Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1865-02-28 · Heft 9 (28.2.1865) · p. Seite 133

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
29 (1865)
Issue
Heft 9 (28.2.1865)
Date
1865-02-28
Page
Seite 133 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3224737-3226473-3226483--22853-3250128
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

133 sperren und der Nmah Llcibt und ist daher immer die ultima ratio ihrer rabbinischen Entscheidungen. 4. Von den nachgelassenen Schriften des sel. Rabbiners Löwinsohn in Kremniz ist unter dem Titel: Achijah Ha-Schilani eine Entgegnung auf die berüchtigte Missionsschrift Nethiboth Olam in Leipzig s. a. erschienen (diese ist wahrscheinlich nur ein Theil seines großen Werkes Serubabel) (S. Hamagid v. I.). Schon vor drei Jahrzehnten wurde dieses Machwerk, unter dem Titel: Oldpath, von M. Caul verfaßt, sofort ins Hebräische und Deutsche übertragen und in einer bekannten jüdischen Officin gedruckt. Der Corrector derselben hatte zu. gleicher Zeit eine Entgegnung auf diese Schrift zu schreiben begonnen, nachdem man ihm aber allseitig bemerkte, daß man derselben keine solche Bedeutung beizulegen brauche, um ihre Angriffe ans das Judenthum abzuweisen, stand derselbe von seinem Vorhaben ab. Und in der That hat es sich durch die kleine Zahl der jüdischen Ueberläufer in dieser langen Periode bestätigt, daß die Missionsfchriften selbst auf die verworfendften Subjekten nur bei eingelegten Banknoten Einfluß üben können. Zur Kräftigung des Judenthums im Herzen seiner Bekenner bedurfte es daher dieser Gegenschrift nicht, und um außerhalb zu wirken, dazu ist die hebr. Sprache nicht geeignet. Nichtdesloweniger müssen wir dem selig. Vers, das Verdienst zuerkennen, durch seine Belesenheit in der kirchlichen und antichristlichen Literatur gutes Material zusammengestellt zu haben, das bei polemischen Arbeiten gut zu verwenden ist. Die Schrift ist mit Klarheit, Ruhe und Besonnenheit geschrieben, nur das Judenthum vertheidigend, niemals angreifend und wo eine Polemik gegen das Christenthum nicht vermieden werden konnte, werden die Waffen aus dem gegnerischen Lager geholt, und es ist dabei nur zu tadeln, daß die deutsche Übersetzung zuweilen sehr mißlungen ist. Jedenfalls darf man den Wunsch ausdrücken, daß die Besitzer der reichen, geistigen Verlassenschaft des sel. Vers, bei künftiger Veröffentlichung eine bessere Auswahl von allgemeinerem literärischeu Werth treffen mögen. 5. Die weltlichen Dichtungen, die die hebr^ Literatur von Charisi, Emanuel u. A. besitzt, tragen in ihren äußeren Dichtungsformen das Gepräge ihrer Zeit. Charisi ahmte den Mekamen Hariris nach, Emanuel selbst christlichen Poesien. Sie zeigten aber in ihren Meisterwerken nicht nur die Bildungsfähigkeit der hebr. Sprache, sondern auch ihre poetische Generalität und Erfindungsgabe in Pisder und Gedanken, die ursprünglich und frisch aus dem Herzen quillen. Auch der Herausgeber des hebr. Witzblattes: Bickoreth haittim, ahmt der Dichtungsform, ja selbst den äußeren Gestalten eines Zeitblattes nach, aber seine Dichtungen und Gedanken entspringen nicht urkräftig einem schöpferischen Geiste, die gereimte Prosa ist eine geschmacklose Mosaik, nicht fließend und elegant, und das bischen Geist verflüchtigt sich in dem Wortschwall wässeriger Phrasen. Die Witze sind trivial, sein Humor und seine Persiflage possenhaft und wie weiland „der kleine Reaktionär" schwingt er seine satyrische Geißel gegen die Männer des Fortschritts. Das Beste in dem uns nur vorliegenden ersten Bogen ist eine Thierfabel und in den Tikunim eine, die wir mittheilen wollen: Wenn ein Zweifel entsteht, ob man in den Bußtagen das Einschiebsel Sachrenu gebeten habe oder nicht, so ist zu unterscheiden zwischen einem Polen und Deutschen; der Pole, der im ganzen Jahre betet, kann aus Gewohnheit das Einschiebsel vergessen haben, was bei dem Deutschen, der nur in den Bußtagen betet, nicht der Fall ist. — 6. Die Sammlung und Herausgabe von Grabschriften aus alter Zeit ist nicht nur ein Act religiöser Pietät, sondern auch ein werthvolles Material für Geschichte und Alterthumskunde. Zu den bereits vorhandenen Sammlungen von Epitaphien aus Spanien, Prag, Wien und Worms sind nun auch die aus Lemberg gekommen, die uns in zwei Heften unter dem Titel: Mazebeth Kodesch vorliegen. Das erste Heft, 1860 erschienen, enthält 62 Grabschriften nebst einer Biographie vom Chacham Zebi; das zweite Heft, im verflossenen Jahre erschienen, 58 Grabschriften, worunter 45 von den in der Katastrophe von 1664 Ermordeten. Die Veranlassung zu den berichteten Gräuelthaten ist nicht angegeben und der Herausgeber, Gabriel Herz, berichtigt nur den Jrrthum des Verfassers von Scherith Israel, der dieselbe mit den unter Chmielnicki 1648 verwechselt, in welcher Katastrophe aber Lemberg verschont blieb. Jedenfalls scheint die Veranlassung nur eine locale gewesen zu sein, denn im I. 1664 drangen die Polen siegreich in Rußland ein und eine Kosakenempörung fand nur in der Ukraine statt. Eine Eigenthümlichkeit polnischer Autoren ist es, daß sie in dem kleinsten Schriftchen fremdartige Stoffe beifügen, was auch hier durch einen beigedruckten Hesped geschieht, der, so geistreich er auch sein mag, dem geläuternden Geschmacke unserer Zeit nicht angemessen ist. K.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.