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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1865-02-21 · Heft 8 (21.2.1865) · p. Seite 121

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
29 (1865)
Issue
Heft 8 (21.2.1865)
Date
1865-02-21
Page
Seite 121 (sequence 11)
Language
German
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121 Ich frage jeden Denkenden: glaubt man mit solchen Comödien noch lange das Volk beherrschen zu können? Zum Schluffe noch eine erfreuliche Nachricht. Nachdem das Bedürfniß, die weibliche Jugend Brüssels bei der Erlernung und Wahl eines Berufes zu unterstützen, von allen Seiten laut geworden, hat sich ein Counts von Senatoren, Kammermitgliedern, Stadträthen und andere Honoratioren behufs Gründung einer weiblichen Gewerbeschule (6cole professionelle des femmes) gebildet und ist Herr Bischoffsheim zum Präsidenten und ein anderer Israelit, der Herr Graveur Wiener, zum Mitglied des Vorstandes gewählt worden. Das Local ist schon gefunden, die Statuten angenommen, das gute Werk wird gelingen trotz des Zornes der klerikalen Blätter, weil diese Anstalt, welche keinen confessionellen Charakter hat, auch die katholische Obhut nicht zuläßt. Unlängst wurde auch eine höhere Töchterschule von der Stadt Brüssel, mit Ausschluß des Klerus, errichtet. Die Donner der Ultramontanen haben nicht verhindert, daß diese Schule schon über 500 Zöglinge aus den besten Familien besitzt. W. B. Amerika. Baltimore, 14. Januar. (Privatmitth.) In Nr. 47 d. Zeitg. vom vor. Jahre findet sich von New-Iork aus eine Notiz über eine hiesige Gemeinde, die wir nicht ganz mit Stillschweigen übergehen dürfen; nicht als, ob wir der Sache an und für sich eine zu große Wichtigkeit beilegten, sondern weil jene Notiz dazu geeignet ist, ein schiefes Licht auf unsere Verhältnisse im Allgemeinen zu werfen. Es wird nämlich dort als Beweis, „daß die rabbinische Casuistik sich auch nach Amerika verpflanzt" habe, bemerkt: „In Baltimore hatte eine Gemeinde zur Chanukkah-Lampe Gas statt des Wachses oder Oeles sich bedient. Der Fall wurde einem Herrn Jllowy, gegenwärtig Rabbiner in New- Orleans, vorgelegt und die Frage so gestellt: Ist das Gas aus religiösem Gesichtspunkte zu diesem Gebrauche angemessen? Die Antwort des Herrn Jllowy fiel verneinend aus." So weit jene Notiz. Die Sache verhielt sich so: Die hiesige Gemeinde „Nidche Israel“ oder wie sie sich nach der Straße, in welcher ihre Synagoge gelegen, nennt: die „Lloyd Street Congregation“, ließ vor einigen Jahren, nachdem die zwei darum befragten hiesigen Rabbiner sich für die Zulässigkeit erklärt hatten, in ihrem Gotteshause eine Gaslampe zum Gebrauche für Chanukkah anbringen. Ein Mitglied jener Gemeinde jedoch, beiläufig gesagt, ein Mann von mehr als zweideutigem Charakter, der seit einigen Jahren seine Flecken und Risse unter dem Mantel großer, zur Schau getragenen Frömmigkeit zu verstecken sucht und der dafür von Herrn Jllowy, als er bei jener Gemeinde fungirte, mit der Morenu belohnt worden war — dieser protestirte gegen den Gebrauch des Gases zu obigem Zwecke. Die Gemeinde kümmerte sich nicht darum. Jener Mann ließ es dabei nicht beruhen, sondern legte die Sache seinem Lehrer und Meister, dem Herrn Jllowy, gegenwärtig Rabbiner in New-Orleans (früher in derselben Eigenschaft nacheinander in Philadelphia, Syracuse, St. Louis, Baltimore und irren wir nicht, auch eine kurze Zeit in New-Iork) vor, der sich, wie zu erwarten, gegen die Zulässigkeit des Gases zu solchem Gebrauche erklärte.*) Auch um diesen Ausspruch ihres ehemaligen Rabbiners kümmerte sich die Gemeinde nicht: Die Gasflammen leuchten nach wie vor zum Makkabäerfeste. So viel mögen Sie versichert sein: Die Neuorthodoxie kann in Amerika keinen Fuß fassen. Als Beweis, wenn es eines solchen bedurfte, nur dieses. Die obengenannte. Lloyd St. Gemeinde, ebenso die sogenannte '„deutsche Gemeinde" in Philadelphia, eine der größten jüdischen Gemeinden Amerikas, suchen schon seit Jahren Rabbiner, und zwar orthodoxe, wie die Avertissements sagen; um beide Stellen bewarb sich Herr Jllowy, der sich so gerne als den Repräsentanten der amerikanischen Orthodoxie geberdet, und beide gingen mit großer Mehrheit über die Wahl zur Tagesordnung über, obgleich (weil?) derselbe schon an beiden als Rabbiner fungirt hatte. Ostindien. Bombay, im November. (Jew. Ghr.) Kürzlich wurde hier eine große Versammlung von Kaufleuten, Banquiers und den angesehensten Einwohnern gehalten, unter dem Vorsitze Sr. Exeellenz des Gouverneurs. *) Als Grund der Verneinung gab der RabL. Ä. an, daß die Gasröhren, welche das Gas nach der Synagoge führen, mit denen Zusammenhängen, welche eS nach den Kirchen leiteten.'!! Correfp. 8**

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