Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 9 (28.2.1865)
- Date
- 1865-02-28
- Page
- Seite 132 (sequence 6)
- Language
- German
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i3t fctitbmtg mit den Katholischen im Reiche, denen sie nicht das Schauspiel von allzu verwerflich scheinenden Ehen geben wollten. Dies war jedoch kein Motiv, das für Friedrich II. Bedeutung gehabt hätte; er erklärte jede Ehe für erlaubt und ohne Dispensation zulässig, die in Gottes Wort nicht klar verboten sei. Der Kanzler der Universität Halle rühmt ihn, daß er die mosaische Klarheit nicht mehr durch willkürliche Zusätze verdunkeln lasse." Allerdings hatte Friedrich der Große ein anderes Motiv; er glaubte durch die Verminderung der Ehehindernisse die Bevölkerung des Landes zu fördern. Aber die Thatsache bleibt sich gleich: man kehrte „zur mosaischen Klarheit und GotteSwort" zurück., Der zukünftige Geschichtschreiber unserer Zeit, wenn er auf das Kapitel von den.Juden kommt oder auch der dereinstige Historiker dieses Stammes in unserem Jahrhundert, wird, nachdem er das große Ganze abgehandelt, viel Studium und viel Umsicht nöthig haben, um in befriedigendem Maße die Erscheinungen und den Einfluß zu schildern, welche, aus dem Schoße dieses alten Geschlechtes hervorgegangen. Ueberall, wohin man sich auch wendet, trifft man auf die Spuren von Persönlichkeiten in den eigenthümlichsten Verhältnissen. So lesen wir in den jüngst erschienenen, trefflichen „Studien zur französischen Cultur- und Literaturgeschichte" von Fr. Krehß ig, daß die Lebensgefährtin Beranger's, dieses größten französischen Chanhonniers, dieses merkwürdigen modernen Diogenes, vor dessen Tonne die Großen der Erde vergeblich mit ihrem Golde und ihren Ehren erschienen, in den letzten Jahrzehenden seines Lebens, eine Jüdin gewesen. Der Verfasser sagt: „Judith Foire, die blondhaarige und blauäugige, ebenso liebenswürdige als verständige Jüdin, welche einst bei einem Einkommen von 1200 Francs Beranger's Poeten - Haushalt führte, ihm Hemden und Strümpfe flickte und dann Sonntags, mit ein paar Bändern auf dem Häubchen, mit ihm hinausging auf die Wiesen von St. Gervais oder des Abends in der Jsle d'Amour ein Tänzchen mitmachte. In dem Liede: „le llrenier" ist diesem echten pariser Poetenfrühling ein reizendes Denkmal gesetzt: „Je viens revoir l’asilc, oü ma jeunesse“ („So seh' ich dich, mein armes Stübchen, wieder"). Die „zwanzig Jahre", welche der Refrain des Gedichts erwähnt, sind dabei nicht gerade buchstäblich zu nehmen. Judith blieb seine treue und hochgeachtete Gefährtin bis an sein Ende. Der Dichter (seine einzige Schwester war Rönne geworden) halte sie zur Univerfalerbin eingesetzt, und es war der letzte und schmerzlichste Schlag, der ihm traf, als sie am 7. April ihm nur um wenige Monate voranging." Literarischer Wochenbericht. Frankfurt a. M., im Februar. (Schluß.) 3. Ein sehr bedeutendes Werk, besonders für unsere deutsche Schulchan-Aruch Lamdanim, die sich auf dem halachischen Gebiete nur durch einen guten Wegweiser zurechtfinden können, ist das von Rabb. Friedländer neuedirte S. A» Lexikon (Jismach Jisrael) mit zwei neuen Commentaren, in denen alles kurz zusammengestellt ist, was die späteren Casuisten sowohl in erschwerender wie in erleichternder Richtung erdacht und vom halachischen Spinnrad abgehaspelt haben. Die kurze klare Zusammenstellung aller Vorschriften über Zinsen und Frauenbäder vom Herausgeber verdienen' besonders rühmend hervorgehoben zu werden. Die fromme Schar ^ndet auch in diesen Commentaren ein reiches Feld, auf dem sie für ihr ge-, setzbelastetes Leben noch manches heilbringende Kraut pflücken können. Wir empfehlen ihnen beispielsweise: am Peffachfeste keine Milch zu trinken, weil die Kühe mit Chamez gefüttert werden; sich des Genusses von Kapaunen und anderm verschnittenen Geflügel zu enthalten, weil die-Eingeweide beim Verschneiden verletzt werden; keine Talgkerzen aus nichtjüdifchen Fabriken zu brennen, weil Butter beigemischt sein könnte; am Neumond Nägel, Haupt- und Barthaar nicht zu schneiden und zu rasiren, aber besser noch, den Bart ungeschoren zu lassen, weil mit jedem Haar desselben überirdische Verbindungen verknüpft sind. Dahingegen darf sie auch von der Erleichterung Gebrauch machen; an den Orten, wo keine Milch von unreinen Thieren verkauft oder auch theuerer bezahlt wird, von Nichtjuden Milch zu kaufen. Der Herausgeber verwahrt sich in der Vorrede gegen den Vorwurf, als beabsichtige er das Schulchan-Aruch- Studium auf Kosten des Quellenstudiums zu heben und benutzt hierbei mit geistreicher Wendung die talmudische Anekdote von einem Knaben, der um den Weg nach der Stadt befragt, antwortete: der eine Weg sei lang und kurz, der andere kurz und lang. Aber dennoch wird von der romantischen Schule dieser kurze und lange Weg betreten, durch den sie sich alle heiteren und freien Ausgänge, welche das kritische Quellenstudium erschließt, ab?