Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 12 (21.3.1865)
- Date
- 1865-03-21
- Page
- Seite 179 (sequence 5)
- Language
- German
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17g -anale Phrase zu wiederholen, wenn ich Ihnen sage, daß die Armuth der Sprache aus einer Armuth der Gedanken, der Einbildungskraft, der Gefühle entspringt. Ich will also nicht wiederholen, was über diesen Gegenstand in viel besserer Weise geschrieben ist, als ich es hiervortragen könnte. Aber es scheint mir, daß man nicht gerecht gegen die Hebräer gewesen ist, indem man sie in jeder Hinsicht mit den anderen semitischen Völkern auf eine Stufe stellte. Man hat ihnen allen dieselbe Religion zugewiesen, welche man die Religion der Semiten genannt hat. Man hat gesagt, daß sie alle Monotheisten waren und ihnen allen den „Instinkt" des Monotheismus zugeschrieben; als ob die spekulativste Idee der Welt, diese Idee, welche selbst die größten Philosophen des Alterthums nur unvollständig begriffen haben, ein Erzeugniß des „Instinkts" sein könnte, besonders bei Völkern, denen man von anderer Seite mit Recht jede Befähigung für die philosophische Spekulation abgesprochen hat. Aber glauben Sie ja nicht, daß der'behauptete Monotheismus der Semiten in die Augen springt, daß er sich freiwillig, unwiderstehlich dem Gedanken des Geschichtsforschers aufdrängt, welcher die Wahrheit mit einem jeder Voreingenommenheit baren Geiste sucht. Im Gegentheil, er verbirgt sich überall, und es hat großer Anstrengungen bedurft, um ihn an das Licht zu ziehen. Es ist ein schwindelndes Gebäude von philosophischen Folgerungen, welches der leichteste Windstoß umwerfen kann. Keine historischen Beweise, keine ernsthafte Kritik, die sich auf authentische Documeute stützt; im Gegentheil, fast jede Seite der Bibel und zahlreiche Stellen profaner Schriftsteller ertheilendieser Hypothese das deutlichste Dementi. Denn es ist nur eine Hypothese, eine a priori mit bestimmtem Zwecke aufgestellte Theorie; und jedes Mal, wenn man sie hat anwenden wollen, ist man auf Ausnahmen gestoßen. Die Semiten also waren Monotheisten. Aber die Affyrer? Ausnahme; die Babylonier? Ausnahme; die Syrer und Phönizier? Ausnahme; das heißt also, die semitische Race war wesentlich monotheistisch, mit Ausnahme — aller semitischen Völker. „Aber Sie vergesien die Araber", wird man mir einwerfen; „beweisen ihre Denkmäler nicht deutlich ihren Glauben an Einen Gott?" Und welche Denkmäler, ich bitte Sie? Eine Reihe von Eigennamen, die mit Mühe aus vergleichsweise modernen Schriften zusammengesucht und mit einem philologischen Scharfsinn erklärt sind, der sich an ersteren Gegenständen zu üben, verdiente. Aber ich öffne das Buch Iosua und lese dort: „Josua sagte allem Volke: So hat Jehova geredet: Auf der andern Seite des Flusies (d. h. des Euphrat) wohnten ehemals eure Väter, Tarah, der Vater Abraham's und Vater Nachor's, und sie beteten falsche Götter an." Ist das klar? — Ich öffne Herodot und lese dort, daß die alten Araber Wenns Urania verehrten, unter dem Namen Alilat, d. h. Al—ilahet, „die Göttin" schlechthin, die Astarte der Syrer und Phönizier, diejenige, welche der Prophet Jeremias Melechetliha-schamaim, „die Königin des Himmels" nennt. — Ich öffne den Koran und ich lese dort die Namen von mehreren heidnischen Gottheiten, welche die alten Araber verehrt hatten. Uebrigens: ex Iruetu arhor agnoscitur. Was hat der vermeintliche Monotheismus der Araber hervorgebracht? Nichts, absolut Nichts. Die alten Araber haben uns ebensowenig eine Literatur Hintersassen, wie die Syrer, Phönizier und andere semitische Völker. Schon waren mehr als zehn Jahrhunderte über die Gräber der letzten Propheten dahingegangen, als der Araber die ersten Töne seiner einförmigen Lieder erschallen ließ. Und was weiß der Araber zu besingen? Seine Eitelkeit, seinen Stolz, seinen Egoismus: ein schönes Kameel, einen edlen Renner, eine gerade Lanze, einen schnellen Pfeil, bisweilen eine schöne Frau. Die Gastfreundschaft ist seine ganze Tugend; die Rache ist seine herrschende Leidenschaft. Aber was hat der Monotheismus der Hebräer hervorgebracht? „Ein Denkmal, dauernder als Erz und höher als der Pyramiden Königsbau", um mit Horaz zu sprechen: .... monumentum aere perennius Begalique situ pyramidum altius. Vergleichen Sie einen Augenblick die Psalmen mit der Hamäza genannten Sammlung arabischer lyrischer Gedichte und bei den ersten Versen werden Sie von dem tiefen Contraste betroffen werden, der zwischen den beiden Sammlungen besteht. Die Psalmen beginnen: „Heil dem Manne, der nicht wandelt im Rathe der Frevler und aus dem Pfade der Sünder nicht stehet und auf dem Sitze der Spötter nicht sitzet; sondern an des Ewigen Lehre Lust, hat und über dessen Lehre sinnet Tag und Nacht. Der ist wie ein Baum, an Wafferbächen gepflegt, der seine Frucht gibt zu seiner Zeit und deß Laub nicht welket: alles, was er thut, gedeiht u. s. w." Sehen wir den Anfang des Hamäza: „Wenn ich von dem Stamme Mäzen wäre, so würden die Söhne einer verlorenen Frau, welche sie dem Dzohol, dem Sohne des Scheibän, geboren hat, meine Kameele nicht geplündert