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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1865-02-21 · Heft 8 (21.2.1865) · p. Seite 119

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
29 (1865)
Issue
Heft 8 (21.2.1865)
Date
1865-02-21
Page
Seite 119 (sequence 9)
Language
German
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119 des Schulbesuches geknüpft, in dm südwestlichen Kronländern, Steiermark und Tirol, beständen Präventiv- Maßregeln, welche mehr dem patentirten Hasse als der christlichen Liebe und Duldsamkeit entsprechend sind. In der dritten Gruppe, Böhmen, Mähren u. s. w. sei die Besitzfähigkeit unbeschränkt anerkannt. Vom staatsrechtlichen Gesichtspunkte aus müsse jedoch hervorgehoben werden, daß in der Militärgrenze, die zu den constitutionell regierten österreichischen Provinzen nicht gehört, speciell das Gesetzgebungsrecht Sr. Majestät dem Kaiser als oberstem Kriegsherrn zusteht und von ihm allein ausgeübt werde. So sehr dem Petitionsausschusse die Bitte des Gesuchstellers gerechtfertigt erscheinen mag und in den allgemeinen Grundsätzen des Privat- und Staatsrechtes die vollständigste Unterstützung findet, so liege doch ein zu sehr aus Ausnahmszuständen gegründeter Fall vor, und der Petitionsausschuß müsse sich mit dem Anträge begnügen: „Das h. Haus wolle beschließen, die Petition der hohen Regierung anzuempfehlen." — Der Antrag wird ohne Debatte angenommen. ProßmH, im Februar. (Privatmitth.) Am 14. Januar wurde hier unter großer Betheiligung der 68. Geburtstag und zugleich die 40jährige Wirksamkeit des vr. Gideon Brecher als praktischer Arzt gefeiert, ein Acr, der um so allgemeineres Interesse verdient, als der Jubilar durch seine vier Schriften: die Ausgabe des Kusri mit neuem hebräischen Commentar, die Schrift über die Beschneidung, über die Unsterblichkeitslehre der Seele im Judenthume, die durch Isidore Cahen ins Französische übersetzt wurde, und das Transcendentale, Magie und magische Heilmittel im Talmud (Wien, 1850) sich Verdienst und Anerkennung erworben hat. Auch zu den ersten Jahrgängen dieser Ztg. hat Herr vr. B. manchen werthvollen Beitrag geliefert. Zu dieser Feier hat Herr vr. M. Duschak eine gut geschriebene Biographie des Gefeierten (Proßnitz , Rottberger 1865) geliefert. Allerdings floß das Leben des vr. B. in . so ruhiger und ungetrübter Weise dahin, daß es eben nur durch seine segensreiche Wirksamkeit die Trefflichkeit seines Charakters und den hohen Sinn, den er über alle seine Beziehungen als Mensch und Israelit, als Arzt und Schriftsteller zu breiten verstand, hervorleuchtet. Am 14. Januar 1797 in Proßnitz geboren, verlebte er seine erste Jugend als Talmudschüler, fing in seinem 14. Jahre an, deutsche Bücher zu lesen, ging nach mehreren Moschiboth, wurde mehrere Jahre Hofmeister, lag dann den profanen Studien ob und ging 1817 nach Pesth zu einem Onkel, um in dessen Geschäft zu treten. Als dieser aber von.seiner Religion abfiel, wandte sich Brecher dem Studium der Medicin zu und promovirte 1824. Er zeichnete sich hierbei so aus, daß ihm der damalige Protomedicus von Ungarn, vr. Phisterer, ein Comitatsphhsikat anbot. wenn er . sich taufen ließe. Brecher wies trotz seiner Armuth, die glänzende Verlockung ohne Weiteres zurück, ging '1825 nach seiner Vaterstadt und ließ sich daselbst als praktischerArzt nieder, wo er nun 40 Jahre in segensreichster Weise wirkt. Seit 1827 lebtHr. B. in einer glücklichen Ehe, seine drei Söhne haben bereits eine ehrenhafte Selbständigkeit erlangt. Die wohlverdiente Jubelfeier wurde von der Gemeinde und allen ihren Instituten, von seinen Collegen, vom dortigen „Sängerbünde" durch Fackelzug und. Serenade und von vielen Einzelnen in der Nähe und in der Ferne durch Ehrengeschenke, Adressen, Depeschen u. s.w. gefeiert. Zugleich wurde eine Brecher-Stiftung gegründet, welche die Unterstützung armer proßnitzer Studirenden zum Zwecke hat. So vereinigen auch wir unfern lebhaften Wunsch, daß dem Jubilar noch viele glückliche Jahre bevorstehen mögen! Tokai, 15. Januar. (Privatmitth.) Auch in diesem Jahre wird unter der Redaction des tüchtigen isr. Lehrers, Nathan Fischer, die Wochenschrift „Zempl6ni Uii-Läo", ein landwirthschaftliches und belletristisches Organ erscheinen. Das Blatt zeichnet sich durch gediegene Arbeiten aus und sind die Bemühungen des Herrn Fischer, um die Hebung der ung. Literatur wahrhaft anerkennungswerth, was auch die gesammte vaterländische Presse bei Beurtheilung dieser Zeitschrift am Schluffe des eben abgelaufenen Jahres auf das unzweideutigste und toleranteste bestätigte.. Frankreich. Paris, 28. Januar. Mit welcher Ungenirtheit die Vertheidiget des Ultramontanismus der allbekannten Wahrheit ins Gesicht zu schlagen gewohnt sind, davon gibt Folgendes ein starkes Pröbchen, dgs wir der „K. Z." entnehmen: „Der Bischof von Marseille hat eine eigene Art, die päpstliche Enchklica gegen die derselben gemachten Vorwürfe zu verteidigen. Da es keine 8

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