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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1865-03-28 · Heft 13 (28.3.1865) · p. Seite 192

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
29 (1865)
Issue
Heft 13 (28.3.1865)
Date
1865-03-28
Page
Seite 192 (sequence 2)
Language
German
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192 derholen, waS er schon in der Vergangenheit gethan, das zweite, daß sie voraussetzte, der gesunde Menschenverstand habe jemals ein Meisterwerk' begeistert." — Wir geben dieses Urtheil über die Rachel hier wie- , der, well es das Votum eines geistreichen Augenzeugen " enthält, und gerade ein solches über eine Größe aus unserer Mitt, welche als mimische Künstlerin keine bleibenden Werke hinterlafsen konntefür die Geschichte wichtig ist. Nebenbei ist es doch auffällig, wie selbst einem äußerst liberalen Manne jede bedeutende Erscheinung,- die in einem Sproß unseres Stammes auf tritt, unbequem und mißliebig ist, wie aus der Äusdrucksweife Pelletan's herausleuchtet; ferner daß auch ein solcher Autor bei einem Juden immer gleich wieder an alle anderen Juden denkt.. Denn was hätte er sonst für einen Grund gehabt, die Equipage der Rachel mit der Equipage Rothschilds zu vergleichen? Was berechtigt ihn, Rothschild „den König der Juden" zu nennen? Wir hörten einmal als ein Räthsel aufgeben: „Was für ein Unterschied ist zwischen dem Sultan und dem Freiherrn von Rothschild?" Die, Antwort lautete: „Der Sultan ist "der Beherrscher der Gläubigen, und Rothschild ist der Gläubiger der Beherrscher." Dies läßt sich hören, aber warum „König der Juden?" Wir erkennen an, daß die Rothschilds in den letzten Jahrzehenden nicht Unbeträchtliches für jüdische wohlthätige Zwecke gespendet, auch hie und da ihren Einfluß zum Besten der an irgend einem Orte schmählich behandelten Juden benutzt zu haben. Wir erkennen dies dankbar an, aber damit hat auch ihr Verhältniß zu den Juden ein Ende. Ob sie auf die jüdischen Banquiers Einfluß üben, wisien wir nicht. . Wenigstens haben sie unter diesen auch ihre Gegner, wie bekannt. Aber auf die große jüdische Masse haben sie in keiner Weife auch nur die geringste Einwirkung, und auch die kleinste jüdische Gemeinde bleibt unbeeinflußt von ihnen. Die Bestrebungen, Verhältnisse und Entwickelung der Juden unserer Zeit würden ohne die Roth schild's genau auf demselben Punkte stehen, wo sie sich befinden. In der neuesten Zeit hat man endlich anerkannt, daß zu einem Weltgeschäfte, wie das Haus Rothschild betreibt, nicht blos Geld und Credit, sondern auch eine bedeutende Geisteskraft erforderlich ist. Der Ausdruck des Herrn Pelletan aber enthält doch etwas Anderes, was des Gehässigen für die Juden nicht entbehrt. I» her * angeführten Schrift Pelletan's spricht dieser auch über den Journalismus und-charakterisiert die verschiedenen Arten desselben. Unter Anderm sagt er auch: „Neben dem unabhängigen, und schlauen. Journalismus gibt es oder hat es wenigstens in jüngster Zeit den klerikalen Journalismus gegeben. Eine Beleidigung als Substantiv, eine Beleidigung als Adjectiv zu setzen, darin besteht sein Talent, sagte Lacordaire. Die Beleidigung liegt in seiner Constitution, er haucht und schwitzt sie aus. Das erinnert mich an eine gewisse Melonenart, welche in meiner Heimath wächst; diese Melone ist runzlig, verkrümmt, haarig und rauch wie ein Nesselblatt, kaum fingerlang und hat Aehnlichkeit mit dem gesträubten Haar einer zornigen Katze. Wenn Sie an ihr vorübergehen, ohne sie zu berühren, so läßt sie Sie ruhig Ihres Weges ziehen und erlaubt selbst, daß Sie sie in ihrem stacheligen Pelze und in ihrem Zorne betrachten, nehmen Sie sie aber in die Hand, so läßt dieser Schlingel von Melone eine geheime Feder springen und bespritzt Sie mit einer Flüssigkeit, welche ätzend genug ist, um die Eifersucht des Vitriols erregen zu können." — Wir finden diese Schilderung originell und zutreffend; aber Herr Pelletan muß die . ultramontane Presse doch nicht ihrem ganzen Umfange nach kennen, öder hat sich von seinem Gleichniß verleiten lassen. Denn es ist nicht wahr, daß sie den Vorübergehenden so lange unbehelligt läßt, als er sie nicht berührt. Im Gegentheil greift sie auch den an und bespritzt ihn mit ihrem Geifer, der sich völlig ruhig gegen sie verhält und gar keine Notiz von ihr. nimmt. Vielmehr stürzt sie sich auf Jeden los, der ihr in den Weg kommt, und wer ihr nicht begegnet, den sucht sie auf. Sie greift Alles an, was nicht zu ihr gehört. Wir sagten neulich, daß man jetzt in fast jedem Buche etwas von den Juden fände, und wir müssen dies auch * besonders auf die Erzeugnisse der neueren Dramatik. ausdehnen, seien diese Trauer- und Schau- oder Lustspiele. - Was diese betrifft, sowie auch die Romanliteratur, so kann man den Grund nur in der Armuth schöpferischer Kraft finden. Die Verfasser brauchen eine Figur, die von den gewöhnlichen Menschenkindern in etwas abweicht und ihnen einige tragische oder komische Momente bieten, die sie nicht ^erst zu erfinden brauchen. Es wird dann nach beiden Seiten hin outrirt und karrikirt und ihre Dichtung dadurch doch etwas belebt und vermannigfaltigt.

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