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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1865-02-07 · Heft 6 (7.2.1865) · p. Seite 91

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
29 (1865)
Issue
Heft 6 (7.2.1865)
Date
1865-02-07
Page
Seite 91 (sequence 13)
Language
German
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öl Corxefportdenz Briese aus Rußland. i. Die Mittheilungen über hierländische jüdische Verhältnisse stoffen Ihnen, geehrter Herr' Redaeteur, in der jüngsten Zeit so spärlich zu, daß. folgende, wie ich mir fchmeichele, über dieselben lichtverbreitende Rundschau für ihre geehrten Leser nicht ohne einiges Interesse sein dürfte. Das erste, was unser Augenmerk/ in hohem Grade auf sich zieht, 'ist wohl.unstreitig das Schulwesen. Nach allen Auspicien zu urtheilen, stehen demselben bei den umfassenden Reformen, die das hohe Ministerium der Völksäufklärung im ganzen Erziehungswefen deö Kaiserreichs vorzunehmen gedenkt, ebenfalls gründliche Umgestaltungen bevor. In der neuesten Zeit hat dasselbe einem Mitgliede seines Conseils,dem h. Geheimrath Alexander, Postels, einem gefeierten'Pädagogen,-vom Geiste der echten Humanität durchgrungenen und von allen Vorurtheilen ge-? gen unsere Nation freien Manne, aufgetragen, alle jüdische Lehranstalten seiner umsichtigen Visitation zu unterwerfen. ... Dieser hochsinnige Mann hat, nun . mit pädago-? gischem Scharfblicke seine Aufgabe zur Zufriedenheit aller gelöst. Im Journale des Ministeriums: hat er die Ergebnisse seiner Revision der - jüd. Schulen Südrußlands därgelegt. — Im allgemeinen sieht man daraus, daß Herr P. sowohl mit dem Zustande der öffentlichen als privaten Schulen, d. h. derjenigen, deren Unterricht geregelt und sich außer dem- Hebräischen auch auf das Russische, Deutsche u. s. w. erstreckt, zufrieden ist. —!■ Die ^Lehrkräfte^ derselben werden im ganzen als tüchtig; und vom regsten Eifer für ihren heiligen Beruf beseelt; ' dargestellt.' In manchen Beziehungen wird sogar denjüdischen Schulen der Vorzug) vpr den von ihm besuch-- ten, christlichen gegeben.. Dem Berichte über die Resullate seiner Visitation der jüdischen Schulen in den westlichen' Gouvernements sehen wir in kurzer Zeit entge-? gen. Herr Postels war auch eifngst bemüht, die Ansichten der erleuchtetsten Männer über die vorzunehmenden? Reformen, die, zur Hebung der jüdischen Lehriustitute bei-? tragen, könnten, zu sammeln, und hoffen; wir, daßdie umsichtige Berücksichtigung derselben höheren Orts die? schönsten Früchte tragen werde. — Uns vorbehaltend,! nach Erscheinung des Berichts in?d. Bl. ein Referat zu geben, wollen wir.moch folgende Bemerkung hinzufügen:j Die Nr. 40 b. Ztg. bringt einen Auszug von bett statistischen Nachrichten über das Elementar-Schulwesen in Preußen. Welche glänzende Resultate! Welche vielsprechende Zahlen sehen wir daUnd wem hat der preußische Staat daß große Zahlenverhältniß (17/oo) der schulbesuchenden jüdischen Jugend zu verdanken? Wir wollen dies dreist behaupten, daß, trotzdem Preußen der Staat der Intelligenz genannt wird und also die Dringlichkeit und das Bedürfniß einer regelmäßigen Erziehung von der Bevölkerung selbst gefühlt wird, es nie solche glänzende Erfolge erzielen könnte, wenn es nicht die Schulpflichtigkeit der ganzen Jugend bis zum 14. Lebensalter proclamirt hätte. — Man versuche auch bei uns, wenigstens hinsichtlich unserer Glaubensgenossen, da man doch einmal gewohnt ist, unsere Gleichstellung von einer höhern Bildung abhängig zu machen und. diese jener vorangehen zu lassen, das System des Schulzwanges einzuführen, und in kürzester. Zeit wird, es sich Herausstellen, welchen Aufschwung die jüdische Schule nehmen, würde. -- 'Der Wirkungskreis derselben, gegenwärtig 'sich nur auf einen kleinen Brüchtheil der ärmsten Schicht des Volkes beschränkend, würde an Umfang zünehmen und sich auch auf die wohlhabenderen Classen erstrecken. — Wir haben hier hauptsächlich nur die jüdische Schule im Auge; denn die bis nun geführte Klagel, daß die jüdische Jugend so wenig die öffentlichen christlichen Lehranstalten besucht, kann nicht mehr erhoben werden; denn nachdem Sr. Maj. der Kaiser 24,000 S.-R. zu Stipendien für die der christlichen Schulen frequentirenden jüd. Schüler großmüthigst geschenkt, ist der Andrang' derselben in den israel. Schulen so groß, daß viele derselben zurückgewiesen werden mußten. So sahen wir in Ostrog in Volhynien, dem Sitze dreier chassidischeniRebbes, dessen Bevölkerung sich keineswegs durch Bildung und Aufklärung auszeichnet, 30 jüdische Schüler die dasige israel. dreiclassige Kreisschule besuchen. Beider Ge'sämmtzahl der Schüler (80) und in Betracht, daß in derselben Stadt 25 Knaben die jüdische Elementarschule besuchen, ist. .dieses Zahlenverhältniß sehr groß. Auch in den Gymnasien hat die Zahl der' jüdischen Schüler, beträchtlich zugenommen. — Man sieht, daß dem ärmeren Juden nur Hilfsmittel geboten werden müssen, und er wird nicht anstehen, seine Kinder in die öffentlichen Schulen zu schicken. — (Schluß folgt.)

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