Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 12 (21.3.1865)
- Date
- 1865-03-21
- Page
- Seite 178 (sequence 4)
- Language
- German
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4ann fast noch weniger im Sinne des Verfs. verstanden werden. Die Aufgabe der Juden war, die mosaische Lehre vom einig-einzigen und unkörperlichen Gotte in ihrer Reinheit und Unbedingtheit für alle Zeiten zu erhalten und zu bekennen. Jede Abweichung von diesem Wege haben ihnen ihre Propheten stets als höchste Sünde angerechnet, und hatte zu aller Zeit für ste nach innen und außen, die schädlichste Folge gehabt. In dem Verständniß, welches sie mit der christlichen Lehre verbinden mußten, mußte ihnen diese als eine solche Abweichung erscheinen, und die ganze folgende Geschichte bis heute hat-bewährt, daß sie ihrer Mission treu geblieben und sie fort und fort weiter erfüllt haben. Es ist hier nicht unsere Sache, zu untersuchen, in wie weit vom sittlichen und rechtlichen Standpunkte das Factum zu beurtheilen wäre, wenn es so wirklich geschehen wäre, wie es uns erzählt wird. Wir haben es hier nur von dem weltgeschichtlichen Standpunkte, auf welchen es der Vers, des Vorworts stellt, zu betrachten, und hierin kommen wir gerade zu dem entgegengesetzten Uriheil, wie das, welches der französische Kaiser insinuiren will. Im Uebrigen mögen wir uns nicht beklagen, denn wenn er die europäischen Völker „Verschwörer" nennt, so mögen wir Juden uns ähnliche Titel gefallen lassen. Haben wir hiermit diesem Vorwort eine etwas ausführliche Beachtung gewidmet, so bedenke man, daß dieses Schriftstück weniger durch seinen Inhalt als durch seinen Verfasser eine große Wichtigkeit besitzt. Indem wir seine Sophismen klar legten, verliert auch seine Beschuldigung gegen uns jede Kraft. Die Auslassung Louis Napoleon's in seinem Vorwort über die Juden hat auch Herrn Crömieux veranlaßt, eine Zuschrift an die Opimoii nationale zu richten, die wir hier wiedergeben. „Die jüdische Religion, die in den Ländern, in welchen ihre Anhänger bürgerliche und politische Rechte genießen, als gleichberechtigt mit den anderen Religionen gilt, erwartet ihren Messias. Die katholische Religion freilich will, daß dieser von den Juden verkannte Messias von ihnen gekreuzigt worden ist. Aber vom katholischen Standpunkt die Vorrede zu „Julius Cäsar" schreiben! Einen religiösen Anspruch als ein historisches Axiom hinzustellen! Wie weit sind wir von jenem breiten Gedanken Napoleon's I. entfernt, der die jüdische Religion durch die Zusammenberufung des großen Sanhedrins und durch die Organisation des israel. Cultus sicher stellte. Wir leben in einer Zeit, in einem Lande, in welchem bte' Religion und der Cultus sich in die Gewisien einschließen und in dem Tempel bewegen muß. Möge ein Priester in einer Kirche von der Kanzel herab die Ankunft des Messias und die Verblendung der Juden behaupten, so begreife ich diesen Ausdruck des katholischen Glaubens, den der Rabbiner in der Synagoge, von einer anderen Kanzel herab bekämpfen wird. Aber wenn das Oberhaupt eines gewaltigen Reiches auf eine Geschichtsseite ein so gefährliches Wort hinwirst, wenn er in einem Buche, das man in alle Sprachen übersetzen wird, der ganzen Welt aufs Neue, besonders aber Frankreich, in welchem er die höchste Gewalt in seinen Händen concentrirt, die Juden der Verblendung, ihren Messias gekreuzigt zu haben, bezüchtigt, wenn er diese schreckliche, schmerzliche Anklage wieder belebt, welche, nachdem Ströme jüdischen Blutes vergoffen worden sind, das Licht der Philosophie endlich unter den aufgeklärten Nationen erstickt zu haben schien, so ist das eine sehr unglückliche Inspiration." Die einleitende Vorlesung Munlr's. Wir haben bereits in Nr. 9 einige Auszüge aus der Vorlesung gebracht, mit welcher Munk seinen Cursus der hebräischen, chaldäischen und syrischen Sprache am 2. Februar d. I. eröffnet hat, und in welcher er, nach der französischen Sitte, die allgemeinen Gesichtspunkte, von denen er ausgeht, aufzustellen hatte. Jetzt wurde uns durch die Güte des Verfassers ein Exemplar des vollständigen Abdrucks dieser Vorlesung, die soeben bei Michel Levy in Paris erschienen, zugesandt. Zur Ergänzung jener Auszüge geben wir nun noch folgenden erheblichen Passus in wörtlicher Uebertragung, der wegen seines Inhalts wichtig ist und uns insonders um so willkommener, je mehr er die vor kurzem von uns in dem Artikel „Racenschematismus" (Nr. 5 und 6) gegebenen Ansichten vollständig bestätigt. „Aber es drängt mich, zu den Hebräern zu kommen, und ich will die Augenblicke, die mir heute noch gestattet sind, anwenden, Ihnen von der monotheistischen Religion der Hebräer und von der Poesie zu reden, welche von dieser Religion hervorgebracht wurde. Man hat in diesen letzten Jahren sehr viel über den allgemeinen Charakter der Semiten geschrieben, und ich glaube fast eine