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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1865-02-21 · Heft 8 (21.2.1865) · p. Seite 115

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
29 (1865)
Issue
Heft 8 (21.2.1865)
Date
1865-02-21
Page
Seite 115 (sequence 5)
Language
German
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115 schurun von Dr. Kobak (Heft 3—4).; Die Tendenz des Herausgebers „die Wissenschaft des Judenthums in des Wortes strengster Bedeutung zuffördern" bekundet sich aber nur in dem vortrefflichen kritischen Artikel von Weis in Wien, über die Gebete, und wir finden es ganz angemessen, daß K. dessen dazu gehörenden Artikel Jjun Tefilah aus Keller's Bikurim hier mitabgedruckt hat. Solche Artikel sind hoffentlich präludirende Uebergänge zu noch tiefer eingreifenden und einschneidenden Forschungen auf dem halachischen Gebiete, die ersprießliche Resultate erzielen werden. Eine sehr weitschweifige Erklärung zu der bekannten, von Frankel, Lebrecht u. A. beleuchteten Stelle in der Sifre zu 03 drbi, wird hier von Rabb. Oppenheim mitgetheilt, die man den gegebenen Erklärungsversuchen nur anzureihen hat. Um unserm Vorsatze gerecht zu werden, müssen wir auch einige Beispiele vorführen, von dem, was K. „Wissenschaft in des Wortes strengster Bedeutung" nennt. Eine ausführliche Kritik über-die alte Streitschrift von Luzzatto, über die Kabbala, wird hier von dem in Jerusalem wohnenden Holländer Coronet mitgetheilt. Der Vers., im Besitze vieler handschr. kabb. Werke und sehr belesen in dieser Literatur, gibt aus derselben schlagende Belege für die Hinaufdatirung der Kabbala bis zu den Tanaim und für die wirkliche Kundbarmachung derselben durch den Propheten Elias. Jeder müsse an diese Wissenschaft glauben, sagt der Vers., wie wir - an alle Überlieferungen unserer Lehrer glauben müssen. Glücklich sei derjenige, dem Elias im Traume erscheint, noch glücklicher, wer mit ihm von Angesicht zu Angesicht spricht und sich seines kabb. Unterrichts erfreut. Von großer Bedeutung ist die Untersuchung, ob M. b. Nachmann das 3te oder 4te Glied in der kabb. Traditionskette sei, unabweisbar auch die Behauptung, daß Abulefia kein Schwärmer und Betrüger gewesen — wie ihn sein Zeitgenosse S. Addereth darstellt —-; denn Azulai widerspreche dem aufs Bündigste. Der Literärhistoriker erfährt hier auch die Existenz, einer Schrift, Maase Cfod, von einem ganz unbekannten Grammatiker, PerifotDuran, aus der er die ganz neue Ansicht mittheilt, daß Esra die Punktationeu und Accente erfunden habe. Der mit berichtigenden Noten nicht geizende Herausgeber hat hier unterlassen zu bemerken:, daßein anderer nicht/ ganz so unbekannter Grammatiker, E. Levita, diese Ansicht bereits angeführt und widerlegt hatte. Der Herausgeber selbst druckt aus einer Handschrift eines nicht benannten Verfassers zwölf Antworten auf verschiedene Fragen mit, worunter nur, die eine Frage: ob Gebet oder Opfer vorzüziehen sei,- vernünftig beantwortet ist; alle andern muß man nur lesen, um zu wissen, daß man nichts verloren, wenn man sie auch nicht gelesen hätte. So wird die Frage: warum Gott den Tempelbau am Sabbath verboten / aber im Tempel das Opfern erlaubt habe, damit beantwortet, weil die Talmudisten die am Sabbath verbotenen 39 Arbeitsarten vom Tempelbau abgeleitet haben, so mußte Gott folgerichtig den Tempelbau selbst am Sabbath untersagen. Eine andere noch unsinnigere Beantwortung dieser Frage würzte K. durch Erklärung eines von ihm für unverständlich dargestellten Midraschs, *) nach alter magidischer Art, womit er die religionsphilosophische Frage auch beantwortet, wie Gott die Reue und Buße'des Sünders annehmen könne, da dieses doch Bestechung sei! In der Leigegebenen deutschen Abtheilung wird von Levysohn seine früher begonnene ausführliche' Abhandlung über die Opfer des Alten Testamentsfortgesetzt. Der Verf. der talmudischen Zoologie hat sicherlich diese Arbeit nur begonnen, um veru Satze zu genügen: Wer sich mit den Opfergesetzen beschäftigt, dem wird es abgerechnet, als hätte er Opfer dargebracht. Da wir nun in unserm Schuldbuche keine durch Opfer zu sühnende Sünde vorgezeichnet fanden, so wird es unser verehrter Freund verzeihen, wenn wir bekennen, diese Abhandlung nichtgelesen zu haben, dagegen aber mit vielem Interesse die mitgetheilte Urkunde. Ferner werden vom Herausgeber einige unbedeutende talmudische Textderbefferungen mitgetheilt, die sich aus der hebr. Abtheilüng verlaufen haben und von Rabb. Oppenheim, die Hypothese, daß er in : der gerichtlichen Formel '>0'»'' tiO''''rc: - Jovis zu finden glaube. Aus'Mangel an Material sinkt der Herausgeber von seinem streng wissenschaftlichen Höhepunkte: in die Flachheit ephemerer Unterhaltung und Novellen-aus Pascheles Kalender müssen dem liorror viilui der Druckbogen ab helfen. - : : " 2. 'Ein anderes bedeutendes Sammelwerk hat Coronel aus Jerusalem in Wien herausgegeben; es enthält *) Als Kajins Buße von Gott angenommen würde, heißt' es in M. Rabba, da erhob sich Adam in Daukgefühl und dichtete den Psalm für den Sabbath. Wer nicht von magidischem Geist inspirirt ist, erklärt diesen Midrasch 'einfach damit, weil dieser Psalm mit den Worten beginnt: Es ist gut dem Ewigen zu danken; was nun der Midrasch übersetzt: Es ist gut dem Ewigen (seine Sünden) zu bekennen.

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