Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 13 (28.3.1865)
- Date
- 1865-03-28
- Page
- Seite 193 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Es versteht sich, daß am Ende äüch ihr Äkude nur eine Schablone ist, ein bunter Lappen' mehr auf dem zusammengeflickten Kleide ihre Poesie. Es fiel uns dies in den jüngsten Tagen bei einem Drama „Hans Lange von Paul Hehse" auf. In diesem ganz braven, doch aber über das Mittelmäßige nicht weit hinausgehenden'Stücke ist auch ein Jude angebracht, der mit einer übermäßigen Portion Edelmuth doch wieder so viel Caricatur in Sprache und Geberden, in Redensarten und Erscheinung verbindet, daß er einen gewisien Theil des Publicums zum Lachen reizt und mit einem gewissen Gefühl der Schadenfreude, „daß sie nicht sind, wie dieser einer", beglückt. Eine innere Nothwendigkeit, daß die bezügliche Rolle an der Handlung gerade einen Juden erfordere, oder daß ein solcher zur Scenerie des Ganzen unentbehrlich sei, liegt auch nicht im Entferntesten vor. Der Verfasser braucht nur eine absonderliche Figur, um etwas mehr Leben in sein Stück zu bringen und es weniger dürftig zu machen. Wir denken, daß dies nicht mehr lange dauern wird; dann werden diese Kunststücke auch abgenutzt sein, denen zuletzt doch alle Wahrheit der Charakterzeichnung fehlt. Ein Aufsatz Krummachers mit der Ueberfchrift: „Unb (•)) nnb; Aber (ckch oder Hebräer und Griechen" möge hier seinen Platz finden. „Das Erhabene ist es, worin sich die ganze Bildung und Empfindung des hebräischen Volkes vereint und concentrirt. Und dieses deshalb —: weil ihm der erhabenste Gedanke, der höchste Glaube gegeben wurde, der Glaube an Jehova, den Schöpfer Himmels und der Erde, den Lebendigen, der da war, ist und sein wird, und in und von welchem alles Leben wohnt und ausgeht. Daher wird Alles auf ihn zurückgeführt — der stärkere Gedanke und die Hauptempfindung verdrängt und schwächt alle Untergedanken und schwächeren Empfindungen, sowie dad Kerzenlicht im Sonnenglanz seinen Schein verliert — alle Mittelursachen werden übersprungen — die Ereignisse stehen nebeneinander — sie folgen aufnicht auseinander. Darum ist das Wörtchen Und das Wort des hebräischen Alterthums und seiner heiligen Urkunden. Es bindet den Himmel an die Erde, den Menschen und die Natur an Gott und wehret aller Klügelei des blöden Verstandes und aller Anmaßung einer stolzen Weltweisheit. — Darum ist diesem Wort auch in der ältesten und heiligen Sprache eine Macht und Gewalt gegeben wordenwie in keiner andern. Sprachkundige wissestdaß es nicht blos die Stelle fast aller anderen Partikeln vertreten kann, indem es z. Bzwar, sogar, aber, dennoch, oder und entweder, nämlich, weil, deshalb, daß und damit, wann und dann ausdrückt und bezeichnet, sondern sogar die Gegenwart in Zukunft und die Zukunft in Gegenwart, den Befehl in die Ausführung, Wollen in That verwandelt. — Es ist ein recht königliches Wort — und — in dieser Sprache —--• göttliches Geschlechts — es deutet auf etwas Unvollendetes hin, das aber vollendet werden wird! — Es herrscht hier, in anderm dient es nur. —-— Ohne Hebräer und Griechen wäre die neue religiöse und geistige Weltorduung nicht entstanden, in welcher wir leben und der wir so viel —ja unser ganzes geistiges Leben verdanken.- So ist das Wörtlein „Und" das Wort des hebräischen Alterthums— das Wörtlein „Aber" das des griechischen. Beide erklären die verschiedene Nationalbildung und den Geist beider Nationen. Die Griechen wurden durch Freiheit/Kunst und Spiel zu dem gebildet, was sie wurden.- Die Sinnlichkeit, das Fleisch war bei ihnen daS Vorherrschende; der Geist diente diesem, aber nicht sklavisch —-. Dazu hatte dieses Volk gar zu herrliche Anlagen und ein lebendiges Gefühl für Freiheit, Schönheit und Harmonie war das.Ziel seines Strebens. Ueberall Leben und Regsamkeit in einer sinnlichen, aber in der schönsten Form und Gestalt — dabei die besonnenste Mäßigung in allem seinem Streben und unaufhörlichen Bildern. Diese Lopkro^ne (Besonnenheit) herrscht ebenso sehr in Homers unsterblichen Gesängen, als in den Bildsäulen'eines Phidias und in der Philosophie des Sokrates und Platon, sowie in den Geschichten eines Herodot, Thuchdides und Xenophon, oder in den Dramen eines Sophokles. Selbst die Tugend heißt bei ihnen ^rete, d. h. Harmonie, Zusammenstimmung. Homer ist das Nationalwerk und das Nationalbild dieses Volkes, sowie der Pentateuch oder die Psalmen des israelitischen. Im Homer ist aber nicht „Und" das königliche Wort, das Alles beherrscht und vertheilt, es ist blos ein dienendes— sondern „Aber" ist es. Und warum? — Der Geist des griechischen Alterthums ist plastisch — er zieht Alles in seinen Kreis herab und gestaltet es nach Grenzen und Gesetzen, die er sich selbst in fröhlicher Freiheit gibt. Himmel und. Erde, Götter und Heroen, die Morgenröthe und die Nacht, die Bitten und die Strafe — alles muß sich diese Gestaltung gefallen 13*