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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1865-03-14 · Heft 11 (14.3.1865) · p. Seite 160

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
29 (1865)
Issue
Heft 11 (14.3.1865)
Date
1865-03-14
Page
Seite 160 (sequence 2)
Language
German
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160 mit den Einfällen der Perser in Europa; der Orient wurde geschlagen und büßte mit der Herrschaft der Griechen im Orieilte, nachdem Alexander das persische Reich zertzümMertl Hatte. . Eine Nebenrolle für die äußeredesto wichtiger für die innere Geschichte der Völker spielte der Handel und das Colonialsystem der Phönizier, welche mit Karthago ein starkes Netz um die Küsten des mittellänschen Meeres gelegt. Auch hier war es der Occident, der sich von dieser Obmacht emancipirte und sie zerbrach. Bald wurden die Griechen von den Römern abgelöst und der kräftigere Occident legte seine eiserne Gewalt über den Orient, der aus seinen Jnnenländern heraus auf den Schlachtfeldern in seinem Herzen den Widerstand nicht aufgab. Auch diesmal war Judäa eines der Opfer dieses Weltkampfes, und Jerusalem sank unter den Streichen des Occidents zum zweiten Male, weil es abermals in seinem Innern den Kampf der Welttheile durch Parteien voll blutigen Hasses repräsentirte. Die Völkerwanderung war eine Ausströmung des Orients über den Occident, vor welcher die alte Macht des letzterer« in den Staub fiel, nur noch einige Trümmer ihrer Herrschaft in Kleinasien zurücklassend. Da aber die nach Europa geströmten Völker sich in Europa bleibend niederließen und allen Zusammenhang mit ihren Ursprungsländern verloren, so schwand in ihnen bald der Charakter des Orients, und in der Verschmelzung mit den bisherigen Europäern bildeten sie bald den Kern des Occidents. Zu gleicher Zeit aber hatte der Orient noch eine andere Siegesmacht, eine geistige, das Christenthum nach dem Occidente gesandt, die zwar vieler Jahrhunderte bedurfte, um sich das ganze Europa zu unterwerfen, aber doch zu diesem Ziele gelangte. Aber so wenige wie die Völkerwanderung kann man den Erfolg des Christenthums als einen Sieg des Orients über den Occident betrachten, da es im Oriente selbst nur geringe Wurzeln faßte, und bald nur zur Religion des Occidents wurde. Denn im Gegensätze entstand im Oriente selbst der Islam und machte sich durch die schnellste Verbreitung, zur Religion des Orients. / Gerade hiermit aber trat eine neue Periode deS WeltckampfeS ein. Er ging vom Oriente aus. Die neue Religion desselben, getragen von kriegerischen Völkerschaften, brach in den Occident ein, überwältigte Nordasrika und stürmte in Spanien ein, wo ihm am Ebro Halt geboten, wurde. Einen, zwar nicht starken, aber langwierigen Widerstand leistete das altersschwache byzantinische Reiche Bald aber ging der Occident zur Offensive über und Millionen seiner Krieger gingen in den Kreuzzügen nach dem Orient, ohne jedoch hier mehr als augenblickliche Erschütterungen hervorzubringen.. Während er aber in Spanien glücklicher war, und die^pyrenäische Halbinsel dem Oriente wieder entriß, war er im Osten desto unglücklicher und zu derselben Zeit fiel Griechenland mit der Eroberung Konstantinopels in die Gewalt des Orients. Von hier aus machte es immer neue Versuche, in das Herz des Occidents einzudringen; außerdem strömten neue Völkerfluthen mit den Tartaren und Mongolen über die Grenzen des Westens. An den Ringmauern Wiens und an den Ufern der Oder wurden die Entscheidungsschlachten geschlagen, durch welche die Horden des Ostens zurückgewiesen wurden. Seit dieser Zeit hat sich der Kampf gewendet; es ist der Occident, der angreift, der Orient, der sich vertheidigt. Hellas schüttelte das Joch der Türken ab und an die Pforten Stambuls klopfen die europäischen Völker eines nach dem andern, nur daß sich hier das Verhältniß geändert hat. und die gegenseitige Eifersucht der europäischen Staaten die türkische Herrschaft in Europa erhalt. Sah man doch vor einem Jahrzehend einen Theil des Occidents gegen den andern im Kriege für den Orient. Andererseits aber dringt die occidentalische Herrschaft von Norden und Süden her immer tiefer in den Orient hinein. Die Engländer von Süden her, die Russen von Norden her unterwerfen sich immer mehr die weiten Länderstrecken Asiens. In Kleinasien fassen die Franzosen Fuß, während im Osten die europäischen Mächte, bis jetzt noch vereint, China und Japan zu ihren Vasallen herunterdrückLn. Hierdurch kommt es aber, daß dieser Kampf nicht mehr blos der zwischen Occident und Orient ist, sondern zugleich auch eine tiefgreifende europäische Frage, so daß es wahrscheinlich ist, daß in nicht zu ferner Zeit die Hauptinteressen der europäischen Staaten untereinder auf asiatischen Schlachtfeldern ausgefochten werden, wozu Napoleon I. das erste Vorspiel gegeben. So sehen wir von der ersten Epoche der menschengeschlechtlichen Geschichte an den Kampf zwischen dem Orient und Occident mit immer wechselnder Offensive und immer wechselnden Erfolgen bis auf den heutigen Tag bestehen, und noch heute ist dessen Ende nichtabzusehen. Denn wenn auch die heutige europäische Cultur ihren Trägern zu starke Waffen in die Hand gibt, um dem Oriente Chancen des Sieges irgend welcher Art zu gewähren: so bietet doch die Geschichte zu viele Beispiele ungeahnter Wechselfälle in diesem Kampfe Var, um

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