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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1865-02-14 · Heft 7 (14.2.1865) · p. Seite 110

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
29 (1865)
Issue
Heft 7 (14.2.1865)
Date
1865-02-14
Page
Seite 110 (sequence 16)
Language
German
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ineinfchast tritt' mir und mit^ meiner Unterschrift' gilttgermrrßen. vollzogen werden'darf.. Im Staats-Kalender der Jahre 1837 bis incl. 1850 stand ich als-Beglaubigter und Translator eingetragen. Einige Zeit nach' meinem Amtsantritte waxd der dortige Schäch.ttzr)krank,/ünd 'ich Vetwaltete'sein! Amt/acht Monate hindurch , alle, betreffenden, Einkünfte ihm, dem alten und kranken Manne, überlassend. Als dieser,dann sein Amt völlig niederlegte,, bat der damalige -Landrabbiner, Hr. V. Scheyer Eliason s. Ä.,dringend,- ,ich solle zu seiner Beruhigung das Schächteramt übernehmen, und so kam es, daß ich dann in Strelitz Schächter,auch, war. Mit dem gedachten Landrabbiner war ich zehn Jahre im Amte, und während er verreist war, was sehr oft, traf, war . ich zur Führung seines Amtes autorisirt. Welch Intimität zwischen uns obwaltete, davon zeugen die von diesem, hochwürdigen Rabbi nach seinem Abgänge an mich gerichteten Briefe, deren zwei der löblichen Redaction zu gefälliger Einsicht hiermit eingesandt werden. - Nachdem im Jahre 1846 dieser Rabbi sein Amt niederaelegt, ward zur Wahl eines anderen Landrabbiners geschritten. Blinde Partei-Leidenschaften einerseits und schlaue Ränke andererseits machten es möglich, daß Hr. R. gewählt wurde. Dieser trat im September 1847 sein Amt an, und — sehr bald erkannte die Gemeinde ihren unglückseligen Mißgriff, indem Hr. Reichmann nicht nur seine erstaunliche, fast unglaubliche Unfähigkeit an den Tag legte, sondern auch als Rabbiner, mehrere Thatsachen übte, die jedes jüdisch-religiöse Herz verabscheuen muß. Sv hat er, t.r o,tz d em i ch pers.önlich. ihn.gewarnt, in Neustrelitz einem gesunden Knaben^ ohne vorangehende Beschneidung, vier Wochen nach der Geburt/unter Zuziehung zweier jüdischen und zweier christlichen Zeugen, einen Namen ertheilt und über ihn „der Herr segne dich" ausgesprochen. Nachdem er dieses gethan, erklärte ich, daß ich den Hrn. R. nicht als Rabbiner anerkenne, und daher in Rabbinats-Angelegenheiten nicht mit ihm verhandeln werde, und am 18. Februar 1850 ward durch einen Notar — vom Gesammt - Vorstande des ganzen Landes abgesandt — denr Herrn R. sein Amt gekündigt. Doch er hatte dem bereits vorgebeugt — JOb73 ra rrL->ip — er hatte bei der Regierung angegeben, daß die Gemeinde großtentheils aus der Regierung feindlichen Demokraten bestehe, Alexander aber hyperorthodorfei und deshalb mit den, Demokraten gemeinschaftliche Sache habe, ihn — den lammftommen Conservativen — zu ftürzem Es gelang ihm — die Regierung inhibirte die Kündigung. Vom Vorstande, als demokratisch angeschwärzt, durfte es niemand wagen, vor der Regierung zu erscheinen. Da trat ich in die Schranken, mündlich und schriftlich wendete ich mich an die Regierung, und endlich, im Monat Juli 1850 reichte ich derselben eine sehr umfassende Denkschrift ein, in welcher ich nachwies, daß Herr Reichmann zum Rabbineramt weder fähig noch würdig ist. Darauf wurde ich durch den Justizrath Herrn Kammerherrn v. Oertzen aufgcfordert. persönlich vor dem Herrn Minister/ dem Herrn Grafen v/B., zu erscheinen. Dieser hohe Herr nahm anfangs sehr gnädig mich auf und wollte mich bewegen', die Denkschrift zurückzunehmen und mit Reichmann „Hand in Hand zu gehn." Als ich aber erklärte, daß ich R. Nicht als Rabbiner anerkennen könne, wurde mir zum Vorwurf gemacht,' daß ich mit der Gemeinde unter einer Decke spiele. Der Herr Minister sagte in Bezug auf R.: „Dieser Mensch soll der Gemeinde zur Strafe im Amte bleiben." Entlassen-wurde ich mit dem Bemerken, daß die Regierung mich zwingen werde, Reichmann als Rabbiner anzuerkennen. Nun kam ein Regierungsbefehl, mich in meiner ‘ Eigenschaft als Schächter von R. prüfen zu lassen, was ich nur dann thun wollte, wenn zwei anerkannte Rabbiner zugezogen werden, denn dann mußte bei der Prüfung Reichmann's Unfähigkeit desto mehr kund werden. Reichmann wollte'däraus nicht eingehen. Die Regierung erließ einen Befehl an den Vorstand, mich bis dahin, daß ich mich von R. prüfen lasse, vom Schächteramte zu suspendiren; der! ^yrstLndipäKtestirtezdägegeir./ .Der BMljwurdeWikM ThcW i Strafe .verschärft; eift^Morsteher, Herr M.