Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1865-02-21 · Heft 8 (21.2.1865) · p. Seite 123

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
29 (1865)
Issue
Heft 8 (21.2.1865)
Date
1865-02-21
Page
Seite 123 (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3226473-3226482--22842-3250116
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

werden können — keine anderen Zwangsmaßregeln werden es thun. Denn die Zaddikim verstehen es recht gut, solche Gesetze zu umgehen, indem sie über ungeheure Geldmittel gebieten. — Manche böswillige Feinde der jüdischen Schule haben versucht, die Schuld des unbefriedigenden-Zustandes derselben auf die Schulter der jüdischen Lehrer, zu bürden. In einem Memoir, das wir nach reiflicher Zuratheziehung der Meinung Gesinnungstüchtiger dem „Vereine zur Verbreitung der Aufklärung unter die Juden" vorgelegt, haben wir aber nachgewiesen, mit welchen feindlichen Elementen, die schon theils aus dem bisher Gesagten ziemlich einleuchtend sind — die Schule zn kämpfen habe. Wir hoffen, der Verein wird die darin ausgesprochenen Ansichten und Bemerkungen, die nicht unsere persönlichen, sondern die aller Bessergesinnten sind, berücksichtigen wollen und seinen Einstuß anwenden, die Wünsche des- Gebildeten zu realisiren. Da wir nun zum Vereine gelangt sind, so wollen wir einige Bemerkungen über denselben hinzusügen.— Bekanntlich hat einen solchen Verein noch Hr. Stabinowitsch in seinem weiland Staßwiett angeregt. Wir haben in dies. Zeitg. über den Plan desselben zu seiner Zeit (1862) Bericht abgestattet. — Daß er nur von Petersburg und von einer Finanz- und Jntelligenzmacht, wie es unstreitig Herr Günzburg und die Begründer des Vereins sind, ausgehen müsse, darüber waren Alle einverstanden. Wer aber, wie Sie, Herr Redacteur, hat es besser erfahren, daß, wo es, sich um Schaffung edler, gemeinnütziger Institute unter uns Juden handelt, sogleich aus unserer eignen Mitte sich Opponenten erhoben, um die Intentionen des Begründers zu verdächtigen und anzufeinden? — Diese trauxige Erfahrung hat sich nun auch bald bei uns bewährt. Bald nach der Gründung dieses Vereins wurden Stimmen laut, die Verrath an der Gemeinsache der Aufklärung witterten, indem sie dem Volke abgezappt,, um den. blutigen Sieg der Makkabäer recht feierlich feiern zu können. Man kann sich kaum einen Begriff machen, was das Wachsthum dieser Leben-, Glück- und Kinder-Spender das Volk kostet. Wann wird das ein Ende nehmen? Wenn man das alles liest, was der Herr Redacteur d. Bl. darüber geschrieben, was' in russischen Zeitungen gedruckt wird und bedenkt, daß das. Alles vergeblich war, so möchte man an der guten Sache der Menschheit verzweifeln, und das, was uns ein Chassidsagte jw p ir>8 idsi -nv82i pi fast bestätigt finden. — glaubten, daß die Begründer auf der Seite der Orthodoxen und Fanatiker ständen. — Besonders wurde Hrn. Günzburg, der doch über allen Verdacht erhaben sein sollte, unlautere Motive zugeschrieben und seine Persönlichkeit den härtesten Angriffen ausgesetzt. — Bald stellte man ihm vor, wie er mit den Fanatikern kokettire und auf Aufhebung der Schulen dringe, bald wie er die Superiotität in allen jüdischen Angelegenheiten an sich reißen wolle. Der Verein aber existirt bereits daS zweite Jahr und die Handlungen desselben halbjährig in den Zeitungen veröffentlicht, haben alle diese Stimmen Lügen gestraft und alle Befürchtungen beseitigt — denn Herr Günzburg war nicht allein bemüht, alle jüdischen Geldmächte für die allgemeine gute Sache zu gewinnen, sondern, hat durch Facten dargethan, wie ernst es ihm mit dem vorgesteckten Ziele: Bildung und Aufklärung unter seine Glaubensgenossen zu verbreiten, sei. Viele Studirende auf den Universitäten, die sonst verkümmern oder dem Judenthume verloren gehen müßten, wurden unterstützt, manche jüdische arme Literaten und Privat-Lehranstalten erhielten Subsidien. Die Schulen, meistens in elenden Nestern bestehend, wo der Lehrer aus Mangel an Büchern und Zeitungen verbauern müßte, wurden mit Zeitungen, meist kostspieligen, und Büchern versorgt. Aus den Eingaben des Vereins an das Ministerium ersieht man, daß er um die Hebung der Schulen besorgt sei. Herr Günzburg wohlwissend, daß vom Beginne unserer Nation jedem Wohlthäter derselben solches Geschick erwartet, ließ sich von allen auf seine Person gerichteten Angriffen nicht beirren, sondern fuhr fort/ edelmüthige Handlungen — wie die Spendung von 70,000 Silberrubel zur Erbauung einer Synagoge in Petersburg — hochherzig auszuüben. Der Verein, noch jung und fast im Werden, hat seine Lebensfähigkeit bewährt, er gedenkt, nächstens eine Sammlung gediegener Aufsätze über Juden in russischer Sprache herauszugebener war es, durch dessen Vermittelung die hebräische Zeitschrift ‘pbratt wöchentlich populäre Aufsätze naturwissenschaftlichen Inhalts von der Hand deS Herrn . Slonimski, bringt. — Herr Günzburg kann sich trösten, in dieser Beziehung theilt er gleiches Geschick mit allen Wohlthätern unserer Nation. Ruft ja der geduldigste aller Menschen, der größte Mann unseres Volkes aus: Tjy •nbpDi vr'w» N. G.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.