Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 7 (14.2.1865)
- Date
- 1865-02-14
- Page
- Seite 101 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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101 Das Institut zur Förderung der israclit. Literatur. In der nächsten Woche beginnt die Versendung der diesjährigen Schriften des Instituts. Sie befassen diesmal 117 Druckbogen, meist von großem Octavformat. Hiermit schließt sich das zehnte Jahr dieser Anstalt und es geziemt sich daher wohl, einen Rückblick auf das zurückgelegte erste Jahrzehend zu machen. Wir lieferten in dieser Zeit, abgesehen von den Abonnentenlisten, Berichten und Circularen, 55 Bände in zusammen 182,000 Exemplaren. Von diesen war einer zu 47 Bogen, 10 von 30—40 Bogen, die meisten anderen von 20—30 Bogen. Unter ihnen befinden sich zwei Werke zu fünf Bänden, drei Werke zu drei Bänden, drei Werke zu zwei Bänden. Ueber den Werth vieler dieser Werke entscheidet wohl der Umstand, daß unter diesen 55 Bänden 16 sofort eine Separatauflage neben der des Instituts und 10 Bände seitdem neue Auflagen erfahren haben. Subventionirt wurden in diesem Zeiträume vom Institute 11 Schriften, von welchen 4 in hebräischer Sprache.— Ein besonderes Interesse, gewährt ein Ueberblick der geographischen Verbreitung der Abonnenten. Gibt es doch nicht wenige, welche daraus einen Culturmaßstab entnehmen wollen. Hierbei fällt sofort ins Auge, welche vorwiegende Stellung Preußen einnimmt, das von den 3400 Abonnenten des Instituts 1370 zählt, also weitaus über das ganze Drittel. Hierauf folgt das übrige Deutschland ohne Oesterreich mit 783; der ganze österreichische Kaiserstaat mit 547. Das nächstbetheiligte Land ist Holland mit 120 Abonnenten, dann die Donaufürstenthümer mit 72, Rußland mit 61, England 56, Amerika 54, Dänemark und Schweden zu je 43, die Schweiz mit 35, Frank« reich 33^ Belgien 12 und endlich Italien 4, wobei jedoch 19 in Venedig und der Lombardei, soweit sie noch zu Oesterreich gehören, zu diesem letzteren gezahlt sind. Sehen wir uns Deutschland außer den beiden Großstaaten noch genauer an. So nehmen die erste Stelle die Hessenländer ein, die mit Nassau zusammen 212 Abonnenten haben. Hierauf B a i e r n mit 136 und Hannover mit 101, Baden 65, Würtemberg 61, Frankfurt a. M. 48, Sachsen 42, Waldeck 27, Mecklenburg 25, Hamburg mit Holstein 25, Braunschweig 22, Oldenburg 8, die sammtlichen thüringer Fürstenthümer 7, Anhalt 4 (Köthen 1, Koswig 3). Die einzelnen Krön- Länder des österreichischen Kaiserstaates stellen sich folgendermaßen: voran Ungarn mit 229, Galizien 116, Böhmen 69, das Erzherzogthum 62, Mähren 52, Venedig-Lombardei 19. — Will man hieraus einige Urtheile ziehen, so muß man die jüdische Bevölkerung jedes einzelnen Staates vergleichen. Wir überlassen dies den Sachkundigen und bemerken nur, daß, nach dem Bevölkerungsverhältniß bemessen, Schweden die ungleich größte Theilnahme und hierauf Dänemark erweist. Nur noch eines wollen wir hervorheben, wie wenig nämlich gerade die großen Gemeinden in den Hauptstädten mit ihrer Opulenz und gespreizten Bildung hierbei das Hauptgewicht tragen. Denn wenn Berlin 100, Wien 60, Breslau 60, Mainz 75, Posen 50, Pesth 40, Frankfurt a.M. 40, Prag 30, Königsberg 44, Hamburg — 18 Abonnenten zählen, so kann niemand behaupten, daß dies ein normales Berhältniß zu der Größe dieser Gemeinden und zu den Ansprüchen ist, die sie machen und die man an sie machen kann. So fällt es auch auf, daß in Frankreich das ganze deutschredende Elsaß und deutschverstehende Lothringen keinen einzigen Theilnehmer — die Rabbinen eingeschlossen— zählt, wenn man die 4 in Hegenheim und 1 in Metz ausnimmt. Ueberhaupt läßt es sich nicht verkennen, daß, so erfreulich die Resultate im großen Ganzen sind, dennoch die Theilnahme eine ungleich größere sein könnte, woran, wie die oft bewährte Erfahrung gelehrt hat, nicht das Publicum selbst schuld ist, sondern, daß es vieler Orten an Männern fehlt, die sich der Sache angelegentlich annehmen. — Wir wollen hier nicht der großen Anstrengungen und Selbstaufopferung gedenken, welche die Leitung des Instituts gerade wegen seiner weiten Verzweigtheit erfordert und wie schwierig es ist, alle die damit verbundenen Angelegenheiten mit den Autoren, Druckern, Papierhändlern, Correctoren, Agenten u. s. w. zu ordnen; noch dazu, da nach der Natur der Sache gerade die Hauptarbeit, die Drucklegung der Schriften selbst, binnen höchstens drei Monaten vollendet sein muß, weil der Druck nicht eher beginnen kann, als bis die Gesammtzahl der Abonnenten in jedem Jahre festgestellt ist, um die Höhe der Auflage bestimmen zu können. Welche unabsehbare Correspondenz knüpft sich allein an diese Partie des Instituts. Indessen erkennen wir auch gern an, daß wir auf diesem Wege auch vieler Zuvorkommenheit und Bereitwilligkeit begegneten, daß kaum zweimal sich durch Umstände besondere Unannehmlichkei-