Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 8 (21.2.1865)
- Date
- 1865-02-21
- Page
- Seite 114 (sequence 4)
- Language
- German
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114 lung der Juden;fci in den verschiedenen Ländern der Thermometer nicht blos für die Cultur, sondern auch für den öffentlichen Wohlstand und folgerichtig für den öffentlichen Credit." (Schluß folgt.); Zerstreute Bemerkungen. Zu unserm Erstaunen fanden wir in diesen Tagen eine Not^z, welche erweist, daß die Gewohnheit der jetzigen preußischen Reactionäre, alle liberalen Ideen und Institutionen dadurch beschimpfen zu wollen, daß sie. diese als jüdisch und ihre Träger mit den Juden identisch bezeichnen, keine neue ist, sondern bereits vor einem halben Jahrhundert Platz gegriffen. Die Leute sind also auch hierin conservativ. Im zweiten Bande von Roscher's System der Volkswirthschaft, 4. Aust. (Stuttgart 1865), S. 393 fanden wir die.,Notiz, daß „die Opposition der Junkerpartei gegen Hardenberg den Vorwurf los ließ, er wolle.aus dem ehrlichen brandenburgischen Preußen einen. neumodischen Judenstaat.machen." Sie. wandten dies insbesondere gegen die freie Bewegung des Grundeigenthums ein und wollten die Erhaltung der großen Ritter- und Bauerngüter sowie die Stiftung von Majoraten als eine „unerschütterliche Schutzmauer des Thrones." Zunächst mochte sie wohl aber der Umstand dazu bringen, daß Fürst Hardenberg zur und nach der Zeit der Befreiungskriege sehr judenfreundlich gesinnt war, und z., B. gegen Lübeck, das die während der Fremdherrschaft dort ansäßig gewordenen Juden ans feinen Mauern vertrieb, ein drohendes Schreiben erließ. Bekanntlich hielte Hardenberg, wenn er Widerstand fand, nicht lange an seinen Ansichten und Grundsätzen fest. Nichts erweist mehr, wie tief die heutigen Staaten noch im Heidenthum und Barbarenthum verstrickt sind, als das Verhaltniß der Kriegs- und Unterrichtsbudgets. Bekanntlich kann sich die französische Regierung noch immer nicht zum obligatorischen Schulunterricht bestimmen und läßt lieber den Volksunterricht in der schlimmsten Beschaffenheit. Dafür will man jetzt wenigstens. die Unentgeltlichkeit des Unterrichts für die Kinder der Armen einführen. Aber es erheben sich viele Einwände. Die „K. Z." sagt: „Daß sich unter den Gründen gegen die Unentgeltlichkeit auch finanzielle Bedenken kund gethan haben, wie die France andeutet, klingt käüm glaubhaft, wenn man bedenkt, daß eine 'Nation, Pie auf dem Friedensfuße sogar 404,195 Soldaten und' 86,368 Pferde erhält und ein Kriegs-Budget von 367,862,620 Frcs. verausgabtwozu noch auf dem außerordentlichen 5 */3 Mill. und für Algerien runde 20 Mill. kommen, nicht den Ausfall sollte zu decken vermögen, den die Abschaffung des Schulgeldes bei unbemittelten Eltern machen würde. Auf dem ordentlichen Budget für das Jahr 1865 steht das Unterrichts-Ministerium mit 26,051,121 Frcs. und auf dem außerordentlichen mit 900,000 Frc.; Frankreich verwendet also von der großen Gesammtsumme seiner Ausgaben, die 2 Milliarden und 99,267,618 Frc. betragen, für den Unterricht nur runde 27 Millionen, während das Ministerium des kaiserl. Hauses und der schönen Künste mit 12,314,200 und 8,070,000, also mit 20*/3 Mill., aufgeführt wird. Diese Parallelen sind wohl geeignet, über den Kern des napoleonifchen Systems ernste Betrachtungen anzustellen." Der Krieg im Frieden verschlingt also— die Marine ganz ungerechnet — */5 des Gesammtbudgets, der Unterricht erhält nur Hostel oder das Landheer allein verzehrt 15 mal mehr als daö gesammte Unterrichtswesen des gesammten Frankreichs!!! — Jndeß, um gerecht zu sein, muß zugestanden werden, daß — es in anderen Staaten um nichts bester ist. Ein Statistiker mußte einmal zusammenstellen, was im hochcivilisirten Europa zusammen die Kriegsheere und Kriegsflotten kosten und was der Unterricht — wie beschämend wird das Resultat sein! Literarischer Wochenbericht. Frankfurt a. M., im Februars (lieber einige neuere Schriften der hebräischen Literatur.) Die ungeheure Dimension, welche die hebr. Literatur in unserer Zeit angenommen, macht es dem Leser kaum möglich, einen Ruhepunkt zu finden, um das geistige Material zu verarbeiten und nutzbar zu verwerthen. Ein ausführliches Referat kann - daher kaum verlangt werden, besonders über Schriften, wo man das geistige Atom aus einem Decoct überflüssiger und in Ueberschuß beigemischter Substanzen heraussiltriren muß, und dies ist im allgemeinen bei solchen Sammelwerken der Fäll, wo der wissenschaftliche Trieb nicht das gewaltige und einzig treibende Agens der Herausgabe ist. 1. Wir nennen hier zuerst die hebr. Zeitschrift Je-