Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 13 (28.3.1865)
- Date
- 1865-03-28
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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WMP-g. , All g e m e i n e Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippfon in Bonn. Leipzig, den 28. März 1865. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Dienstag-, in l*/a bi- 2 Bogen. Preis des Jahrgangs 3 Thlr. Halbjährig 1 Thlr. 15 Ngr. Vierteljährig 22^ Ngr. Inserate werden mit 1 ’/a Ngr. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Beilagegebühren betragen für 1 Bogen 4 Thlr., für *j% Logen 3 Thlr., für lk Bogen 2 Thlr. Alle Buchhandlungen. Postämter und ZeitungS - Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Haupt» Expedition für beide Letztere hat fich das König!. Sächs. Haupt-ZeitungS-Bureau hier unterzogen. In halt. Leitende Artikel: Zerstreute Bemerkungen. — Literarischer Wochenbericht. — Zeitungsnachrichtenr De.utschlan'd: Hannover, Frankenthal, Freyflng, Bonn. Preußen: Berlin, Bonn, Berlin. OesterrerchischerKaiserftaat: Wien, Wien, Lemberg. Amerika: New-Dork. Nordamerika: Baltimore. — Leitende Artikel. Bonn, 19. März. Zerstreute Bemerkungen. In der im vorigen Jahre erschienene Schrift Eugen Pelletan's „das neue Babylon" (übersetzt Bromberg, 1864, 2te Ausl.) lesen wir S. 179: „Vor zwanzig Jahren glaubte die Shakespear'sche Schule (der Verfasser meint die französischen Romantiker) die Partie' gewonnen zu haben, aber eine literarische Gegenrevolution entriß den Sieg ihren Händen. Eine kleine Jüdin ssang in den Kaffeehäusern von Lyon und ging nach dem letzten Couplet bei den Gästen Geld einsammeln. Ihrem Vater einen Sou mehr als gewöhnlich heimbringen zu können, war Mes, was ihr Ehrgeiz verlangte; sie sah damals nicht vorher, daß sie eines. Tages die Königin der Bühne, mit Beifall, überschüttet und im Triumphzuge nach ihrer Wohnung getestet auf demselben Steinpflaster, auf dem sie früher in zerrissenen Schuhen einhergegangen, in einer ebenso glänzenden Equipage dahinfahrm sollte, wie sie der König der Juden, Rothschild, besitzt. Eine Straßensängerin, welche kaum lesen konnte, setzt ihren Fuß auf alle dramatischen Werke der Vergangenheit, macht uns alle Dichter der früheren Zeit vergessen; die moderne Kunst thut Buße mit einem Haufen Asche. Es ist ein sonderbares Schauspiel, welches ein kleines Mädchen unserer Generation gegeben hat. Sie hatte eine tragische Maske, eine dumpfe Stimme und unterhalb einer geschnörkelten Stirne ein finsteres Auge; ihre beweglichen Augenbrauen nahmen alle Formen an, ihre dünnen Lippen vibrirten wie eine Bogensaite und offenbarten bald ein Lächeln, bald einen bitteren Spott, ihr ungezwungener Körper, ihre schwachen Arme, ihre elektrische Hand, ihre ganze Persönlichkeit, endlich athmete Leidenschaft, aber die Leidenschaft in der Ruhe. Sah man sie so unbeweglich, in ihrem weißen griechischen Ueberwurf, die Arme über der Brust gekreuzt, die Hand unter dem Ellbogen, so glaubte man die. Statue der Tragödie vor sich, zu haben. Rachel führte die Schule des gesunden Menschenverstandes ein, die. Poesie des Reflexes. Ihre Schule aber hatte zwei Fehler und beging ein doppeltes Unrecht,, das erste, daß sie glaubte, der menschliche Geist trüge wie ein Johanniswürmchen hinter sich, die Kunst habe nur wiederzusagen, was er schon gesagt hat und das zu wie--