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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1865-02-21 · Heft 8 (21.2.1865) · p. Seite 122

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
29 (1865)
Issue
Heft 8 (21.2.1865)
Date
1865-02-21
Page
Seite 122 (sequence 12)
Language
German
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122 Der Gegenstand war, über die passendste Weise Beschluß zu. fassen, wie sie das Andenken ihres großen Mitbürgers, des verstorbenen Menschenfreundes David Sassoon ehren könnten. Man schlug vor, eine Halle zu erbauen und in derselben eine Statue zu seinem Gedächtniß auszustellen. Die Einzelheiten über die Versammlung sind indeß in Europa noch nicht bekannt. Correspondenz. Briese aus Rußland. (Schluß von I.) Durch diese Bemerkung aber soll den Feinden der jüdischen Schule keine Handhabe gegeben werden, darin einen Beweis für ihre Behauptung, daß dieselbe entbehrlich sei, zu finden. Wir, und mit uns jeder Bessergesinnte, sind gewiß der Ansicht, daß wir russischen Juden sich immer enger ans russische Vaterland anschließen, daß wir uns also die Kenntniß seiner Sprache und Literatur aneignen müssen, um somit unsere Besserstellung in socialer und staatlicher Beziehung anzubahnen. Dennoch aber wäre es absurd, zu behaupten, daß die jüdische Schule entbehrlich sei. — Sie thut nicht allein in der Übergangsperiode, in der wir uns befinden, noth, sondern dieselbe wird für immer höchst nothwendig bleiben. Nur die jüdische Schule wird im Stande sein in den kleineren Städten, wo sonst die Civilisation keinen Zutritt findet, das leidige Chederwesen, die Pflanzstätte des Chassidismus und die Buchstabengläubigkeit zu verdrängen, indem sie für dasselbe ein zeitgemäßes Surrogat bieten würde. Der Uebergang vom Cheder zur öffentlichen christlichen Schule ist doch zu schroff, um ausgeführt werden zu können, und wenn er auch durch strenge Maßregeln ausführbar wäre, würde er doch die verderblichsten Folgen in religiöser Beziehung haben, und so weit wird man doch wohl bei uns nicht gehen wollen, zu verkennen, daß die vernunftgemäße religiöse Erziehung des Volkes die Grundbasis eines jeden wohlgeordneten Staates sei. — Wenn die Dringlichkeit der jüdischen Schule in Preußen, wo doch die Verschmelzung mit der Landesbevölkerung in Sprache, Sitte und Lebensweise so fortgeschritten, von allen Besserdenkenden anerkannt wird, wie sollte sie es nicht hier sein! Hier, wo der' staatsgefährliche Chassidismus immer mehr Spielraum gewinnt, wo das unwissende, irregeleitete Volk immer mehr in Aberglauben, Elend und Verdummung versinkt," kann nur durch bessere, reinere Begriffe von seiner Religion das Volk den Krallen des Ungethüms, das Chassidismus heißt, entrissen werden. — Und bessere Ideen von Religion kann nur die Elementarschule, wo aufgeklärte jüdische Lehrer thätig sind, dem Volke beibringen. Man lasse sich doch von den kleinen Erfolgen und Fortschritten der Bildung in den größeren Städten, wo unsere Stimmführer Sitz haben, nicht blenden! Man gehe in die Hunderte von kleineren Städten, dort sieht man, wie weit der Jude von den christlichen Schulen steht, wie sehr die jüdische Schule noth thut; wer Gelegenheit gehabt hat, den Geist des Volkes in den kleineren Städten kennen zu lernen, der wird von solchen Utopien bald geheilt werden und das Bedürfniß der jüdischen Schule eingestehen. Nur durch die Proclamirung der Schulpflichtigkeit nach dem preußischen System würde sich die Wohlthätigkeit der Elementarschule Herausstellen; sie würde neuen Aufschwung nehmen, indem ihr Wirkungskreis sich auch auf die Mittelclassen, wo der Chassidismus wie ein böser Wurm sich eingenistet, .jeden bessern Lebenskeim zernagend und vernichtend, erstrecken würde. Nur hierdurch würde dieser vielköpfigen Hyder*) der Köpf abgeschlagen *) In neuester Zeit haben manche altersschwache Rebbes es für rathsam gefunden, ihre Rundreisen (die übrigens gesetzlich streng verboten sind), um die reichlichen Pidjongelder vom Volke entgegenzunehmen, einzustellen. Dafür schickt ein jeglicher von ihnen seine Söhnletn, mit denen sie Gott zahlreich gesegnet, aus, sämmtlich gut gemästete zum Pidjonnehmen gut abgerichtete Baalbeßlech, die mit neuen jugendlichen Kräften das Geschäft betreiben sollen. Wir haben also jetzt anstatt einiger alten, viele junge mit aller Energie ausgerüsteten Fanatiker, die in ihren Debüten so glänzenden Furore machen, daß das arme Volk als Tribut seiner Bewunderung und Anbetung die Bestreitung der glänzenden mit unerhörtem Luxus geführten Hofstaaten eines jeden auf sich nehmen müsse. — Die glänzenden Equipagen, die kostspieligen Pelzmäntel und Schmucksachen, bilden die Decorationen, welche die Comödien dieser tragikomischen Betrüger effectvoll machen sollen! Einerderselben hat sich ein Chänukkalämpchen machen lassen, das, wie Gutunterrichtete sagen, über 12,000, sage Zwölftausend Silberrubel kosten sM Wie viel Blut wurde

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