- Solomon,, zahlte, die. \ Strafe und der Vorstand verweigerte! 'es? /die SüSpeüsion aüs- - zusprech en. Endlich doch — - am: 28.- Angust /1850 : durch Re- : gierungsgewalt wurde ich vom Schächteramte, aber nur, von ■ diesem, süspendirt/ später ward auch dör'Äorstand' abgesetzt. Für den Verlust, der durch die 'Suspension-: mir "entstand, haben die braven' Strelitzer mich, entschädigt; 'aber-?des Kampfes müde, und .nachdem, ich m Stargard - in Pommern eine mir -angemeffej nere Amtsstelle, als Prediger und .Religionslehre.r, „gefunden,^ kündigte ich am 31. December l^öv nreine strelitzer Stelle, Wie ich dann am 1/ April' 1851 niederlegle.Dies dw ge^wung en e .Niederlegung meines Amtes. : Mein Wirken iw Strelitzwo ich 14 */a Jahre im Amte war/ ist-von feiten der Gemeinde stets, als ehrenvoll.anerkannt worden, und rin vom jetzigen dortigen Landrabbiner am 2. December 1863 an mich gerichtetes Schreiben beginnt: „Dem guten Namen, in welchem Sie hier noch rühmlich in, Andenken stehen" - u;/s./-ly.-'.---^-'..-Jn-.Stargard war ich 3 Jahre, hier in Pleß bin ich bereits circa 1l Jahre, i und niemand kann die Ehrenhaftigkeit meiner Amtsführung .iu. , Abrede stellen, amallerwenigsten der „Lügenhaftigkeit" oder „Verleumdung" mich beschuldigen. Uebev Reichmann aber in voller Wahr he i t: ' 1) Daß derselbe in Strelitz bis zu meinem! Abgänge von: dort I den Titel Doctor.nicht hatte; ob /und. wie - erspäter dazu! .... gelangte, ist mir gleichgiltig.! 2) Sein Wirken in.-Strelitz -war sehr reich an — Processen und Angebereien gegen den Vorstand, gegen einzelne Mitglieder des Vorstandes und gegen andere Gemeindeglieder. ÄZie. fein Wirken in. Landsberg war, ist mir fremd geblichen. : Aber Reichmann als Rabbiner:.befriedigend wirken? Unmöglich! Man sieht ja-auch, daß die landsberger Gemeinde -— nicht un- : ter mecklenburger Regierung stehend — sich seiner zu entledigen : wußte. ' " ' ' ' /; ‘ ' Nun aber dem „Publicum" etwas Pikantes aus meiner Denk-! schrist. Beim Examen in der strelitzer öffentlichen und Freischule zu Ostern 1848, nahm Hr. R. als Hebräischlehrer das 19.'Kap. der Psalmen durch. Beim 6. Vers angelangt, sagte er: „Hier . hat der Dichter sich verwirrt, die Sonne, ist weiblich,: darum : muß der folgende Vers .so übersetzt werden: und f t e ■, 7I7IN2 wie eine Braut, 8!^ sie geht aus, ir>DN72 aus ihrem Gemache, sic ftcut sich,wie eine Held in." — Herr Reichmann! ist das „lügenhaft", 'verleumderisch? Es geschah öffentlich - in dem von einem zahlreichen ^Publicum" gefüllten Schullocale. Ebenso offenkundig sind alle in meiner Denkschrift gegebenen Thatsachen, daher denn auch eine-Untersuchung . der Thatsachen durchaus vermieden wurde. Herr R. hatte bei der Regierung geklagt, daß ich die'Denkschrift mehrseitig verbreitet habe, und dieses ließ die.Regierung untersuchen. Die Untersuchung war resultatlos. Die.Wahrheit, der Thatsachen wurde nicht untersucht/ wahrscheinlich, weil man sie nicht wissen'wollte. Die Denkschrift selbst wurde vom Richter in Abschrift nach Breslau an den Hrn. Landrabbiner Tiktin und nach Altona än den Hrn. Oberrabbiner Oeitlinger gesandt; und diese Herren Rabbiner gaben ihr Gutachten gegen Herrn Reichmann und ftir mich. Schließlich die Nachricht, daß ich beabsichtige, wenn genügende Bethciligung sich kundgeben wird, die in Rede stehende Denkschrift zu.veröffentlichen. . Simon Älerander, Pleß, im Januar 1865. , ' - Rabbiner - und Prediger.? Jüdisches Volksblatt Ro. 6. 1865. Sprüche der Enkel. — Ein Ausflug nach Anathoth. — - Ein hundertundfünfzigjähriges Jubelfest.' — 'Die Kraft der'' Seele. — Charakterzüge. — Eine Chanukkahfeier. — Anekdote. — pik. Durch' alle Buchhandlungen und Postämter zu beziehen/ Jährlich 1, Thlr./Vierteljährlich '/* Verlag von Baumgärtner's Büchhandkurtg in Leipzig.— Drück von Z. B. Hirschfel-. Verantwortlicher Redacteur: vr. Abraham Nager. (Hierzu eine Beilage.)

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