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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1865-03-07 · Heft 10 (7.3.1865) · p. Seite 144

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
29 (1865)
Issue
Heft 10 (7.3.1865)
Date
1865-03-07
Page
Seite 144 (sequence 2)
Language
German
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144 Aber trotz allen diesen Unterscheidungen, in der geschichtlichen Entwickelung sich immer mehr ausdehnenden Spaltungen, Verästelungen und Zersplitterungen steht hoch . über diesen das einigende Wort sl Mos. 5, 1.): „Dies ist das Buch der Geschlechter Adam's; am Tage, da Gott Adam schuf, machte er ihn in Gottes Aehnlichkeit." Ueber dem Bewußtsein aller Racen- und nationalen Verschiedenheiten steht das Bewußtsein der Einheit des ganzen Menschengeschlechtes. Und wie die h. Schrift dieses aus einer Quelle entspringen läßt, so führt sie es auch zu einem Ziele der Gotteserkenntniß, der Liebe, des Rechtes und des Friedens. Wie vielfach auch in der Schrift, in deren geschichtlichen und prophetischen Theilen das Bild der Völkerkämpfe in ihrer ganzen Furchtbarkeit, Dauer und Mannigfaltigkeit vor uns erscheint, wie sehr auch hier und da die Erinnerung an die Verbindungen und die Gegensätze innerhalb des RacenbestandeS erinnert wird, die Familienverbände gewisier Völker und die Gegensätzlichkeiten anderer in West und Ost hervorgehoben werden: die allgemeinen Principien, welche die Schrift verkündet, die Menschennatur, die Gottesanbetung, die Liebe, das Recht, die Freiheit, die göttliche Vorsehung und Gerechtigkeit, sie alle kennen keine Unterschiede, keine Besonderheiten, keine Stammes- oder Raceneigenthümlichkeiten, sondern sie gellen für Alle, zu ihnen sollen und werden sich Alle bekennen, sie gehören Allen zu und sollen von Allen erkannt und verwirklicht werden. Wie wir schon äußerlich im 27. Kapitel Ezechiels alle jene Racen und Völkerschaften aus jener genealogischen Völkertafel des 1. B. Mosis mit ihren Erzeugnissen auf dem lyrischen Weltmarkt erscheinen sehen, um in einem einheitlichen Austausch der Produkte die friedliche Einigung aller Menschenvölker zu bekunden, so geht selbst schon durch das concrete Gesetz das Bewußtseiu der Gleichheit aller Menschenstämme und wird in den Propheten zur vollen Verbrüderung, zur ausnahmslosen Einheit erhoben! Sie, die h. Schrift, welche selbst innerhalb des Volkes die Stämme, Geschlechter und Familien so eifrig aufrecht erhält, kennt doch für alle Menschen nur ein Wesen, eine Bestimmung, eine Pflicht und ein Recht, lehrt in der Entwickelung der Zeiten die Verbrüderung aller Völker, die Ausgleichung aller Differenzen und steckt das Ziel auf: „Und der Ewige wird König sein über die ganze Erde; an selbigem Tage wird, wie der Ewige einzig, auch sein Name einzig sein" (Sechar. 14, 9.). Gehen wir diesem leuchtenden Vorbilde nach, Nie? mals wird das Individuum aufhören, seine Jndividua- , lität zu besitzen. Sie geht hervor aus der Anlage und Entwickelung,, aber auch aus der Familie, dem Orte, dem Lande, der Zeit. Wie aber? Wie zahllose Individuen werden aus ihrer Familie, ihrem Orte und Lande entwurzelt und nach den entlegensten Fernen und in die fremdartigsten Verhältnisse geschleudert, und sie vermögen sich hineinzuschicken, darin zu reüsstren und zu wirken! Aus der weitesten Vergangenheit wirken aufs Lebendigste die Schöpfungen der größten Geister auf uns und die Menschen aller Zukunft, und wenn ihnen auch manches Eigenthümliche ihrer Zeit und Verhältnisse anhaftet, so sind doch die allgemein menschlichen Elemente in ihnen so groß, daß ihr Einfluß auf alle Geschlechter aller Zeiten und Orte ein unermeßlicher ist. Nicht anders ist es mit der Individualität der Völker. Auch diese ist vorhanden und wird vorhanden bleiben. Aber sie ist durchaus nicht so beschränkt, wie man sie jetzt so gern hervorhebt. Auch sie, von Anlage und Entwickelung, vom Lande und der Zeit des Ursprungs bedingt, vermag, wenn die Nation, wie es geschehen ist, nach den entlegenften Zonen verschleudert wird, auch dort zu wurzeln und zu ganz anderm Leben sich zu gestalten. Wenn man von den besonderen Aufgaben und Missionen der Völker spricht, so ist dies wohl wahr, aber doch nur unter sehr beschränkenden Bedingungen. Zuerst sind es doch immer nur einzelne, ganz besonders begabte Völker, die sich mit einer besondern Mission aus der großen Masse der Völker abheben und erst unter Hunderten von Nationen können wir einer die hervorragende Lösung einer Aufgabe für das ganze Menschengeschlecht zuerkennen. Alsdann sehen wir, daß sich das Leben einer solchen Nation darum durchaus nicht aus diese einzige Aufgabe beschränkt. Wir sehen bei den Griechen nicht blos Kunst und Wissenschaft, sondern auch das politische Leben zu großartiger Entwickelung kommen, und wenn dem jüd. Stamme besondere Mission des religiösen Elements zukommt, so mögen wir doch nicht vergessen, daß die Juden seit der Zerstreuung die commerzielle Vermittelung zwischen den Völkern während einer langen Zeit des Mittelalters nicht minder zur Bestimmung hatten und überhaupt auf dem Gebiete des Handels sehr Bedeutendes geleistet haben. Endlich trägt hier, wie wir schon öfter betont haben, die Entwickelung der geschichtlichen Verhältnisse, die großen Veränderungen durch das Geschick viel dazu bei, die Richtung der Völker umzuwandeln, ihren Charakter zu mohisiciren, ihre Kräfte zu vermannigfalstgen, Gehen wir

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