Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 6 (7.2.1865)
- Date
- 1865-02-07
- Page
- Seite 90 (sequence 12)
- Language
- German
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Stt *. Der Unterstützungs-Verein für Lehrer und Waisen wird ebenfalls in Bälde ins Leben treten und liegen die Statuten bereits dem ungarischen Statthaltereirath zur Genehmigung vor. ' Bonn, im Januar. (Privatmitth.) Durch die Freundlichkeit der resp. Vorstände sind wir — wie jährlich — im Besitz der Jahresberichte vieler wohlthätigen Vereine des Kaiserstaates, ohne daß uns der Raum d. Bl. gestattet, näher darauf einzugehen. Erwähnen wir nur einiges. Der „Pesther allg. israel. Kranken- und Leichenverein", gegründet 1850 mit 45 Mitgliedern, zählt jetzt 800 Familien, und zwar über 5000 Köpfe. Er hat in dieser Zeit allein für die Bereinsärzte 16,000 fl., an die Apotheken 30,000 fl., für Verpflegungskosten 19,000 fl., an die Witwen 15,000 fl., im Ganzen an 100,000 fl. verausgabt. Im verflossenen Jahre verausgabte er circa 18,000 fl. und behielt ebensoviel Vermögen zurück. — Der „israelitische Humanitätsverein" zu Arad wirkt in segensreichster Weise durch vorübergehende und dauernde Spenden an Arme, durch Bertheilung von Brennholz,. Brot- und Ostermehl, Bekleidung armer Schüler, Darlehn u. s. w. Er hat im vor. Jahre circa 2,400 fl. verausgabt. — Donaufürstenthümer. Bottuschan, 17. Januar. (Privatmitth.) Auch die hiesige israelitische Gemeinde , hat am 29. vorigen Monats vermittelst telegraphischer Depesche den Fürsten Kusa für die Aeußerung seiner Absicht, die bürgerliche Gleichstellung der Juden sobald wie möglich auszuführen, ihren Dank dargebracht und am Sabbath daraus einen feierlichen Gottesdienst in der großen altstädter Synagoge abgehalten, welchem auch der Präfect Hr. Nikolei Kaninau und mehrere Regierungsbeamte beiwohnten. Ich hoffe nun bald im Stande zu sein, Ihnen ein günstiges Resultat bemelden zu können, da gegenwärtig die Chancen sehr glücklich sind. Die von vielen intelligenten Männern gegründete Uniune israelita entwickelt hierbei eine lobenswerthe energische Thätigkeit. AuS Bukarests 25. Januar, wird telegraphirt, daß ein Blatt, „die Constitution", wegen Verunglimpfung der jüdischen Religion auf Befehl des Fürsten Kusa eine Verwarnung erhalten hat. Frankreich. Pariö/ 26. Januar. Der Erzbischof von Paris hat, wie die k'rauee meldet, beschlossen, alljährlich junge Geistliche seiner Diöcese zum Studium des H ebräisch e n rc. an d e ü t s ch e Universitäten zu schicken, um so für die Sorbonne gründlich gebildete Professoren der orientalischen Sprachen zu gewinnen. Der hiesige Klerus hat es zu bitter empfunden, daß er bei Besetzung der hebräischen Professur wegen gänzlichen Mangels an geeigneten Männern durchaus nicht concurriren konnte. Einige Proben aus den Protesten der Bischöfe mögen auch hier ihren Platz finden.': ‘ ’ Der Bischof von Metz findet es bedenklich, daß es in der Maßregel des Cultus-Ministers heißt: „die beiden päpstlichen Aetenstücke enthalten Sätze gegen die Grundprincipien, auf welchen'die Verfassung des Kaiserthums beruht." Diese Erklärung beunruhigt den Bischof „um der Zukunft seines'Vaterlandes willen;" denn, setzt er hinzu: „es ist eine große Gefahr für die Constitution eines Staates, wenn fie den Grundsätzen des. Glaubens und der christlichen Moral zuwider ist." Auch der Bischof von Rodez faßt „die Moralität der Ankläger, die Competenz der Richter, das Gesetz, welches in der Untersuchung entscheidet, und die'Folgen der Prüfung" ins Äuge. Was nun die Gegner der achtzig Sätze betrifft, „die Ankläger", so glaubt sich der Bischof nicht zu täuschen, wenn er versichert, „daß es Menschen sind, die nicht an die Kirche glauben, Protestanten, Juden, Freidenker, Saint-Simonisten, Pantheisten oder Atheisten, was auf eins hinaus kommt;" und dieses schwarze Complot, das in den Freimaurerlogen angezettelt ward, erklärt die Wuth, womit fie ihre Angriffe gegen das Oberhaupt der Kirche richten." „Zu den Freimaurerlogen kommen die Organe der periodischen Presse, welche die Völker verderben ..., welche mit Gier die Gelegenheit ergriffen Haben, um summarisch das Anathema gegen den Papst-König und was Papst-Kirchenhaupt zu schleudern." — Solchen Aeüßerungen begegnet man in'M-Protestschreiben überall. Diese zu widerlegen ist man überhoben, durch Heftigkeit und Schmähung zeigt man stets nur, daß die Vertheidigung schwierig oder unmöglich istt Nur den Standpunkt darf man sich nicht verrücken lassen: Wer hat angegriffen? und wer ist' also der Angreifer? Diejenigen, welche die Encyklica erlassen haben? oder die, welche sich gegen dieselbe chehren?