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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1865-03-07 · Heft 10 (7.3.1865) · p. Seite 146

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
29 (1865)
Issue
Heft 10 (7.3.1865)
Date
1865-03-07
Page
Seite 146 (sequence 4)
Language
German
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brujj: über die während seiner -Jugendzeit noch gedrückte Lage der Juden in Oesterreich nach Amerika ausgewandert sei. und eben in diesem Verdruß als Erstlingswerk die Schrift:,„Austria as it is“ 1828 in London herausgegeben habe, welche damals großes Aufsehen erregte, in mehrere Sprachen übersetzt wurde und nach dessen Verfaffer die österreichische Policei scharfe aber vergebliche Nachforschungen angestellt haben soll. Kertbeny bringt auch den Umstand als Beleg, daß S. 1860 bei der schweizer Volkszählung die Frage des Formulars: katholisch oder protestantisch? mit der Antwort ausgefüllt hat: „Von anderer Religion." In der „Europa" wird eingewendet: „Sealssield's Porträt, das ein breites slavisches Gesicht zeigt, ist offenbar das Antlitz eines Hanaken oder Czechen und enthält keine Spur jener mehr oder minder.orientalischen Züge, die jeder israelitischen Physiognomie eigen sind." Dieser Einwand ist sehr schwach.. Denn ein Porträt gibt oft die charakteristischen Gesichtszüge in geringem Maße wieder und es .hätte dies dem Kertbeny, der es von Angesicht zu Angesicht gekannt, viel-eher auffallen müssen. Uebrigens haben wir Juden aus? den Ländern der Sarmaten, Czechen und Magyaren gesehen, welche den physiognomischen Charakter dieser Volksstämme viel überwiegender an sich trugen als den sogenannten jüdischen. Wir haben in d. Bl. vor einiger Zeit die Schrift des Bischofs von Ketteler bekämpft, welche die liberalen Ideen beschuldigte, für das Wohl des Volkes wesentlich nichts gethan, sondern dasselbe nur für ehrgeizige Zwecke der liberalen Partei ausgebeutet zu haben, ja im Gegentheil alle socialen Mißstände, die in unserer Gegenwart noch vorhanden sind, bezeichnet er als Wirkungen des Liberalismus. Diese, allen Ergebnissen der Geschichte Hohn sprechenden Behauptungen kamen uns durch die päpstliche Encyklica um so lebhafter wieder in die Erinnerung, als die letztere die Verdammniß aller liberalen Ideen nicht hlos unumwunden ausspricht, sondern auch alle weltliche und materielle Macht der Geistlichkeit wieder hergestellt haben will. Wir wollen hier nicht noch einmal auf eine Schilderung der wirklichen Zustände, wie sie vor l789 vorhanden waren, eingehen. Aber einiges Wenige, das uns in diesen Tagen bei Durchlesung der trefflichen und gründlichen „Geschichte der Revolutionszeit von 1789 bis 1795 von H. v. Sybel, 2. Auflage (Düffeldorf, 1859)" aufftel, hier wiedergeben. Der Verf. sagt B. I, S..14: „Wie das religiöse Mittelalter seine Ketzermorde gehabt hatte, so fehlte es auch der neuen Weltrichtung nicht an Fehlgriffen und Vergehen: man spll aber über dem Tadel derselben nicht vergessen, daß der Zustand, aus dem sie Europa emporgeriffen, uns Allen ohne Ausnahme als die unerträglichste Barbarei erscheinen würde. Man hat eine Zeit lang die Aufklärung des 18. Jahrhunderts zum Th eil in ihren werthlosesten Ausläufern überschätzt; man ist jetzt nur zu geneigt, ihr weltgeschichtliches Verdienst zu übersehen, weil es das Gemeingut Aller und der Boden unseres Zustandes geworden ist. Wer jedoch über ihre zuweilen schlaffe oder heuchlerische Humanität die Achseln zucken möchte, versetze sich erst in die gänzlich inhumane Zeit vor ihrem Wirken zurück. Weder das classische noch das christliche Allerthum, weder das Mittelalter noch die Reformation nahm einen Anstoß an den ärgsten Gräueln der Kriegführung, an den Qualen einer grausamen Criminaljustiz, an einer Vernichtung der politischen Gegner, gegen welche alle Schrecken unserer Revolutionen und Reactionen Kinderspiele sind. Der Gedanke, daß das Leben jedes einzelnen Menschen für die Andern etwas bedeute, ist erst durch das vorige Jahrhundert eine thätige Kraft geworden." — Doch wir wollen uns nicht mit diesen allgemeinen Sätzen begnügen, sondern ein Factum hervorheben. Von den 25 Millionen, die Frankreich vor 1789 zahlte, beschäftigten sich 21 mit der Landwirthschaft, während die Städte, das Heer, die Beamten, die Geistlichkeit und der Adel nur 4 Mill. zählten. Dennoch war nur ein Drittel des urbaren Landes in Besitz jener 21 Millionen, während Adel und Geistlichkeit die andern zwei Drittel besaßen. Die nothwendige Folge war die außerordentlichste Zersplitterung des Grundeigenthums und ein unermeßliches ländliches Proletariat, von dessen Elend man kaum einen Begriff hat, gegenüber dem großen Grundbesitz und verschwenderischen Luxus des Adels und der hohen Geistlichkeit. Eine Classe mittlerer Eigenthümer, groß? genug, um von dem Acker ein sorgenfreies Dasein zu gewinnen, und immer noch so klein, um zu steter und angestrengter Arbeit genöthigt zu sein, mit einem Worte, ein ländlicher Mittelstand fehlte völlig. Heutigen Tages lassen sich die ländlichen Eigenthümer Frankreichs iw .hrei Classen sondern, deren jede ungefähr ein Drittel des ertragfähigen Landes besitzt. 18 Mill. Hektaren fallen-.auf 183,000 große, 15Mill. auf700,000 mittlere, 15 auf nicht ganz 4 Mill. kleiner Eigenthümer. Mit Recht fährt daher Sybel fort (S. 19): „Was die

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