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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1865-02-28 · Heft 9 (28.2.1865) · p. Seite 134

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
29 (1865)
Issue
Heft 9 (28.2.1865)
Date
1865-02-28
Page
Seite 134 (sequence 8)
Language
German
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134 » Zeitungsnachrichten. Preußen. Kosten, 19. Februar. (Privatmitth.) Es dürfte für Sie von Interesse sein, hiermit Abschrift eines Rescripts des Appellationsgerichts zu Posen zu erhalten, das, betreffend die Eidesabnahme more judaico (?), in einer Zeit erlassen, in der man endlich die zwischen Mensch und Mensch errichteten Schranken auch in Preußen, nach Vorgang anderer humanen Staaten fallen zu sehen hoffte — zeigt, wie noch lange nicht daran zu denken, daß einem wahrhaft liberalen Sinne Rechnung getragen werde; — wie vielmehr noch ohne allen Grund Verdächtigungen gegen die Juden ausgesprochen werden, wie ich sie in dem Rescripte vermerkt finde — doch hier haben sie dasselbe: Abschrift: Es ist neuerdings die Bemerkung gemacht worden, daß bei Abnahme der Judeneide in hiesiger Provinz die Vorschrift des §. 337, Thl. I, Tit. 10 der Allgem. Ger.-Ordn. zuwider das SKtort Adonai in der Eidesformel nicht mit den hebräischen Mitlautern des Wortes Jehovah, sondern mit denen des Wortes Adonai selbst verzeichnet ist. Auf diesen Umstand ist um so mehr Gewicht zu legen, als die Heiligkeit des Eides in den Augen vieler noch aus niedriger Bildungsstufe stehendenJuden von der strengen Beobachtung der vorgeschriebenen Förmlichkeiten abhängig ist (sic!)* Um daher diese Bedeutung in den Augen der Schwörenden nicht zu schwächen und der Veranlassung zu Meineiden vorzubeugen, wird das königl. Kreis- Gericht hierdurch angewiesen, sowohl selbst hierauf zu achten als auch den Rabbinern die genaue Beobachtung der bei Abnahme von Judeneiden und den Gesetzen, namentlich §. 336, 337, Thl. I, Tit. 10 Allgem. Gerichts-Ordnung vorgeschriebenen Förmlichkeiten zu empfehlen. Posen, den 18. Januar 1864. Königl. Appellations-Gericht. (gez.) Schweinitz. An das königl. Kreis-Gericht zu Kosten. . Ich gebe Ihnen das Rescript ohne weitere Bemerkung, da es für sich allein gar so deutlich spricht. Oesterreichischer Kaiserstaat. Przemysl (Galiziens 13. Februar. (Privatmitth.) Folgendes Ereigniß hat die Entrüstung unserer israel. Gemeinde derart hervorgerufen, daß ich um die Veröffentlichung desselben zu ersuchen mich verpflichtet fühle. Am 18. v. M. hat ein Policeiwachmann bei einem jüdischen Fleischer aus eigener Machtvollkommenheit ein. Fleischquantum confiscirt. Als dieser arme Fleischer mit dem Policeiwachmann — der inzwischen das Fleisch aus das Wachtzimmer bringen ließ — wegen Rückstellung des Fleisches in einem Wortwechsel gerieth, kam herbei der Gemeindebeamte R. und befahl, dem erbitterten Fleischer 10 Stockprügel aufzuhauen. — Vergebens waren die Vorstellungen des Fleischers,- er sei 65 Jahre alt, mit einem Leistenbruche behaftet, er wurde ohne Erbarmen von vielen Policeiwachmännern ergriffen, mit Gewalt auf eine Bank niedergelegt, von allen Seiten festgehalten und das summarische Urtheil wurde vollzogen. Schwer erkrankt mußte der Fleischer durch 18 Tage ins israelit. Spital ärztlich behandelt werden und ist noch heute arbeitsunfähig. Was aber noch mehr empört, ist, daß. die k. k. politischen und Strafbehörden, welchen diese gesetzwidrige und barbarische Mißhandlung sogleich angezeigt und um deren Schutz gebeten worden ist, noch bis. nun keinen Schritt gemacht haben,- um den mittelalterlichen Stockprügelheld zur Verantwortung zu ziehen. M. Aus Oberungarn, im Februar. (Privatmitth.) Seit einigen Wochen verloren wir drei unserer tüchtigsten Rabbinen durch den Tod, die Obwohl der alten Schule angehörig, jedoch dem Chassidismus nur theilweise huldigten. Zu bemerken ist, daß sowohl Pecseneudorf, als Magi-Kälö und Varanö, weder unsere alten noch neuorthodoxen Rabbinen bei einer Neuwahl durchdringen werden , sondern einzig und allein den Platz den Chasfidäern, deren Boden durch jene Halbchasfidäerffattsam geebnet ist, einräumen werden müssen. In Nagh Kalü will die gebildete Partei die Berufung des Rebb Fei sch aus Preßburg, ein hoffnungsvoller chassidäischer Candidat! Ein soeben erschienenes hebr. Werk „das jüdische Herz" (Unghvar bei Jäger)*) aus der Fabrik des Rebb *) Siehe Nr. 7 d. Zeitg. * *

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