das von Ihnen, geehrter Herr Redacteur! ins Leben gerufene und seit einem Decennium geleitete „Institut für jüdische Literatur" erfreute, erregte bei vielen den lebhaften Wunsch, einen ähnlichen Verein zur Beförderung des hebräischen Schriftthums zu gründen, und die Nachricht, daß der geistreiche und gelehrte Redacteur des „Hamagid" gelegentlich die Initiative ergriffen und sich an die Spitze des Unternehmens gestellt, wurde überall freudig begrüßt. Durch die seltene Ausdauer und Unermüdlichkeit des genannten Redacteurs, Hrn. Rabbiners L. Silbermann in Lyck, wurden die ungeheuren und beinahe unübersteiglichen Schwierigkeiten und Hindernisse, womit das überaus wohlthätige und nützliche in der Ueberschrift bezeichnete Institut zur Unterstützung und Verbreitung der hebräischen Literatur gleich bei seinem Jnslebentreten zu kämpfen hatte, glücklich besiegt, und die Mitglieder des neuen wissenschaftlichen von den Edelsten und Besten in Israel begründeten und geleiteten Vereines haben nun nach langem, ungeduldigen Warten vor kurzem die Publicationen des ersten Jahrgangs des awia pro 1864, erhalten. — Mit innigem Danke müssen wir es gleich beim Beginne aussprechen, da. an solche Unternehmungen die widersprechendsten Anforderungen, die oft gar nie realisirbar sind, gestellt zu werden pflegen, daß in Anbetracht der leider nicht genug zu beklagenden Theilnahmlosigkeit des Publicums und des unverholenen und offen auftretenden Mißtrauens der öffentlichen Meinung gegen die Ausführbarkeit des ganzen im Anfänge wohl höchst schwierigen Unternehmens, die herausgegebenen. Schriften des' „Mekize Nirdamim“ in jeder Hinsicht unsere bescheidenen Erwartungen vielfach und bei weitem übertroffen, haben. Das den Publicationen beigegebene Verzeichniß der Mitglieder: „EpEma. 'X-'pn“ rv-nnb rin'-w", enthält ungefähr 12—1300 Namen — und zwar aus allen Welttheilen und allen Gegenden der Windrose. Besonders stark ist der Orient vertreten, und während z. B. Alexandrien und Bagdad eine Menge Theilnehmer

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.