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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1865-03-07 · Heft 10 (7.3.1865) · p. Seite 150

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
29 (1865)
Issue
Heft 10 (7.3.1865)
Date
1865-03-07
Page
Seite 150 (sequence 8)
Language
German
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m üäch Spanien oder China, und würden Sie in Frieden abzieheN lassen: Ihnen die Widersprüche,' die Ihnen zur Falle geworden, klar zu machen, verlohnt eigentlich - der Mühe nicht. Doch Einiges mögen Sie hinnehmen. Sie sagen: „Bei den Juden sind zwei Eigenschaften wesentlich voneinander zu unterscheiden: seine Nationalität und seine Religion." Die Nationalität bildet nach Ihrer Meinung den Gegensatz zum -Deutschthum, denn der Jude sei ein Semite. Gleich darauf aber sagen Sie: „Nationalität und Religion sind bei -den Hebräern eng miteinander verschmolzen: so lange er seiner Religion anhängt, bleibt er ein Glied der israelitischen Nation." Dies ist ein offenbarer Widerspruch. Aber er ist so offenbar, daß die Schlauheit, die Sie dahinter verbergen wollen, zu Schanden wird. Sobald nämlich der Jude sich taufen läßt, svll er zu den Staatsämtern zugelassen werden. Hört er denn über damit auf, ein Semite zu sein? Hört er damit auf,, ein Gegensatz zum Deutschthum zu sein? Die Sache ist einfach: Ihre Proselytensucht ist größer als Ihre ' Furcht, daß der Semite den Charakter des preußischen Staats verändere. Wo bleibt da Ihr „ehrlicher, deutschchristlicher Staat?" Sie selbst radiren das „deutsch" weg. Wie ehrlich! Daß Sie uns durch die uns „bewiesene Barmherzigkeit" bekehren wollen, uns aber „unbarmherzig" in hartem Kerker, dessen Haft ja nicht erleichtert werden solle, halten wollen , mag Ihre Logik mit sich ausmachen. Wir fühlen uns, Gott sei Dank, in unserm Glauben durchaus nicht in einem „Gefängniß;" wir empfinden durchaus nicht den Fluch, den Sie auf uns lasten glauben, und Sie können getrost hierüber Ihre Seufzer und Ihre Thränen sparen, die Ihrem erbarmungsvollen Herzen entquillen. Im Gegentheil, wir fühlen uns voll freudigen Dankes gegen die göttliche Vorsehung, die uns trotz aller Feinde so gnädig -erhalten hat und uns von allen Bedrängnissen unserer Widersacher so wunderbar befreit. Wir frohlocken dem, Herrn, daß er unS eine Zeit hat erleben lassen, in welcher Ihre Ansichten und Ihre Wünsche nur noch vereinzelt dastehen und von den Geistern und Herzen aller wahrhaft religiöser Menschen zurückgewiesen werden. Berlin, 19. Februar. (Privatmitth.) Gestern Abend haben wir hier in den stattlichen Räumen der G es e l l s ch a f t d e r F r e u d e ein herrliches Fest gefeiert, das sehr stark bis in die Frühstunden des heutigen Tages hineinragte. Es ist dies die. alljährlich wkederkehrende sich an die General-Versammlung des Hilfs- V e r ei n s' f ü r j ü d i s ch e S t u d i r e n d e anschließende Vereinigung zu einem Festmahle. Die Herrlichkeit dieses Festes — es ist diese Bezeichnung geflissentlich gewählt — besteht nicht in der großen Zahl der Teilnehmer, nicht in dem blos factischen Bewußtsein derselben, daß in dem abgelaufenen Verwaltungsjahre über 2000 Thlr. in verschiedenen Formen: als Monats- Stipendien, als Promotions-Zuschüsse, als Preis-Zuerkennungen an hilfsbedürftige jüdische Studirende gelangt sind; — diese Thatsachen an sich sind erhebend und erfreulich, aber in dem Festmahle zeigt sich noch etwas Erhebenderes und Erfreulicheres, das ist der über diese Thatsachen ausbreitende Geist. Verwunderlich! Wer so gestern unbefangenen Sinnes in die Festmenge hineinschaute, mußte sich fragen: wo sind hier die Kriegs¬ und Zank-Anlässe, von denen die berliner Gemeinde so oft von sich hat reden machen und auch jetzt von sich reden macht! Wir sehen über alle Teller-Differenzen hinweg, über die weißen und über die blauränderigen rituellen, den Geist der Eintracht und des gegenseitigen Verständnisses die Festgenossen lieb und traut miteinander verbinden.: Ja wir sehen ehrliche, rechtschaffene Männer des Fortschritts vor den blauen Tellern, dagegen vor den weißen — ausgeprägte religiöse Schwarzkünstler. An den Grenzmarken beider Teller-Kategorien aber sehen wir die Weißen mit den Blauen herzlich fraternisiren und schätzbares Material zu vergleichender Kritik requiriren, so daß man auf einen Augenblick denken möchte: voB! Ein Herz und ein Teller! — Die Frage ist für den denkenden Beobachter ernst und betrübend zugleich: Woher das Gezänke und der blinde Eifer, wo es sich um die geringste cultuelle Angelegenheit handelt? Man sollte meinen, blinder Eifer wäre schon eine ziemlich ausgiebige Antwort, allein es ist nicht ganz so. Sehende mancherlei Art, die vor weißen Tellern schwarze Kunst treiben (slios-: die trefe essen und koscher reden) sind die schlimmere Ursache. Ich bitte um Entschuldigung^ wegen dieses Excurses. Erscheinungen solcher Art und wie wir'sie täglich um uns erleben, provociren in einer aufgelegten Stunde, die noch so zurückgedrängte Jnterpellationslust. Wir weisen jedoch in diesem Augenblicke alle derartigen Eindrücke von uns und kehren zu unserm Festmahle zurück. Das Fest war herrlich und schön, weil es ein Fest des Kiddusch hasche im war für die

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